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Ausgabe: 08. April 2017

Wolfgang Müller

Ein Remis, das sich anfühlt wie eine bittere Niederlage

Kaum zu glauben, aber wahr – der FC Wacker verspielte gestern eine 2:0-Halbzeitführung gegen Nachzügler Wr. Neustadt und musste sich letztlich mit einer 2:2-Punkteteilung zufriedengeben. Ein klassischer Selbstfaller vor 1728 Zuschauern, den sich auch Trainer Karl Daxbacher nicht erklären konnte: „Nach der wirklich guten ersten Halbzeit hätte ich mir nie gedacht, dass uns der Gegner noch wehtun könnte. Dieses Remis ist wie eine Niederlage und bringt uns in der Tabelle auch nicht weiter.“

Einbahnstraßen-Fußball im Tivoli – wie auf einer schiefen Ebene landete der Ball immer wieder im Strafraum der völlig überforderten Gäste, arbeiteten die Tiroler, die in exakt der selben Aufstellung wie vor einer Woche in Horn aufliefen, eine Chance nach der anderen heraus. Was fehlte, war der Torjubel. Dreimal scheiterte Kapitän Christoph Freitag, einmal verzog Claudio Holenstein nur knapp. Der Führungstreffer lag in der Luft, ließ aber eine halbe Stunde auf sich warten: Flo Jamnig verlängerte einen weiten Abschlag von FCW-Goalie Lukas Wedl mit dem Kopf, Patrik Eler überlief die aufgerückte Abwehr der Niederösterreicher und erzielte eiskalt und in bester Torjäger-Manier das längst fällige 1:0. Zehn Minuten später erhöhte er nach gefühlvoller Flanke von Armin Hamzic mit seinem 14. Saisontreffer auf 2:0. Eine starke erste Halbzeit der Schwarzgrünen, die Ball und Gegner laufen ließen sowie erfrischend kombinierten.

Eigentlich waren die Weichen damit schon auf einen klaren Heimsieg gestellt, doch der zweite Spielabschnitt begann so gar nicht nach Plan. Denn Sargon Duran (49.) war nach einer Freistoßflanke von Schicker zur Stelle und verkürzte auf 2:1. Und der FC Wacker verfiel zumindest kurzfristig in alte Muster. Verunsicherung und Fehleranfälligkeit nahmen zu, Freitag (53.) musste in extremis retten. Das Spiel stand urplötzlich auf der Kippe. Erst recht, als Manfred Fischer (75.) den Ausgleich erzielte. Aus der Innsbrucker Schlussoffensive wurde nichts. Es blieb beim enttäuschenden 2:2-Endstand. Negativer Höhepunkt war die Rote Karte für den eingewechselten Ante Rogu­ljic wegen Unsportlichkeit.

Klar, dass die Wacker-Profis wie begossene Pudel und schwer enttäuscht in die Kabine schlichen. „Wir hatten eigentlich alles im Griff, doch in der zweiten Halbzeit verloren wir nach dem Gegentreffer komplett den Faden“, verstand Doppeltorschütze Eler die Fußballwelt nicht mehr. Auf der Tribüne schüttelte auch Präsident Gerhard Stocker nur noch den Kopf und Abwehrrecke Sebastian Siller konnte es auch nicht glauben: „Nach dem unnötigen Gegentor kehrte die Unsicherheit zurück.“