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Ausgabe: 19. März 2017

Florian Madl

"Jetzt müssen wir Tacheles reden"

Die Länderspielpause kommt dem FC Wacker gerade recht. Die Mannschaft präsentierte sich beim 1:3 gegen Blau-Weiß in Linz zwar als eine Einheit ? aber nur als einheitlich verzagte.

Linz - ?Das Linzer Stadion hatte sich bereits geleert, die obligaten TV-Interviews waren aufgezeichnet. Da stürmte Klaus Schmidt, der Ex-Wacker-Trainer und jetzt Retter bei BW Linz, über die Laufbahn der Gugl in die Blau-Weiß-Kabine. ?"Entschuldigts mich, ich muss zur Mannschaft?", warf er verdutzten Journalisten hin.

Tags darauf erreichte man den Steirer telefonisch: "?Wir haben den Moment als Mannschaft genossen. Wenn du 25 Runden darauf wartest, auf einem Nicht-Abstiegsplatz zu landen, ist das normal. Die anderen haben über uns nicht einmal mehr gelacht."? Und eines konnte der 49-Jährige, der im Vorjahr nach einem mäßigen Frühjahr beim FC Wacker beurlaubt wurde, nicht verhehlen: "?Die Genugtuung, ernst genommen zu werden und zu zeigen, dass meine Arbeit auch woanders Früchte trägt, ist da."? Matchwinner Thomas Goiginger stufte die Arbeit des Trainers hoch ein: ?"Er ist ein super Trainer ?- und ein super Motivator.?"

Freilich, der Spielverlauf spielte Schmidt und seinen Akteuren in die Hände. Denn wenn das rückblickend reguläre Kopfballtor Alex Hausers das 1:1 für den FC Wacker bedeutet hätte, wer weiß. Aber der Konjunktiv spielt nun einmal nicht Fußball. Und Schiedsrichter Helmut Trattnig für eine Situation einen Vorwurf zu machen, die sich erst nach mehrfachem Zeitlupenstudium aufklären lässt, greift zu kurz. Das weiß auch Wacker-Trainer Karl Daxbacher, am Freitagabend im Regen ein nimmermüder Ankurbler an der Seitenlinie: ?"Wir müssen einiges besser machen.?" Es brodelte im Niederösterreicher, er sprach von "?selbstmörderischen Fehlern"? der Feldspieler und Torhüter in den vergangenen Runden, das müsse man ansprechen. Und selbst jene Spieler seien "?nicht mit Selbstvertrauen vollgepumpt, die schon weiter oben gespielt haben?". Bezeichnend: der Treffer zum 1:3 in der Nachspielzeit, als beim Gegenstoß der Linzer kaum ein Spieler es für nötig befand, hinten auszuhelfen. Klaus Schmidt analysierte nach dem Sieg in diese Richtung: "?Wir haben es ein bisschen mehr gewollt.?"

Braucht es jetzt die weiche Hand des 63-Jährigen? Kryptische Antwort Daxbachers: ?"Die weiche Hand ist ständig bei mir da. In der Halbzeit war das aber ein anderer Auftritt von mir. Jetzt werden wir Tacheles reden müssen.?" Die anstehende Länderspielpause kommt wohl zum richtigen Zeitpunkt, das Spiel in Horn (31.3., 20.30 Uhr) stellt den nächsten Kampf um den Klassenerhalt dar.