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Ausgabe: 09. August 2017

Florian Madl

Von Afghanistan nach Tirol: "Ich will Fußballer werden"

Der Afghane Alireza Kerimi (16) wurde früh mit den Härten des Lebens konfrontiert. In Tirol will er neu anfangen ? am liebsten als Fußballprofi.

Innsbruck - ?Es ist selten so, dass das Leben autobahngleich seinen Lauf nimmt. Manchmal sind es Bergstraßen, manchmal Schotterwege, auf denen der Alltag Staub aufwirbelt. Im Fall von Alireza Kerimi war es auch eine Straße, die dem Leben eine entscheidende Wendung gab. Der Afghane wanderte mit seiner Familie schon als kleines Kind in den Iran aus, wo die Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Der fünfjährige Ali, aufgenommen von einem Freund seines Vaters, wurde früh mit der Härte des Seins konfrontiert.

Auf einer Baustelle verdiente er sich später etwas Geld, um zum Lebensunterhalt beizutragen, Fußball war Hobby und ein Stück weit Flucht. Die politischen Unruhen in der Region stellten auch Ali eines Tages vor die Frage, ob Flucht nicht ohnehin die beste Lösung wäre, mit 14 entschloss er sich schließlich dazu. Ein paar Euro hatte er gespart, den für die 2000 Euro erforderlichen Rest steuerte schließlich seine neue Familie bei, um den Schlepper zahlen zu können. Und im November 2015 ging es dann los.

Ali strandete in Österreich, in Tirol, in Scharnitz. Sein Bruder war schon in Wien, zu sehen bekommt er ihn nicht oft. Da war die Schule, das Innsbrucker Adolf-Pichler-Gymnasium, in dem er den Pflichtschulabschluss bravourös absolvierte. Seine Betreuungslehrerin Astrid Mader hat ihn ins Herz geschlossen, sie redete dem passionierten Fußballer gut zu: ?"Das Berufsziel Fußballprofi ist zu wenig." So nimmt Ali die Ausbildung zum Pflegehelfer in Angriff, um nicht nur sportlich offensiv zu sein. 45 Tore in 15 Spielen der Wacker-U16 sprechen für sich, der erklärte Messi-Fan macht von sich reden. "?Fußball hilft mir. Ich habe etwas für mich gefunden, früher hatte ich diese Möglichkeit nicht."

Doch im Gegensatz zu seinem Idol könnte der 16-Jährige vorerst keine Auslandsauftritte bestreiten. Seit seinem Interview im Mai wartet er auf einen Asylbescheid, den es zum Grenzübertritt braucht. Und wenn der FC Wacker nun wie zuletzt im Winter an Turnieren im angrenzenden Ausland teilnimmt, dann muss Ali zuhause bleiben und die Daumen halten. Schwer genug für einen wie ihn, dessen bester Freund der Ball ist. Doch er will dranbleiben. So wie damals im Iran, als er sich mit anderen Exil-Afghanen die Turnier-Teilnahmen finanzieren musste. Das Leben ist eben keine Autobahn.