b_350_1200_16777215_00_images_201112_hintergruende_komuefa.jpgDas war sie also, die EURO 2012. Ups, das (TM) muss ich noch nachreichen, damit ja klar ist, dass ich mich nicht dem Ambush-Marketing strafbar mache. Schöne Glitzerwelt des europäischen Fußballs: Was bleibt davon in Erinnerung? Sicher die Tatsache, dass sich Chelseas Mauertaktik, die zum Championsleague-Titel geführt hat, von keinem einzigen Nationalteam übernommen wurde. Im Gegenteil! Der heiß geliebte Offensivfußball feierte - mal wieder - Auferstehung, auch wenn fast alle Teams auf lediglich einen nominellen Stürmer setzten und mit einem 4-2-3-1 System das Mittelfeld stärkten. Im Finale standen trotzdem andere. Die Italiener, mit ihrem "klassischen" 4-4-2 und wie erwartet die Spanier, zur Überraschung aller auch im letzten Spiel über weite Strecken mit gar keinem Stürmer.



Spanien hat auf beeindruckende Art und Weise Geschichte geschrieben. Das dritte Turnier in Folge gewonnen und das auch noch mit dem höchsten Endspielsieg der Historie. Das kompletteste Team mit den besten Einzelkönnern hat sich den Titel gesichert. Mit Ballbesitzorgien, hervorragendem Kurzpassspiel und schnellen Kombinationen im Angriff haben die Spanier ihren Kritikern zumindest im Finale den Wind aus den Segeln genommen. Endlich war der Zug zum Tor wieder da. Für mich auch unglaublich beeindruckend war ihre Balleroberung über das gesamte Turnier. Sobald die Kugel weg war, dauerte es nur wenige Augenblicke, bis sie das Spielgerät wieder eroberten.

Es bleibt die Erkenntnis, dass die Ära der Furia Roja weiter geht und die Bestätigung der Tatsache, dass man auf seine eigenen Stärken bauen soll und diese nicht dem Gegner opfern darf - siehe Deutschland im Halbfinale. Und noch eines zeigte dieses Turnier: Die sportpsychologische Binsenweisheit "Ein Team ist mehr als die Summe seiner Einzelteile" haben die Niederländer eindrucksvoll bestätigt. Wohl selten zuvor hat eine Mannschaft mit derart überragenden Einzelkönnern so wenig aus ihren Potential gemacht.

76 Tore in herrlichen Stadien durften bewundert werden. Warum aber, trotz UEFA-Zensur, öfters leere Plätze auf den Tribünen zu sehen waren, wäre wirklich interessant. Auch schon bei der letzten EM in Österreich und der Schweiz blieben viele Plätze frei, die dann schnell, schnell mit Volunteers aufgefüllt wurden. Die Kartenanfragen für die EM war um das Zehnfache überzeichnet und trotzdem blieben etliche Plätze leer. Offenbar gehen hier große Kontingente nicht gerade an Fußallinteressierte...

Der Gewinner dieses Turniers stand schon vorher fest - nein, nicht die Spanier - die UEFA natürlich! Was mich aber wirklich beeindruckt, ist die offensichtliche Macht, die dieser Verband haben muss. Klar, seitdem sie selbst die Bilder aus den Stadien produzieren, darf man sich nicht wundern, dass man eigenartige Faschingskostüme und -bemalungen sieht, die jeder wirkliche Fußballfan ablehnt und die zum Inbegriff und Erkennungsmerkmal eines Eventbesuchers verkommen sind. Kein einziges Fan-Transparent wurde in den Übertragungen gezeigt. Gleich wie Bengalen wurden etliche, auch kritische Transpis in die Stadien geschmuggelt und präsentiert. Lediglich durch die Verhängung diverser Geldstrafen für die Teilnehmer der EM kämen unbedarfte Interessierte auf die Idee, dass es da was gegeben hat.

Die wirkliche Machtdemonstration zeigte sich in der Berichterstattung rund um das Turnier. Die UEFA schaffte es so gut wie keine kritische Berichterstattung in den Hauptmedien zuzulassen. Lediglich in vergleichsweise kleinen Blogs und Zeitungsportalen fanden sich Berichte zu Ausschreitungen, Rechtsextremismus, Rassismus, Homophobie und Sexismus. Nur der größte Aufruhr fand länderübergreifend Erwähnung: die Auseinandersetzungen zwischen Polen und Russen. Über die eigenartige Ticket-Vergabepraxis und die vielen leeren Plätze in den Stadien herrscht zwar allerorts Irritation. In Frage stellen lässt sich die UEFA dafür natürlich nicht. Warum auch? Die Milliarden rollen und Geld regiert die Welt.

 

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Christian Hummer Christian Hummer

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