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Ausgabe: 08. August 2017

Sabine Hochschwarzer

Nach der EM ist vor der WM: Tirol hofft auf Boom

Die Frauen-Fußball-EM ist Geschichte. Der historische Erfolg soll sich in der Zukunft fortsetzen ? auch in Tirol, allerdings erst in ein paar Jahren.

Innsbruck ?- Die Europameisterschaft ist vorbei, die Aufmerksamkeit wollen Österreichs Fußball-Frauen aber weiterhin auf sich ziehen. Der Halbfinaleinzug soll auch laut ÖFB-Präsident Leo Windtner ?"keine Fata Morgana bleiben". Dennoch kehrt nun der Alltag ein -? mit den Ligastarts in Österreich (18./19.8.) und Deutschland (2./3.9.) sowie dem Auftakt zur WM-Qualifikation (19.9.). ?"Wir spielen in Serbien vielleicht vor 30 Zuschauern und nicht vor 10.000. Da muss man darauf achten, dass es in die richtige Richtung geht", hofft Teamchef Dominik Thalhammer, nach dem großen Erfolg nicht in ein Loch zu fallen.

Ähnliches wünscht man sich auch in Tirol. Wie das Nationalteam feierte auch die U14/U15-Mädchenauswahl mit dem Finaleinzug beim Cordial Cup und dem Sieg im Coca-Cola-Cup heuer die bislang größten Erfolge der Geschichte. Zur Belohnung durften die Mädchen zum EM-Halbfinale der Großen nach Breda (NED). "?Ein tolles Erlebnis", beschreibt Auswahltrainer Ingo Martin, der einst die heutigen ÖFB-Spielerinnen Nicole Billa und Katharina Schiechtl betreute. Ob sich in seiner aktuellen Truppe auch zukünftige Teamkickerinnen befinden, wagt Martin nicht zu prognostizieren: "?Die eine oder andere hätte Potenzial, aber es kommt immer drauf an, wie sie sich entwickelt."

Die beste Voraussetzung sei jedenfalls die Aufnahme ins Nationale Frauenzentrum. "Der Weg ins Nationalteam führe über St. Pölten, ?anders ist es schwer", so Martin. Insgesamt elf Tirolerinnen wurden dort seit der Gründung 2011 aufgenommen, zuletzt mit Valentina Kröll, Lilli Purtscheller, Chiara Gstrein und Julia Zangerl wieder vier.

?"Siebenmal pro Woche Training, dazu Spiele am Wochenende, solche Bedingungen gibt es bei uns in Tirol nicht", weiß der 36-Jährige. Die Akademie des TFV (ab 15 Jahren) ist den Burschen vorbehalten -? weil es zu wenige geeignete Mädchen gibt, um Mannschaften führen zu können. Zwar dürfen die Spielerinnen ein Jahr länger im LAZ bleiben, mit 15/16 Jahren werde es körperlich bedingt in den Burschenmannschaften der Heimatvereine aber schwer, weiß der Imster.

Als Alternative zu St. Pölten wäre auch der Weg ins Ausland ?- etwa nach München -? nicht unmöglich, aber auch kein leichter Weg für ein 14-jähriges Mädchen, glaubt Martin. Wer in Tirol bleiben will oder in St. Pölten nicht aufgenommen wurde, dem bleibt auch der Weg über den FC Wacker. Trotz des Abstiegs in die zweite Bundesliga und dem damit verbundenen Neustart. ?"Dahingehend hat sich nichts verändert. Wir sind in Tirol die erste Anlaufstelle für Leistungsfußball", sagt Masaki Morass, der neue Trainer und Sportliche Leiter der Wacker-Frauen. Man führe weiterhin zwei Mannschaften, die nun eben in zweiter und dritter (Tiroler) Liga spielen, aber als ein gemeinsamer Kader trainieren ?- vier- bis fünfmal pro Woche. "?Wer es nicht so ernsthaft betreiben will, für den gibt es in Tirol ja sonst noch viele Möglichkeiten", weiß der 38-Jährige.

Die Erfolge des Nationalteams sollen jedenfalls nach Tirol überschwappen. ?"Frauenfußball ist ein massentauglicher Sport und die Skepsis, vor allem von einigen Müttern, weicht womöglich", hofft TFV-Trainer Martin auf einen Aufschwung vor allem bei den Jüngsten. Beim Wacker wünscht man sich, dass sich die ÖFB-Erfolge auch auszahlen: mit offenen Türen bei der Sponsorensuche.