b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta19.jpgSo, Halbzeit ist. Beine ausschütteln, ein bisschen hüpfen, um nicht festzufrieren, Nase putzen und die Hände am Tee wärmen. Oder umgekehrt, je nach dem, wie Sie’s erwischt haben. Und damit Ihnen in der kurzen Pause nicht langweilig wird, ein paar Infos zu den ersten 18 Runden. Aber schnell, denn gleich geht’s weiter mit der zweiten Hälfte, mit Blau-Weiß Linz. Also: Zahlen, bitte!

 

Herr Ober!

Es gibt Österreich. Und dann gibt es Ober-Österreich. Manche sagen, das bessere Österreich, deshalb Ober. Naja. Ein Blick auf die Tabelle zeigt aber: Oberösterreich liegt ganz oben. Die SV Ried wird ihrer Titelrolle gerecht und kanoniert sich an die Spitze. Zum ersten Mal seit der 3-Punkte-Ära küren sich die Wikinger zum Herbstmeister, also zu jenem wertvollen Titel, den auch Wacker 2015 sein Eigen nennen konnte. Gebracht hat es die berühmte goldene Ananas, in den letzten drei Jahren fiel der Herbstmeister stets auf den dritten Platz zurück. Damals eine Katastrophe, heuer könnte auch das zum Aufstieg in die Bundesliga reichen. Für Ried ist das nicht der erste Herbstmeister-Titel, schon 1992 durfte man im alten Punkte- und Ligasystem zur Halbzeit von der höchsten Spielklasse träumen. Halt nur träumen, denn nach weiteren 11 Spielen lag der GAK in Front, am Ende der Saison konnte man im mittleren Play-Off nicht mithalten. Österreich hatte schon viele lustige Ideen, wie man die Liga effizient machen könnte. Effizient war aber heuer die Offensivabteilung der SV Ried. 42 Tore, zehn mehr als der FAC und Blau-Weiß zusammen. Vor allem daheim kracht es ganz ordentlich, in 9 Spielen gleich 26mal. Wacker muss dafür auch noch auswärts fahren, hat insgesamt nur 28mal getroffen. Reicht aber, um den Oberösterreichern zumindest in der Heimtabelle gefährlich nahe zu rücken. Als einziges Team zu Hause ungeschlagen, nur dreimal wurde die schwarz-grüne Abwehr vor eigenem Publikum bezwungen. Man glaubt es kaum, wenn man bei einem Gegenangriff die spitzen Schreie durchs mausgraue Betonrund gellen hört, aber Wackers Defensive ist gesichert. Auf dem Papier zumindest. Denn wer die Solotänzchen von Lubega durch die Abwehrreihen gesehen hat, wer gestaunt hat, wie ein U21-Nationalteam-Verteidiger oder ein g‘standener Abwehrrecke vom Stürmer des Tabellenletzten eingepackt wird, der kann es nicht nachvollziehen. Wacker ist ein Bollwerk. Zu Hause zumindest. Das wird auch goutiert, wenn auch in sehr bescheidenem Maße. Plus 0,84% bei den Zuschauern, im Schnitt 3.011 handverlesene Schwarz-Grüne. Das reicht immerhin zu Rang zwei, Rang eins belegt Oberösterreich. 3.333 Rieder strömten ohne Sorgen an jedem Spieltag in die heimische Arena, um 2.020 mehr als in der Hauptstadt Linz, ein Minus von 14,61%. Kein Wunder, Innviertler nimmt man dort selten ernst, der große Bruder LASK wird schmerzlich vermisst.

Ober, Zahlen!

Dafür darf man sich an der Donau über einen anderen Platz an der Sonne freuen: mit 16.644 Einsatzminuten brachte man die größte Österreicher-Spielzeit auf den Platz. 93% Rot-Weiß-Rot, in keinem Spiel stand mehr als ein Legionär in der Startelf. Wacker brachte deren zwei auf das Feld, viel mehr hätte man aber auch nicht anzubieten bei drei Nicht-Österreichern im gesamten Kader. In der Statistik sind das dann 14.812 Einsatzminuten, 83%. Deutlich mehr als bei den vermeintlichen jungen Tirolern aus Wattens, die mit nur 59% am anderen Ende der Rangliste liegen und nur von Austria Lustenau (50%) und den nicht am Österreicher-Topf teilnehmenden Konzernkickern aus aller Welt des FC Liefering (38%) unterboten werden. Gegen Blau-Weiß brachte Thomas Silberberger in Runde neun etwa sechs Legionäre aus fünf Nationen in die Startelf, die vier Tiroler am Rasen hatten ein Durchschnittsalter von 30 Jahren. Die Erfahrung brachte allerdings nicht den gewünschten Erfolg, die WSG verstand es nicht, knappe Begegnungen für sich zu entscheiden. Oft ging es eng her, achtmal musste Wattens mit einem einzigen Tor Unterschied als Verlierer vom Platz, kein anderes Team öfter als viermal. Linz hält nicht viel von knappen Ergebnissen. Wenn man gewinnt, gewinnt man etwa 4:0 gegen den FAC. Nur, Blau-Weiß gewinnt nicht oft, nur zweimal bislang. Wenn man verliert, verliert man auch gerne klar, etwa 0:4 gegen Wiener Neustadt. Und man verliert häufig, neunmal bislang. Aber man ist auch wieder wo ganz oben – niemand spielt öfter Remis als die Oberösterreicher, ganze siebenmal teilte man die Punkte, einmal auch mit Wacker. Remis, nebenbei, kommt aus dem Französischen und ist das Partizip des Verbes remettre, was nichts mit ausgleichen oder unentschieden sein zu tun hat, sondern zurücklegen/zurückstellen heißt. Also alles wieder auf Anfang, ähnlich wie in der Meisterschaft nach 18 Runden. Und wissen Sie, wie man ein Remis in Frankreich nennt? Richtig, partie nulle. Hat jetzt nichts mit Zahlen zu tun, wollt´ ich nur mal anbringen.

Zahlen!

So, die Pause ist gleich vorbei, jetzt schnell noch ein paar Zahlen. Wacker Innsbruck kassierte in dieser Saison bislang exakt null Jokertore. Nichts von Fremden annehmen, hat schon Mama gesagt, man will den kennen, der einen beschenkt. Darum sollte man Daniele Gabriele kennen, der beschenkte seine Mitspieler etwa mit 46 wunderbaren Pässen für Schüsse aufs Tor, so viel wie kein anderer Spieler in der Liga. Aber nicht jeder lässt sich beschenken. Linz etwa will nach Standardsituationen einfach ungern ein Tor zulassen, nur fünf von 30 Gegentreffern entstanden aus einem ruhenden Ball. Ruhende Bälle braucht Florian Templ dafür nicht, er mag sie lieber hoch in der Luft. 274 Kopfballduelle bestritt er bislang, mehr als jeder andere. Die Bälle in die Luft bringt Daniel Kerschbaumer, der mit 60 Flanken die drittmeisten der Liga fabrizierte, sieben mehr als Innsbrucks Dauerbrenner Florian Jamnig. Kerschbaumer hatte mit 1.319 auch die zweitmeisten Ballkontakte aller Spieler. Sein Namensvetter Roman Kerschbaum hingegen glänzt auf anderem Terrain, mit 42 Fouls beging er die fünftmeisten der Liga. Vielleicht begegnet er ja am Freitag auch manchmal Florian Templ, der 43mal nach einer regelwidrigen Attacke zu Boden ging. War ein Zweikampf aber regelkonform, dann hieß der Sieger in 70,9% der Fälle Dominik Baumgartner, der Spitzenwert der gesamten zweithöchsten Spielklasse. Und kein Tormann wehrte mehr Torschüsse ab als... Oh, Pause vorbei, schnell zahlen und zurück auf den Platz, wir wollen ja keine Minute des FC Wacker Innsbruck verpassen! Knett, übrigens, keiner wehrte mehr ab als Knett, 80,7%. So, jetzt aber schnell hinein ins Stadion.

Hinweis / Autor

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.

Stefan Weis Stefan Weis

Artikel bisher gesamt: 233