By Rob Young from United Kingdom (Enterprise) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia CommonsWarum sich sorgen, wenn die Lösung doch so einfach ist. Ein paar Tropfen Botulinumtoxin, mit der Spritze unter die Haut injiziert, und weg sind sie, die Sorgenfalten. Da wirken sie einfach Wunder, diese neurotoxischen Proteine. Glatt wie ein Babypopo, die Stirne der Mannen von Wacker Innsbruck, trotz Niederlagenserie, trotz weitaus verpasster Zielsetzung, trotz minimalem Punktevorsprung nach hinten, trotz Finanzierungslücke. Gut so. Denn nähmen sie die Lage so ernst, wie sie sich darstellt, dann müssten sie vor dem Spiel gegen den SV Horn aussehen wie Lieutenant Commander Worf, der alte Klingone von der Enterprise. Da hälfe auch kein Botox mehr.

 

Qapla‘

Wir sind hier nicht nur freundlich und grüßen uns auf Klingonisch. Nein. Qapla‘ heißt Erfolg. Und eigentlich ist es eine Verabschiedungsformel. Passend für Schwarz-Grün, denn vom Erfolg hat man sich schon lange verabschiedet. Man meidet ihn wie ein Klingone Tribbles, die kleinen putzigen Tierchen, die sich vermehren, dass selbst Karnickel ganz neidisch werden. 2017 etwa, seit Karl Daxbacher Kommandant auf der  Brücke des FC Wacker ist, gab es in fünf Spielen vier Niederlagen. Nur Wiener Neustadt verlor öfter. Man erhielt neun Gegentreffer, nur Wiener Neustadt mehr. Hat mit minus sechs ein deutlich negatives Torverhältnis, nur Wiener Neustadt mehr. Schade, dass der nächste Gegner zwar aus Niederösterreich kommt, aber nicht Wiener Neustadt heißt. Sondern Horn. Und die haben die Trendwende geschafft. Die Blau-Weißen konnten in den ersten sieben Spielen der Saison nur einmal als Sieger vom Platz gehen und mussten dabei fünf Niederlagen einstecken. Nach dreizehn Runden – und einem 2:1-Heimsieg gegen Innsbruck – hatte man den Tiefpunkt erreicht. Tabellenletzter, nur zwei Siege am Konto, neun Niederlagen. Das japanische Investment in Österreich schien ähnlich erfolgreich wie der Versuch Kruges, Admiral James T. Kirk zur Strecke zu bringen. Aber im Waldviertel wohnen nicht nur PetaQ. Horn zeigte sich plötzlich von seiner glänzenden Seite. Man konnte gewinnen. Zunächst gegen Tabellennachbarn. Dann ein Remis gegen Liefering. Und seit diesem Spiel vor sieben Runden nur mehr eine einzige Niederlage bei vier Siegen und zwei Remis. In den letzten zwölf Spielen, seit man in Runde 13 das erste und einzige Mal auf dem letzten Tabellenplatz stand, verbuchte Horn sechs volle Erfolge, erzielte 17 Tore und ist seither die zweiterfolgreichste Mannschaft mit fünf Punkten mehr als Innsbruck. Gegen dieses Team zu bestehen wird kein leichtes Unterfangen für Schwarz-Grün. Qapla‘, meine Herren. Viel Erfolg.

Kuvah’Magh, die Erlöserin

Ihr werdet mich finden, nachdem zwei sich bekriegende Häuser Frieden schließen. So lautet eine der Prophezeiungen über die Erlöserin des klingonischen Volkes, die die Damen und Herren des personifizierten Stirnrunzelns wieder auf ihren rechtmäßigen Pfad zurückbringen soll, nachdem sie von ihrem Weg abgekommen sind. Ach, wie sehr doch Innsbruck so eine Kuvah’Magh benötigen würde. Blicken wir zurück in die Vergangenheit, in die Saison 2014/15. Viermal traf man in diesem Jahr auf die Kicker aus dem nördlichen Niederösterreich, es waren die ersten vier Begegnungen in der Vereinsgeschichte. Viermal spielte man zu null, kein einziger Treffer gelang den Blau-Weißen. Viermal traf aber Innsbruck, nein, an vier Spieltagen, dafür gleich neunmal. Hirschhofer (der nun für Floridsdorf kickt), Micic (macht in Klagenfurt beim ASK St. Peter bei Ebenthal unsicher), Renner (ein Schützling von Klaus Schmidt in Linz), Bergmann (schnuppert Bundesliga-Luft in Ried), ja, und auch Gründler, Jamnig und Hauser – auch derzeit bei Innsbruck unter Vertrag – montierten die Waldviertler gnadenlos ab. Von Sorgenfalten keine Spur, wie das halt so ist, in der klingonischen Vergangenheit. Fragen sie nur Scotty oder Pille oder Chekov, den listigen Navigator mit Faible für Leningrad. Oder die Besatzung von Deep Space Nine, die durch einen Zeitsprung die Klingonen der Vergangenheit aus der Nähe betrachten durften. Glatt wie ein Babypopo, die Stirnen, faltenfrei. Ganz ohne Botox. Aber durch einen genetischen Versuch wie bei Khan Noonien Singh, dem Augment, der... Nein, entschuldige, ich drifte wieder ab wie ein kampfunfähig geschossener Bird of Prey. Wobei, kampfunfähig geschossen, das könnte auch Wacker meinen. In nur zwei Spielen gegen Horn erzielten die drei Ballesterer, die auch heute noch das Tivoli ihr Zuhause nennen, vier Tore. Aber das war gestern. Heute sieht die Realität anders aus. In den bisherigen 25 Runden bzw. den 54 Partien, in denen sie auf dem Platz standen, gelangen ihnen nur drei Treffer. Einer für jeden. Bei Innsbruck genug, um achtbester Torschütze zu sein und nur drei weniger zu verzeichnen als der zweitbeste Vollstrecker, Thomas Pichlmann, der nach 18 Auftritten viermal jubeln durfte. Von Breite im Kader, von Offensivgefahr nicht viel zu sehen. Kuvah’Magh, Erlöserin, wo bist du.

bortaS DIb, das Recht auf Rache

Die Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Klingonen wissen, wie man lebt. Ein kriegerisches, aber kunstsinniges und traditionsreiches Völkchen, das Feiern kann wie kein anderer und jede Krise mit ein wenig List, viel Mut und noch mehr Ehre und Stolz überstanden hat. Die Krise sehen wir bei Wacker, die List lässt sich nur erahnen. Von Mut und Ehre und Stolz ist wenig über, wenn man die Spieler am Feld beobachtet. Hab SoSlI' Quch, würde der Klingone sagen, deine Mutter hat eine flache Stirn! Was bei Hollywood-Aktricen zum Versuch eines Lächelns im botoxgestrafften Gesicht führen würde, ist auf Qo’nos, der Heimatwelt der Klingonen, nicht gerade als Kompliment gemeint. Dabei hätten die Schwarz-Grünen mehr als nur einen Grund für Rache. Denn Horn ist bislang nur gegen die Tiroler, gegen Wattens und Innsbruck, ungeschlagen. Nur ein mageres Pünktchen nahmen die wackeren Kicker bislang mit, das Tor von Patrik Eler war des Guten zu wenig. Den Schwur der Klingonen vor der Schlacht – Heute ist ein guter Tag zu sterben! – nahmen die Innsbrucker und mit ihnen die Hoffnung auf ein besseres Morgen meist allzu wörtlich. So sehr, dass sie statt Shakespeare, dem auch bei den Aliens beliebten Autor, meist nur Peter Alexander zitieren: Ich zähle täglich meine Sorgen, denn ich sorg mich sehr...

Mit dem Bathlet in der Tasche, in der Hand die Blutwein-Flasche...

Aber wie ein Klingone, der nur mit einem Bathlet ein fremdes Schiff stürmt und es mit einer Übermacht aufnimmt, bleibt den Innsbruckern nur eines übrig: sich in die Schlacht zu stürzen, voller Mut und Todesverachtung, und doch wieder zu den alten Tugenden zurückzufinden. Denn mit diesem Kader, mit dieser Vergangenheit ist die aktuelle Leistung nichts, das man akzeptieren kann. Horn ist nicht nur schlagbar, Horn muss geschlagen werden, um der Demarkationslinie am Ende der Tabelle nicht gefährlich nahe zu rücken. BIjeghbe’chugh vaj bIHegh, Horn, ergib Dich oder stirb!

 

Bildnachweis: By Rob Young from United Kingdom (Enterprise) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

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Stefan Weis Stefan Weis

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