b_350_1200_16777215_00_images_201617_haxn_sta15.jpgEin Gitarrenriff, eigentlich nur zwei Töne. Dazwischen das metallische Scheppern abgedämpfter Saiten. Simpel, aber eindrucksvoll. The Clash haben 1982 ein Lied hinterlassen, das zum Klassiker wurde. Und zur Frage, die sich Schwarz-Grüne immer wieder stellen: gehen oder bleiben? So, wie Wacker-Spiele derzeit enden, ist es wohl besser, nicht zu gehen. Vielleicht klappt‘s ja ohne Anhang auch im kleinen Westderby gegen Lustenau. „So you gotta let me know, should I stay or should I go?“.

Schwarz odr wiiß

Bevor der blau-weiße November mit den ewig gleichen Farben von Linz, Horn, Neustadt und Floridsdorf vor der Tür steht, warten die Grün-Weißen aus dem Rheintal. Der nächste von den hohen Gefilden der Liga. Tabellenführer Liefering – besiegt. Tabellenzweiter LASK – geschlagen. Tabellendritter Kapfenberg – besiegt. In den letzten vier Partien ging es für Wacker dreimal gegen die Topmannschaften der Liga, neun Punkte standen zu Buche, verloren wurde nur einmal. Gegen den Achten aus Wattens. Nach diesem Wattener Spiel sahen viele, auch die Medien, die Innsbrucker wieder in höchster Abstiegsgefahr, wie man es bereits zwei Wochen zuvor getan hatte. Jetzt, nur zwei Spiele später, nach zwei Siegen mit vier Toren, darunter zwei Eigentoren und einen Elfmeter, jetzt werden Fragen gestellt, ob denn ein Aufschließen an die Tabellenspitze, ein Aufstieg in diesem Jahr doch noch möglich ist. In Tirol gibt es wohl nur Schwarz oder Weiß. Zugegeben, die Partie gegen Liefering war die wohl beste seit Langem, mit druckvoll herausgespielten Chancen, gutem Stellungsspiel, zweikampfintensiver Sturmspitze und zweikampfstarker Abwehr. Niemand hatte in diesem Spiel mehr Duelle als Patrick Eler mit seinen 25, niemand war Mann-gegen-Mann erfolgreicher als Michael Schimpelsberger (80%) und Christoph Kobleder (100%). Soferne man in das Duell ging und den Gegner nicht passieren ließ wie beim zwischenzeitlichen Ausgleich. Ein kurzer, schwarzer Moment, der all das aufzeigte, was bei Wacker derzeit schief läuft. Ein gutes Doppelpressing des Gegners, Ballverlust am Mittelkreis, die Verteidigung in der Vorwärtsbewegung überrascht. Ein einziger, schneller Pass der Lieferinger in die Tiefe, Kobleder nicht schnell genug im Kopf, um darauf zu reagieren und den Ball zu klären. Tor. Genau so hätte es auch in Minute zwei schon sein können. Ballverlust am gegnerischen Strafraum, ein einziger, schneller, weiter Pass, die aufgerückte Verteidigung überrascht. Wieder Kobleder nicht schnell genug im Kopf und in den Beinen, einfach überlaufen. In den ersten Saisonspielen wurden solche Patzer direkt bestraft, Wacker ging zu oft mit einem Rückstand in die Partie. Nicht gegen Lustenau in Runde 6 – dennoch setzte es eine 0:1-Niederlage.
 
Ghöuori odr wäni

Lustenau kann mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. Lediglich zwei Spiele in dieser Spielzeit verloren, nur Liefering weniger. Die beste Abwehr der Saison, nur 14 Gegentreffer. Die letzten beiden Spiele zu Null, nur zwei Gegentore in den letzten vier Runden. Seit vier Runden ungeschlagen, die beste aktuelle Serie der Liga. Ganz schön ghöuori, was Lustenau da bietet. Eigentlich ghöuori wäni, richtig wenig. Dabei kann das Team auch mit anderen Werten beeindrucken, mit solchen, die dar gräuoscht sind, am größten, besten. Etwa die von Raphael Dwamena, dem Mann der Liga, der am häufigsten Richtung Tor schießt, 43mal. Und der auch am häufigsten auf das Tor schießt, 26mal. Und auch schon achtmal getroffen hat, nur einmal weniger als der Führende der Rangliste. Die Hälfte seiner Treffer gehen auf den leonggi Fuaß, niemand hat mit links bislang mehr Tore erzielt. Und die anderen vier auf seinen Mäggolar. Das ist jetzt nicht Ghanaisch, sondern Lustenauerisch, und bedeutet in dieser Rheintaler Fremdsprache Kopf - niemand war mit seinem Köpfchen erfolgreicher. Doch nicht jeder Vorarlberger ist so erfolgreich, trotz Führung in den Ranglisten. Peter Haring etwa, der Mann mit den meisten Ballkontakten aller Spieler (1215), 192 mehr als sein Teamkollege Christoph Stückler, Dritter der Rangliste. Kein Wunder, das diese beiden auch die Passstatistik anführen: 1029 Pässe gab Haring ab, 860 Stückler, was hätten sie auch sonst mit den Bällen tun sollen. Haring hat Quantität, im Abschluss jedoch - 13mal schoss er auf das Gehäuse, vier Bälle brachte er aufs Tor, noch nie durfte er jubeln. Auch, weil dreimal das Aluminium einen Treffer verhinderte. So oft wie bei keinem anderen Spieler der Liga.
 
Hauoß odr kalt

Das darf auch ruhig so bleiben, denn viele Tore sind von Wacker nicht zu erwarten. Die letzten beiden Aufeinandertreffen blieben ohne Innsbrucker Jubel, zu Null wurde man abgefertigt. In den letzten neun Partien trafen die Schwarz-Grünen niemals mehr als einmal pro Spiel. Dass dabei dennoch drei Siege und ein Remis herausschauten, war einer hervorragenden Abwehrleistung zu verdanken. Das war nicht immer so, denn nochmals neun Spiele vorher setzte es für die Tiroler Tore zu Hauf, sieben der neun Partien endeten mit mindestens zwei Gegentreffern – und acht der neun Partien mit mindestens zwei wackeren Toren. Nur zweimal gingen dabei die Lustenauer als Sieger vom Platz, viermal hieß dieser Innsbruck. Die Grün-Weißen waren lange Zeit ein Lieblingsgegner, fuhren wie dr Kuglar, der kalte Ostwind, durchs Reichshof und den Tivoli: die ersten 18 Pflichtspiele blieb Wacker ohne Niederlage. Die letzten sieben Auswärtsspiele hingegen konnte man nur einmal gewinnen. Heiß-kalt, das Verhältnis zur Austria. So heiß-kalt wie die aktuelle Saison. Und wie das Verhältnis zu den Fans. Man hat es nicht gern, wenn jemand einem auf die Füße schaut, scheint es. 34.806 taten dies bislang dennoch, die vier meistbesuchten Spiele vor insgesamt 19.984 bzw. 57,4% aller Zuschauer gingen verloren. Mehr noch, die Niederlagen sahen 63% aller Besucher von Wacker-Spielen, die Siege 24%. Sie sind wohl lütschüüch, die Innsbrucker Ballesterer, sie meiden Menschen.
 
Gau odr bliibo

Jetzt werden sie selbst gemieden, und sie genießen es. Spielen auf, gewinnen. Und für den Fan stellt sich die Frage: gehen oder bleiben? Man will doch seine Mannschaft sehen, man will mit ihnen mitfiebern, will alles für den Sieg geben. Wenn alles geben allerdings bedeutet, daheim vorm Fernseher, vorm Ticker, vorm Radio zu sitzen – gut, dann bliibo mo dohuom und luogo, was got. Und verärgern die Lustenauer mit dem Versuch, ihre Sprache zu sprechen.

 

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Stefan Weis Stefan Weis

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