b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_haxen5_17.jpgEs gibt ja Sachen, die sind im Original einfach unschlagbar. Der Typ 2 T1 etwa, am besten als Samba. Also der VW Bulli mit den 23 Fenstern, die Hippie-Legende schlechthin. Die Neuauflagen? Bieder, überteuert, Diesel-skandalisiert. Oder das „Taferl“ in TV-Polit-Konfrontationen. Ein Meisterstück des Populismus. Jedes weitere – ein billiger Abklatsch, wenn man auch noch so sehr das Original zu imitieren sucht in Gestik und Thematik. Und doch wird es immer wieder versucht, immer wieder will man den Erfolg des Ursprungs durch einen Reload einfangen. Nicht immer haut es hin. Fragen Sie mal nach, derzeit, bei der SV Ried.

MimiCry

Sofortiger Wiederaufstieg. Die Zauberparole, die jeder Verein, jeder Obmann, jede Mannschaft ausgibt, wenn sie die Relegation im englischen Sinne vollzogen hat und sich mit einer Liga darunter begnügen muss. Es ist halt nicht so leicht, fragen sie Innsbruck. Das vierte Jahr in Folge kniffelt man schon herum am Projekt Wiederaufstieg, dabei hätte es im ersten Jahr beinahe die böse Überraschung des Durchmarsches nach unten gegeben noch eine Runde vor Schluss zitterte man wie Espenlaub. In den vergangenen 20 Jahren schaffte es keine einzige Mannschaft, nach nur einem Jahr wieder in die Bundesliga zurückzukehren, der letzte erfolgreiche Versuch war der des FC Linz 1996 – nur, um kurz darauf im Tal der Tränen zu verschwinden, mit dem LASK fusioniert, nein, von diesem eliminiert zu werden. Wobei, eine Rückkehr gab es noch. Der FC Wacker, durch die große Hilfe der WSG Wattens wiedergegründet, kehrte nach tränenreichem Abschied mit zwei Aufstiegen in Folge direkt aus der dritten in die oberste Spielklasse zurück. 2004 war das, und lange hatte es nicht so ausgeschaut, denn die ersten 10 Runden hatten nur vier Siege und zwei Remis gebracht, in Runde 11 traf man nach drei Niederlagen gegen Ried und zweimal Leoben auf den Tabellenführer Austria Lustenau. 0:2 lag man zurück, 1:3 war man hinten. Aber Theo Grüner, Dennis Mimm und zweimal Alfred Hörtnagl drehten das Spiel und leiteten die Wende ein. Die Innsbrucker wurden Meister, die SV Ried, Absteiger aus der Bundesliga, konnte ihren Erfolg aus Runde 8 nicht mehr wiederholen, verlor dreimal gegen Wacker, musste sich mit Rang 5 begnügen. Der Wiederaufstieg wurde um ein Jahr verschoben. So wie heuer hatte Ried den Kader ordentlich umgekrempelt, die Namen klingen auch heute noch nach. Geblieben waren Milan Oraze und Thomas Nentwich, Manuel Ortlechner und Oliver Glasner, Michael Angerschmid und Herwig Drechsel, Ibrahim Sidibe und Andreas Bammer – ein starker Stamm. Neu hinzu kamen Nachwuchshoffnungen wie Frankie Schiemer und Emin Sulimani oder alte Hasen wie Bruno Fiesenbichler und Mlodrag Vukotic, insgesamt 16 Zugänge. Die zu verdauen und in die Mannschaft zu integrieren, das braucht manchmal Zeit.

Deja-Vu(rarlberg)

Diese Zeit wird auch das Ried des Jahres 2017 brauchen. Der Stamm rund um Thomas Gebauer, Rhomas Reifeltshammer, Marcel Ziegl, Clemens Walch und Thomas Fröschl erlebte einen noch vehementeren Umbau, 17 Neuzugänge bilden die neue, schwarz-grüne Sportvereinigung. Und diese Einzelspieler und Grüppchen zu vereinigen wird ein hartes Stück Arbeit für den Trainer. Auch wenn er von einem gewissen Deja-Vu profitieren wird, sind ihm doch einige Spieler nicht ganz unbekannt. Manager Franz Schiemer, eben jener Frankie der 2004er-Truppe, holte schon im März Lassaad Chabbi zum Verein. Und er, der Rheintaler aus Tunis, der Bludenz trainierte und die Vorarlberger U15 bis U18, um dann in Lustenau anzuheuern, sammelte eine Ländle-Exklave im Innviertel um sich. Etwa Co-Trainer Dieter Alge, der von Bregenz bis Altach fürs ganze Rheintal kickte und von Feldkirch bis Höchst den halben Kanton Übrig trainierte. Oder Tormanntrainer Hubert Auer, der für Nußdorf/Debant ebenso parierte wie für den FC Lustenau. Sefedin Chabbi etwa, seinen Sohn, den er von Sturm Graz zu Ried lotste, nachdem er ihn schon in Lustenau trainiert hatte. Gabriel Lüchinger und Christian Schilling, den Ex-Innsbrucker, von Altach. Und dann natürlich die Lustenau-Connection. Peter Haring und Julian Wießmeier, jeweils bereits zweifache Torschützen gegen Innsbruck. Pius Grabher, ebenfalls schon Torschütze gegen Innsbruck und auch einer von vier Torschützen der aktuellen Rieder Mannschaft. 66% Passgenauigkeit in der gegnerischen Hälfte, insgesamt 79% erfolgreiche Zuspiele in der laufenden Saison, 61% gewonnene Zweikämpfe als offensiver Mittelfeldspieler, eine dauernde Gefahr. Noch gefährlicher war bislang nur einer, ebenfalls ein Ex-Lustenauer: Ilkay Durmus, 23jähriger Deutscher. Gegen Innsbruck hat er in vier Spielen zwar erst einmal getroffen, in den 5 Spielen für Ried feuerte er bereits 12 Schüsse ab, brachte sechs davon aufs und drei ins Tor. Wenn auch seine Zweikampfquote nicht berauschend ist (41%), seine Effektivität vor dem Tor ist es allemal.

Abklatsch(en)

Die Lustenauer kennen sich, und sie kennen den Trainer. Doch auch wenn sie bereits für 57% der Rieder Tore verantwortlich sind, sie machen nur einen Bruchteil der Mannschaft aus. Neben den sechs der letztjährigen Bundesligamannschaft, den vier (plus eins) Lustenauern und den zwei Altachern gesellen sich auch drei Spieler der Amateure, zwei LASK-Spieler, ein weiterer Sturm-Kicker und Ballesterer von Greuther Fürth, FK Sarajevo, SV Horn und FC Liefering zum Kader. In sechs Pflichtspielen wurden bereits 18 Spieler eingesetzt, nur zwei – Thomas Gebauer und Kennedy Boateng – spielten alle 540 Minuten durch. Gegen den Regionalligisten Wiener Sportclub brauchte man 53 Minuten, um im Cup zum ersten Mal zu scoren, gegen Wiener Neustadt gelang dies gleich gar nicht. Der Sieg gegen die anderen Lustenauer, dem Original aus dem Ländle, führte zum ersten Abklatschen für den Abklatsch, gegen Floridsdorf setzte man sich mühsam 3:2 durch, bislang die einzigen Siege der Saison. Der Start in eine neue Liga ist immer ein schwieriger, davon weiß Innsbruck ein Liedchen zu singen. Und auch die Problematik, neue Spieler ins Team zu integrieren, kennt man am Oberlauf des Inn. 2003 hatte aber ein gedrehtes Spiel gegen Lustenau für Wacker die Wende gebracht, die restlichen Begegnungen der Saison konnten die Innviertler gegen Innsbruck nicht mehr gewinnen. Aber das war halt das Original. Ob die Wiederholung auch gelingt?

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Stefan Weis Stefan Weis

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