b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta_cup2.jpgEs ist schon lange her, dass Wacker Innsbruck einen erfolgreichen Auftritt im Cup hinlegen konnte. So nah und doch so weit. Seit 1993 konnte man in diesem Bewerb nicht mehr reüssieren, nicht einmal der dreifache Meister und Seriensieger zur Jahrtausendwende konnte sich den Titel sichern. Aufsteiger Kärnten, Regionalligist Pasching - die Kleinen wurden zum Stolperstein für die Tiroler. Genau das will man sehen im Pokalbewerb: Überraschungen, Blamagen, Sensationen. Und genau darauf hoffen die vermeintlich „Kleinen“, wie etwa der Sportklub Amstetten.

 

Tief in der Sahara, auf einem Dromedara

Lange ist sie jetzt schon, die Durststrecke der Innsbrucker. In den vergangenen 15 Jahren gab es zwei Viertelfinali, zweimal war gegen Salzburg Endstation. Doppelt so oft allerdings setzte man den Pokalsieg bereits in der ersten Runde in den Sand. Kein Wunder, bei so großen Namen wie den Amateuren aus Hütteldorf, Voitsberg, Parn- oder Mannsdorf. Diese Düne hat man zumindest im heurigen Jahr genommen, wenn man auch gegen Vorwärts Steyr in die Überzeit musste. Dabei ist der Pokal der schnellste, der einfachste, der direkteste Weg, sich Gehör zu verschaffen, ja, wieder in Europa tätig zu sein und nicht nur auf Dorffesten quer durch Österreich zu tanzen. Gäbe es nur einen Experten, der Wacker dabei beraten könnte, der Amstetten kennt und den Cup. Einen wie den Wüsten-Pepi, wie Josef Hickersberger etwa. Der gebürtige Amstettner lernte das Kicken beim ASK im Mostviertel. Und er lernte gut. So gut, dass die Wiener Austria auf den jungen Hicke aufmerksam wurde und ihn an den Verteilerkreis holte. Naja, wobei... Der FAK suchte damals 15 Jahre lang eine Heimat, spielte auf der Hohen Warte, in Schönbrunn, im Prater, der Südstadt und am Sportclub-Platz. Ja, sogar im West-Stadion, dem von Hanappi geplanten Platz in Hütteldorf. Vielleicht hat Pepi seine Rastlosigkeit aus diesen Jahren, alleine zwischen 1999 und 2010 hatte er 9 Arbeitgeber als Trainer an sandigen Plätzen wie Katar, den Emiraten, Bahrein und Wien. Pepis erstes Jahr bei den Violetten 1967 brachte auch gleich den ersten Cup-Sieg, Innsbruck musste sich damals der Austria im Viertelfinale (der ersten Hauptrunde) geschlagen geben. Und es folgten weitere Titel, Meister 69 und 70, Cupsieger 71, das Ausland rief, er folgte in die Sahelzone des Humors, nach Deutschland. Und Deutschland sollte auch einer seiner größten Erfolge werden, 1978 in Cordoba war er mit dabei. Apropos 1978, Pepi, der Amstettner, kennt auch den Misserfolg.

Abarakadabra, und sie war‘n nicht mehr da!

Hickersberger zog es wieder zurück nach Österreich, zum fünfmaligen Meister und viermaligen, auch regierenden Pokalsieger Wacker Innsbruck. Nicht die beste Entscheidung seines Lebens, vergleichbar mit der Mannschaftsaufstellung, die er am 12. September 1990 in Landskrona, Schweden, traf, als man gegen eine kleine Insel im Nordatlantik antrat. Pepi feierte zwar den Gewinn des Pokalbewerbs, gleichzeitig aber auch den Abstieg in die zweite Liga, nachdem Welzl, Pezzey, Stering, Constantini und viele weitere den Verein verlassen hatten. Immerhin schuf man ein Kuriosum, der Serienmeister mutiert zum Absteiger, der Absteiger zum Cupsieger. Auch so kann man zur Legende werden. Pepi kickte jetzt in der Ligahöhe, in der auch schon einmal die Amstettner zu finden waren, der zweiten Leistungsstufe. Mehr noch, er scheiterte gemeinsam mit der Spielgemeinschaft am sofortigen Wiederaufstieg und verließ den Verein. Einmal noch kehrte Hicke nach Innsbruck zurück, als Trainer der Legenden-Legionäre beim 100-Jahr-Jubiläum des FC Wacker. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Höhen und Tiefen einander dicht folgen, Sieg und Niederlage ganz nah beisammen liegen. Und ein Spruch, der den österreichischen Fußball recht gut charakterisiert: „Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.“ Gegen Amstetten wird das nicht reichen, das weiß der gebürtige Mostviertler Hickersberger, das weiß auch halb Fußballösterreich. Denn der Regionalligist von der Ybbs hat schon manchem den Angstschweiß auf die Stirn getrieben.

Abarikadabri, und fort war‘n sie!

Amstetten ist nicht erst seit diesem Jahr ein Pokalschreck, auch wenn der Tabellenführer der Ersten Liga gleich in Runde eins dran glauben musste. Die Abschussliste ist lang, und auch ganz große Namen hatten hart zu kämpfen. Vor einem Jahr wurde Austria Lustenau eliminiert, der LASK in die Verlängerung gezwungen. In dieser fand sich auch Rapid Wien wieder, als man 2014 in der ersten Runde auf die Amstettner traf. Ein knappes 0:1 nach 120 Minuten hätte eigentlich Warnung genug sein müssen, doch ein Jahr später kam es beinahe noch dicker. Die Hütteldorfer, bereits nach sieben Minuten 0:1 voran, kassierten eine Rote Karte und durch Milan Vukovic den Ausgleich. Mit einem Mann weniger rettete man sich als Bundesligist gegen das kleine Amstetten in das Elfmeterschießen. Als Florian Kainz dann auch noch den vierten Strafstoß vergab, roch es schon nach der großen Sensation. Doch Kapitän Mario Holzer und Patrick Lachmayr scheiterten an Matej Jelcic, man hatte nochmal überlebt. Etwas, das Mattersburg oder die Admira Wacker nicht behaupten konnten, als sie im Pokal den SKU zugelost bekamen. Und auch nicht der SC Schwaz, der vor sechs Jahren Bekanntschaft mit den Niederösterreichern machte. Ein Tor von Clemens Ringler war zu wenig, mit einem 1:4 mussten die Silberstädter die lange Heimreise antreten.

Es kroch der Effendi, mehr tot schon als lebendi

Es wird also keine angenehme Reise werden für die Innsbrucker. Fünf Spiele in fünfzehn Tagen, eine notorische Cup- und Auswärtsschwäche, die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen, all das spricht gegen einen klaren Erfolg gegen den ehemaligen Verein von Josef Hickersberger, Mucki Wieger sen., Walter Gebhardt oder des ehemaligen schwarz-grünen Daniel Brauneis. Ein Erfolg im Cup ist für Wacker so echt wie eine Fata Morgana. Aber vielleicht kann da einer helfen, der schon zwei Spiele Erfahrung gegen die SKU hat – Karl Daxbacher. Mit seinen St. Pöltnern entführte er vier Punkte aus dem Mostviertel und kennt das Wort „Niederlage“ gegen die Amstettner nicht. Ach, Karl, komm und heile meine Wunden!

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Stefan Weis Stefan Weis

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