b_350_1200_16777215_00_images_201617_haxn_sta16.jpgManchmal passieren Dinge, die kommen einen bekannt vor. Ziemlich bekannt. Eigentlich fast so, als ob man sie schon mal erlebt hat. Etwa, wenn ein Verein am Abgrund grundelt, seinen Trainer entlässt, eine Alternative dazu sucht. Und die Alternative dann Klaus Schmidt heißt. Nur diesmal heißt der Einsatzort des Feuerwehrmannes nicht Tivoli, sondern Gugl, und der Brandherd Blau-Weiß Linz. Man trifft sich immer zweimal im Leben.



Da war doch was...

165 Tage ist es her, kein halbes Jahr. Eine 5:2-Niederlage gegen Klagenfurt in Runde 35, völlig bedeutungslos für die Saison, beendete die Zeit des Steirers in Schwarz-Grün. Vielmehr war es sein letztes Spiel, denn der Grund für die Trennung kann es kaum gewesen sein, auch wenn die Zeit von Schmidt am Tivoli keine überaus glückliche war. 52 Partien lang betreute er den FC Wacker Innsbruck, 22 Siege, aber auch 15 Niederlagen später war seine Ära auch schon wieder vorbei. Nur 1,56 Punkte im Schnitt, lediglich 1,42 Tore pro Spiel bei 1,17 Gegentreffer sind nicht gerade berauschend. Drei Niederlagen gleich zu Beginn, sieben Spiele bis zum ersten Dreipunkter mit vier verschiedenen Spielsystemen (4-4-2, 4-1-4-1, 4-3-3, 4-4-2 mit Doppelsechs) – Schmidt suchte lange nach Orientierung. Es war aber auch kein Wunder, übernahm er den Tiroler Traditionsverein doch auf einem Abstiegsrang mit nur einem Sieg in den vorhergehenden 10 Runden, mit sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen. Wacker war stehend k.o., völlig zerstört. Der neue Trainer sah sich mit einer Truppe konfrontiert, die das Gefühl des Sieges nur von der Playstation kannte, oder dem abendlichen Mau-Mau mit den Kindern. Der Wacker des Mai 2014 hatte weniger als ein Tor pro Spiel erzielt, in den beiden vorhergehenden Saisonen der Bundesliga 145 Gegentreffer erhalten, war 2013/14 mit nur drei Heimsiegen abgestiegen. Dieser Mannschaft wieder Leben einzuhauchen war kein einfaches Unterfangen. Aber es gelang. Nach drei Niederlagen in Serie folgten sieben Spiele ohne, davon sogar sechs mit Shut-Out. Mehr noch, von den folgenden 26 Spielen wurden nur drei verloren, inklusive einer stolzen Serie von sieben Siegen, die Fans und Medien wieder von besseren Zeiten träumen ließ. Es geht schnell in Tirol. Kommt einem fast bekannt vor.
 
Der hat doch mal...

Es hat nicht ganz gereicht, wie wir wissen, und so schnell ein Physiotherapeut zum Heilsbringer wurde, so schnell wurde aus der großen Hoffnung auch wieder eine maßlose Enttäuschung. Zumindest für die, die nur die Ergebnisse, nicht aber die Spiele selbst gesehen haben, die nichts vom Glück, das oftmals nicht erarbeitet war, mitbekommen haben, die auch den schnellen Leistungsnachlass noch im Herbst nicht wahrhaben wollten. Schmidts Start war aber nicht nur sportlich kein leichter. Es war noch nicht lange her, als man es Spielern ganz schön krumm genommen hatte, dass ihre Schuhe die falsche Farbe hatten. Und dann kam einer, der nur Tage zuvor noch das Wappen eines lilanen Regionalligisten geküsst hatte. Eines Regionalligisten, den er auf den Weg in höhere Sphären geführt hat, der in 19 Pflichtspielen 14mal als Sieger vom Platz ging, der erst in Runde sechs – gegen Wacker Innsbruck II - den ersten Gegentreffer hinnehmen musste, der erst in Runde 10 den ersten Punkt abgab und zu Hause unter Schmidt kein Ligaspiel verlor. Diese heimatlosen Veilchen aus der Salzburger Vorstadt bestritten ihr erstes Pflichtspiel unter Klaus Schmidt im ÖFB-Pokal gegen Blau-Weiß Linz und besiegten die Oberösterreicher locker mit 2:0. Und wäre Kapfenberg oder Klagenfurt greifbar gewesen, Klaus Schmidt hätte mit seinen bis in die Haarspitzen motivierten Jungs auch diese Stationen seiner Trainerkarriere gebogen. Denn Motivation war nie etwas, dass Mangelware war beim gebürtigen Grazer. Die KSV etwa verlor nur zwei der ersten 16 Partien unter Cheftrainer Schmidt, gewann dabei 11mal. Klagenfurt verhalf er als Interimstrainer 2007/08 zum ersten Sieg nach acht Runden und leitete den Umkehrschwung ein, der die Kärntner am Ende der Saison über den neunten Platz, vier Punkte vor dem FC Wacker, jubeln ließ.
 
Der wird doch nicht...

Und jetzt trainiert Schmidt Blau-Weiß Linz. Erneut als Hoffnungsbringer, als Motivator, als jener, der den Klassenerhalt retten soll. Bevor Schmidt kam, hatte Blau-Weiß in 12 Partien achtmal verloren, nur sechs Punkte erspielt, dabei aber 19 Tore erhalten. In den drei Begegnungen unter dem neuen Trainer konnte man zwar auch nur ein einziges Tor erzielen, musste aber nicht eines hinnehmen und verdoppelte beinahe die Punkte auf nunmehr 11. Jetzt kommt er zum ehemaligen Arbeitgeber nach Innsbruck - und Wacker tut sich schwer gegen die vermeintlich Kleinen. Ein Punkt konnte in den bisherigen vier Spielen gegen die Aufsteiger erreicht werden. Das 2:2 in Linz war für Blau-Weiß eigentlich eine vergebene Chance, lag man doch nach 58 Minuten 2:0 in Führung, nur sechs Minuten später musste man sogar um den letzten verbliebenen Punkt zittern. Aber selbst, wenn man es kaum glauben mag, Innsbruck ist wieder so etwas wie eine Heimmacht. Naja, sagen wir Heimmächtchen: vier Siege in sieben Spielen bedeuten Rang vier in dieser Tabelle, 13 von 19 Punkten wurden vor eigenem Publikum, so spärlich es auch sein mag, erkämpft. Eigentlich gute Vorzeichen, denn die Oberösterreicher haben bislang in der Fremde noch gar nicht gewonnen, zwei torlose Remis sind das einzig Zählbare, das die Herren von der Donau vorweisen können – diese wurden aber in Wattens und Lustenau erreicht, der Westen scheint den Linzern zu liegen.
 
Deja-vu?

Bleibt Blau-Weiß auch diesmal ohne Gegentor, dann wäre das nicht nur das fünfte Mal in dieser Saison und damit so häufig wie kein anderer Verein, sondern auch neuer Mannschaftsrekord. Noch nie konnte man viermal in Folge ein Shut-Out in der zweithöchsten Spielstufe erspielen. Dabei soll’s auch bleiben, da darf es ruhig ein Deja-Vu geben. Denn als Ex-Trainer Michael Streiter 2006 mit Altach zum ersten Mal gegen Wacker antrat, setzte es eine 0:1 Niederlage, so wie schon in der Runde zuvor für Heli Kraft als Ried-Trainer. Als Kraft 2008 mit Neustadt wiederkam – 0:3 für Innsbruck. Heli Kraft mit dem LASK? 0:2 für Innsbruck. Deja-vu...

 

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Stefan Weis Stefan Weis

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