Weiterlesen: Pausentee mit FloridsdorfHalbzeit ist. In Amerika würden jetzt die Cheerleader aufs Feld kommen, die Marchin‘-Bands oder Musiksternchen, die ihre Platte promoten wollen. Medizinstudenten im Sezierkurs würden zum legendären Leichwendfest ausrücken und die Wirkung von linearen n-Alkanolen auf den eigenen Körper austesten. Und Wacker? Keine Feier, keine Party, keine Pause. Floridsdorf wartet, und die Wiener sind keine leichte Aufgabe für einen Mittelständler.

Weiterlesen: Besser PessimistTut mir leid, das wird nix. Kein Sieg, keine drei Punkte, kein Jubel auf fremdem Terrain. Wacker ist einfach chancenlos. Klingt für Sie zu pessimistisch? Naja, Optimismus wurde in den vergangenen Monaten schnell und grausam bestraft. Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden, auch nicht gegen Wr. Neustadt. Und Pessimismus rettet Leben. Glauben Sie nicht? Warten Sie einen Moment...

Weiterlesen: Oh, mon dieu!Was gäbe es nicht alles zu sagen zu den letzten Vorkommnissen. Aus einer Werbung für Wacker und den Tiroler Fußball wurde durch geistige Einzeller ein mittlerer Skandal. Ja, gepusht durch Fehlmeldungen in den Medien, ja, falsch beurteilt und mit Generalhaftung für alle Schwarz-Grünen, ja, mit schweren Fehlern in der Wattener Organisiation, aber dennoch: ausgehend von Individuen aus dem Innsbrucker Anhang. Hier ist der eigentliche Grund zu suchen, nicht woanders. Und da kann es auch kein „Schwamm drüber!“ geben und kein abwischen an der erbärmlichen sportlichen Leistung am Platz. Eine erbärmliche Leistung, die gegen den LASK ein Ende sucht...

Weiterlesen: Das Ziel nicht aus den Augen verlierenFußball macht Spaß. Man trifft sich auf ein Kickerl, versucht, ein, zwei Bälle ins Tor zu bugsieren, die Freunde ein bisschen zu ärgern und sich selbst nicht zu verletzen. Fußball halt. Profisport sieht anders aus. Im Kern geht es auch um Spaß, Tore, Gegner ärgern – aber noch um mehr. Da braucht es Ziele, Visionen, ja Missionen. Die werden meist hoch angesetzt und idealer Weise weiter in die Zukunft verlegt, man kann sich ja nicht jedes Jahr nur rechtfertigen. Aber irgendwann ist die Zukunft Gegenwart, und dann wird von Fans und Medien eingefordert. Oder gewitzelt. Wie etwa bei Wacker Innsbruck. Oder Horn.

Weiterlesen: Beglücktes Häuflein BrüderSchon klar, es trifft hier die WSG auf Wacker. Es ist keine epische Schlacht, bloß die 12. Runde in der zweithöchsten Spielklasse. Und doch ist irgendetwas anders. Die Wattener haben Lunte gerochen und wähnen sich schon auf Augenhöhe, die Medien sehen Innsbruck dem Ende zutaumeln, fordern Fusionen und erliegen, Fakten ignorierend, blindlings dem Charme einer Blondine. Trainer kasernieren „ihre Jungs“ und sprechen vom letzten Aufgebot – ein beglücktes Häuflein Brüder, wer sich Freitagabend zu den Außerwählten zählen darf. Oder doch nur eine alles überdeckende St.-Crispians-Rede (http://gutenberg.spiegel.de/buch/konig-heinrich-der-funfte-2175/21).

Weiterlesen: Deja-vuManchmal passieren Dinge, die kommen einen bekannt vor. Ziemlich bekannt. Eigentlich fast so, als ob man sie schon mal erlebt hat. Etwa, wenn ein Verein am Abgrund grundelt, seinen Trainer entlässt, eine Alternative dazu sucht. Und die Alternative dann Klaus Schmidt heißt. Nur diesmal heißt der Einsatzort des Feuerwehrmannes nicht Tivoli, sondern Gugl, und der Brandherd Blau-Weiß Linz. Man trifft sich immer zweimal im Leben.

Weiterlesen: Ich bin dann mal weg......so verabschiedete sich Hape Kerkeling bei seinen Freunden, als er sich 2001 auf den Jakobsweg machte. Ein Zusammenbruch, eine Sinneskrise hatte ihn aus seinem Alltag geworfen, von seinem Ziel wegbefördert. „Ich bin dann mal weg“, das gilt auch für den FC Wacker Innsbruck, in vielerlei Belangen. Das propagierte Ziel – unter ferner liefen. Der Trainer – mal weg. Die neue Richtung – unbekannt. Doch Wacker kann sich keine Auszeit nehmen, am Freitag wartet schon die Sportvereinigung aus Kapfenberg, der Dritte der Meisterschaft. Hl. Jakob, steh bei...

Der Jacobacci-Weg
Viele Wege nennen sich „Jakobsweg“. Der eigentliche ist das spanische Schlussstück, der Camino Frances von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela. 769km lang, drei Bergetappen, ansonsten mit klarer Tendenz nach unten. Die Schwarz-Grünen waren auch gerade am Weg, einem schweizerisch-italienischen Abschnitt. Wenig Spitzen, mit klarer Tendenz nach unten. Drei Monate hatte sich Jacobacci ausbedungen, drei Monate, die sein System braucht, um zu greifen. 106 Tage hatte er Zeit erhalten, das System schien aber nicht mit dem vorhandenen Spielerpotential kompatibel zu sein. Zwei Siege in elf Pflichtspielen, sechs Niederlagen, 19 Gegentreffer in 1020 Spielminuten, 23 eingesetzte Spieler, von denen nur drei (Pichlmann, Pichler, Jamnig) in allen Spielen zum Einsatz kamen, die nackten Zahlen scheinen die vorzeitige Trennung zu rechtfertigen. 0,82 Punkte pro Spiel, damit ist Jacobacci zwar besser als die Interimstrainer Florian Klausner (0,6) vor ziemlich genau zwei Jahren und Klaus Vogler (0,57) vor neun Jahren und deutlich besser als Voglers Nachfolger Lars Söndergaard (0,36), aber dann muss man schon ein Stückchen schauen, um einen Wacker-Trainer auf Augenhöhe zu entdecken. Lajos Baroti wäre vergleichbar, 19 Spiele lang am Chefposten engagiert, 0,82 Schnitt. 1979 war‘s, die SSW stieg in diesem Jahr trotz Cupsieg und Vorjahres-Drittplatzierung ab – um auf die KSV zu treffen. Braschler und Verhejen schossen vor 3500 Zuschauern die Innsbrucker am Tivoli zu Sieg, auswärts setzte es mit einem Mann weniger (Forstinger sah Rot) eine bittere 1:0-Niederlage. Bitter deshalb, weil am Ende exakt zwei Punkte für den Aufstieg fehlten. Vom Aufstieg ist der FCW derzeit meilenweit entfernt, selbst wenn der Verein dieses Ziel in seinen offiziellen Schreiben noch immer nicht fallengelassen hat.

Jede Wanderung beginnt mit dem ersten Schritt
Dieses Verfehlen der Vorgabe allerdings ausschließlich Jacobacci in die Wanderschuhe stecken zu wollen, wäre aber auch gemein. Und völlig falsch. Die Kaderzusammensetzung geschah nicht durch den Trainer. Der Trainer selbst, sein zwischenmenschlicher Umgang und seine Arbeitsweise waren bekannt, oder sollten es zumindest gewesen sein. Und, vorweg, die Krise begann nicht mit dieser Saison. Die Rückrunde der Saison 2015/16 brachte für Wacker nur sechs Siege in 18 Spielen, acht Niederlagen, ein negatives Torverhältnis und lediglich Rang sieben in dieser Abschnittstabelle. Das letzte Viertel dieser Saison war mit 17 Gegentreffern in 9 Spielen, zwei Siegen bei fünf Niederlagen und Rang 8 in dieser Formtabelle noch ein Stück dramatischer. Der Herbstmeister der vergangenen Spielzeit lebte ausschließlich auf Pump, lebte nur von den ersten, überragenden Spielergebnissen. Ab Runde 13 ging es stetig bergab, wie vom Cruz de Ferro am Monte Irago hinab zum Grab des Jakobus. Betrachtet man alle Ligaspiele des FC Wacker seit jenem Spieltag im Oktober des Vorjahres, dann konnten die Innsbrucker in 34 Spielen nur zehn Siege feiern, musste aber 15 Niederlagen erdulden. 51mal bauschte ein gegnerischer Schuss das Netz des schwarz-grünen Tores, ein Minus von acht weist das Torverhältnis auf. Der erste Schritt wurde vor langer Zeit getan, Innsbruck ist nicht erst jetzt, sondern seit geraumer Zeit eine Mannschaft des unteren Mittelfeldes. Ob die Zugänge des Sommers dieser Entwicklung entgegenstehen, ist fraglich.

Santiago y cierra!
Vom Jakobsweg lernen heißt es. Man kann stets zurück blicken und wird dabei nie vorwärts kommen. Man kann versuchen, das Ziel hinter jeder Kurve zu entdecken und wird dabei nach jeder Kurve auch enttäuscht werden. Man kann nach unten blicken, auf die geschundenen Füße, und wird dabei den Weg verlieren. Der nächste Schritt ist der nächste Erfolg, am Weg lernen ist beinahe ebenso wichtig wie sich dem Ziel mit jedem dieser Schritte langsam zu nähern. Und der nächste Schritt heißt Kapfenberg. Seit fünf Spielen ist man gegen die Steirer ungeschlagen, vier Remis und ein Sieg. Das ist Vergangenheit. 53% der Zweikämpfe haben die Innsbrucker gewonnen, der zweitbeste Wert der Liga, wenn auch derzeit noch unbelohnt. Das ist die Enttäuschung hinter der Kurve. In den vergangenen 14 Spielen kassierte Wacker immer zumindest einen Gegentreffer, das ist ihnen in der zweiten Liga noch nie passiert. Das sind die geschundenen Füße. Alles nebensächlich. Ein neues Spiel steht an, ein neuer Trainer begleitet das Team am Pilgerweg, eine neue Etappe steht am Tagesplan. Der Hl. Jakob, der Patron der Arbeiter und Krieger, steht eben jenen zur Seite, die sich mühen, die kämpfen. Jenen, die Christoph Nicht in seinem 100. Erste-Liga-Spiel einen Treffer zufügen wollen, spielte er doch bereits fünfmal zu Null gegen Innsbruck, so oft wie gegen kein anderes Team. Jenen, die der eingespielten Truppe von Abdulah Ibrakovic das Leben schwer machen wollen, dem Team, das mit 18 Spielern bislang die wenigsten der Liga zum Einsatz brachte, das acht Spieler aufweisen kann, die alle 10 Spiele absolviert haben. „Santiago y cierra!“, riefen die spanischen Heere vor der Schlacht. Sankt Jakob und greift an!

Einmal wieder weinen können
In Kerkelings Wanderführer stand, jeder Pilger wird am Jakobsweg zumindest einmal weinen. Bei Wacker sind die Tränen längst getrocknet, es herrscht vielfach nur noch Resignation bei jenen, die ihr Herz für ewig an diesen Verein vergeben haben. Gefühle wurden aus Selbstschutz eingefroren. Eine Niederlage schmerzt nicht mehr so sehr, ein Sieg führt kaum noch zu Jubelstürmen. Die Lethargie des Spieles hat auf das Publikum übergegriffen. Es liegt an den Spielern, neue Begeisterung zu entfachen, bevor das Feuer völlig verglüht.

Weiterlesen: Gau odr bliiboEin Gitarrenriff, eigentlich nur zwei Töne. Dazwischen das metallische Scheppern abgedämpfter Saiten. Simpel, aber eindrucksvoll. The Clash haben 1982 ein Lied hinterlassen, das zum Klassiker wurde. Und zur Frage, die sich Schwarz-Grüne immer wieder stellen: gehen oder bleiben? So, wie Wacker-Spiele derzeit enden, ist es wohl besser, nicht zu gehen. Vielleicht klappt‘s ja ohne Anhang auch im kleinen Westderby gegen Lustenau. „So you gotta let me know, should I stay or should I go?“.

Weiterlesen: Auf zum LieblingsgegnerLange Zeit war das Gebiet Niemandsland. Eine Pufferzone zwischen den Barbaren, genannt Germanen, und den Römern. Zuvor hatten schon einmal die Kelten versucht in dem Gebiet Fuß zu fasen, wurden aber vertrieben.

Weiterlesen: Make it great againEigentlich möchte ich mich entschuldigen, gleich vorab. Aber ich kann mir nicht helfen. Da hört man Aussagen von einem orangefarbenen Bauunternehmer aus Übersee, und denkt an die Herren aus dem Bullenkonzern. Da lässt ein postpubertärer Soziopath Worte fallen – und er kennt die besten Worte, die besten – die einem den Schauer über den Rücken jagen, und man denkt an die unschuldigen Buben aus Liefering. Definitiv mein Fehler, ich weiß, aber dennoch...

Weiterlesen: Kobayashi MaruLange war man der Meinung, beim FC Wacker Innsbruck ginge es um Fußball. Ginge es darum, einen Verein finanziell stabil zu halten und dennoch sportlich zu reüssieren. Doch immer wieder krachte es, ob Abstieg nach einem Goldenen Jahrzehnt oder Umbenennung und Farbverlust, ob Verurteilung wegen Untreue oder donnernder Konkurs, ob Überlebenskampf als Verein oder Überlebenskampf am Rasenviereck. Wenn man glaubte, man hätte ein Problem gelöst, traten zwei neue auf. Was der Kobayashi-Maru-Test für Sternenflottenoffiziere im Star Trek universum ist, ist Wacker Innsbruck für den Tiroler Fußball. Ein Persönlichkeitstest. Es geht nicht darum, ein Problem zu lösen, sondern sich der Angst zu stellen in einer ausweglosen Situation. So wird jeder Gegner zum Angstgegner. Der nächste auf der Liste: SC Wr. Neustadt.