b_350_1200_16777215_00_images_201617_haxn_sta17.jpgFußball macht Spaß. Man trifft sich auf ein Kickerl, versucht, ein, zwei Bälle ins Tor zu bugsieren, die Freunde ein bisschen zu ärgern und sich selbst nicht zu verletzen. Fußball halt. Profisport sieht anders aus. Im Kern geht es auch um Spaß, Tore, Gegner ärgern – aber noch um mehr. Da braucht es Ziele, Visionen, ja Missionen. Die werden meist hoch angesetzt und idealer Weise weiter in die Zukunft verlegt, man kann sich ja nicht jedes Jahr nur rechtfertigen. Aber irgendwann ist die Zukunft Gegenwart, und dann wird von Fans und Medien eingefordert. Oder gewitzelt. Wie etwa bei Wacker Innsbruck. Oder Horn.


 
Horn und die PS3

Mit hohen und hehren Zielen kann man gut beeindrucken, kann positive Stimmung erzeugen und auf dieser Welle dann zum Erfolg schwimmen. Oder man nimmt den Mund etwas zu voll und sorgt von Beginn an für verschmitztes Grinsen. Mahmadou Idrissou kann ein Liedchen davon singen, wobei, gesungen haben es die Freiburger Fans. Mahmadou wollte nicht mehr bei einem Absteiger spielen, er wollte hoch hinaus, und das sagte er auch ganz unverblümt seinen Teamkollegen, bevor er den Verein verließ. Blöd nur, dass er bei seiner Rückkehr mit Möchengladbach nicht gerade auf der Erfolgswelle schwamm. Minutenlang wurde er mit einem Lied bedacht, das ihn wohl mehr schmerzte als jede Beschimpfung: „Idrissou spielt Champions League auf PS3, die ganze Nacht, von 12 bis 8“. Keisuke Honda spielte schon Champions League, er kennt das Gefühl, auf höchster Ebene zu dribbeln. Er kennt aber auch den Schmerz der Niederlage, in seinen sechs Auftritten ging er fünfmal als Verlierer vom Platz. Doch Keisuke Honda will das Gefühl der Meisterliga Europas wieder verspüren, auch wenn es sich derzeit als aktiver Ballesterer nicht ausgeht. Sassuolo, der kleine, schwarz-grüne Verein aus dem Nest in der Emilia-Romagna, schnappte dem großen Mailand den letzten internationalen Startplatz weg. Für Honda gibt es heuer nur Italien. Und natürlich Horn. Denn wenn man mit etwas Geld und Geschick Sassuolo zu einer Konkurenz für die Rosso-Neri machen kann, dann bringt man auch Horn in die Champions League. Und weil Österreich kleiner ist, müssten doch fünf Jahre reichen. Jahr zwei der Mission ist derzeit allerdings noch etwas holprig. Man hat zwar in den ersten sechs Spielen der Saison ebenso viele Punkte geholt wie Keisuke bei seinen Auftritten in der Gruppenphase, aber fünf Niederlagen sind nicht sehr zielführend für einen Verein, der den Meistertitel im Visier hat. In den letzten acht Spielen gab es für die Niederösterreicher auch nur zwei Siege bei fünf Niederlagen, auch wenn die Blau-Weißen zuletzt zwei Heimsiege feierten und etwas Morgenluft schnuppern. Die Zufriedenheit der Manager aus dem Land der aufgehenden Sonne dürfte enden wollend sein. Der SV Horn spielt Champions League derzeit nur auf PS3...
 
Innsbrucker Missionare

Man sollte allerdings gerade in Innsbruck mit dem Lächeln über nicht erreichte Zielsetzungen zurückhaltend sein. Mission 2020 scheint derzeit etwas aus dem Ruder zu laufen, auch in Innsbruck wurde der Aufstieg als Ziel ausgegeben. Dennoch hat Wacker im Jahr 2016 gleich 23 Punkte weniger erreicht als der LASK, 17 weniger als Lustenau. Und einen weniger als St. Pölten. In der Ersten Liga, wohlgemerkt, in welcher der SKN seit 25. Mai nicht mehr aktiv ist. Kein Wunder also, dass auch nur sechs Punkte zwischen den Schwarz-Grünen und dem ersten Abstiegsplatz liegen, der von Horn eingenommen wird. Das Spiel gegen die Waldviertler wird zu einer Partie, die für Wacker richtungsweisend wird. Gegen Horn hat man in dieser Saison bereits verloren, zum ersten Mal in der Geschichte. Horn hat allerdings auswärts noch nicht gewonnen, ist sogar um vier Punkte erfolgloser als der FCW, in acht Spielen konnte nur zweimal remisiert werden. Dass man bei sechs Niederlagen in der Fremde dennoch eine Torverhältnis von -6 aufweist, zeigt, wie knapp jede einzelne Partie war. Gut, man könnte ins Spiel bringen, dass Innsbruck seit vier Spielen ungeschlagen ist, in den vergangenen 10 Partien zumindest einmal scorte und in den letzten vier Heimauftritten 10 Punkte holte. Oder man erwähnt, dass Wacker saisonübergreifend seit unglaublichen sieben Spielen gegen Aufsteiger sieglos ist, mehr noch, dabei sogar viermal als Verlierer vom Platz ging. So wird die Mission 2020, Aufstieg und Etablierung in der Bundesliga, zur mission impossible. Doch auch das lässt sich zelebrieren, man denke nur an George W. Bush und sein „mission accomplished“ am 1. Mai 2003 – der Krieg im Irak läuft immer noch. Man muss nur die Ziele adaptieren, und schon hat man sie erreicht.
 
Someday we’ll go all the way

Es geht auch anders. Man behält das Ziel bei und gibt sich Zeit. Vielen laufen dabei allerdings die Fans in Scharen weg. Oder sie verlieren das Ziel aus den Augen und geben sich selbst auf. Doch manche können auf eine Fanbase hoffen, die geduldig ist. Unglaublich geduldig. Bill Murray zählt etwa dazu, oder Jim Belushi, John Cusack oder Vince Vaughan, Eddie Vedder oder Michelle Obama. Sie alle kannten den Erfolg ihres Teams nur aus Erzählungen ihrer Großeltern. Denn das Wrigley Field von Chicago sah lange keine Meisterfeier seiner Cubs. 1945 war der zweimalige World-Series-Sieger zum letzten Mal im Finale der Baseball-Meisterschaft gestanden, 1908 durfte man zuletzt über die Trophäe jubeln. Man musste sogar miterleben, dass in der Zwischenzeit die Chicago White Sox sportlich die Vormacht in der Region übernahmen. Sportlich, nicht emotional. Denn die Cubs hatten ihre Fans, die treu zu ihnen standen in 108 Jahren Erfolglosigkeit. 108 Jahre beschwor man, dass man eines Tages den ganzen Weg gemeinsam gehen wird. Eddie Vedder von Pearl Jam schrieb sogar ein Lied darüber. Man überstand Sticheleien wie jene aus „Zurück in die Zukunft“, die den Triumph für 21.10.2015 voraussagten – und damit 1985, im Jahr des Drehs, noch weitere 30 Jahre ohne Titel prognostizierten. Man ignorierte den Fluch eines Rednecks aus den 30ern, der die Cubs verfluchte und ihnen für ewig die World-Series verwünschte, weil er nicht mit seiner Ziege in das Stadion durfte. Die Fans gingen den Weg dennoch gemeinsam mit ihrem Team, 108 Jahre lang, bis zum Erfolg. Für Wacker wird die Mission 2020 vielleicht nicht ganz 2020 enden, man könnte doch noch etwas mehr Zeit benötigen - auch wenn Geduld keine besondere Tiroler Eigenschaft ist. Für Horn allerdings werden auch 108 Jahre nicht ausreichen, egal wie das Spiel am Tivoli auch endet. Da bleibt dann doch nur die PS3...

 

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Stefan Weis Stefan Weis

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