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Ausgabe: 28. September 2017

Alex Gruber

Im Zweifel an das Gute glauben

Das Spitzenspiel der Tiroler Liga zwischen den Wacker-Damen II und SVI hatte gestern am Strafsenat des Tiroler Fußballverbandes ein Nachspiel. Die Partie wird mit 3:0 für den SVI gewertet. Aber der Reihe nach:

Innsbruck - Ein Schelm, wer Böses denkt. Die Geschichte, die sich bezüglich der Tiroler-Liga-Partie zwischen den Wacker-Damen II und SVI (nicht gültiges Ergebnis 4:2 für Wacker) am Samstag ereignet hat, ist aber sicher pikant.

In jedem Fall schienen seitens des FC Wacker die Spielerinnen Laura Hartlieb (Nummer 15) und Romina Suppersberger (Nr. 5) namentlich nicht am Spielbericht auf. Nicht einmal die beiden Rückennummern waren da vergeben. Dann markierte Hartlieb sogar noch einen Doppelpack, was letztlich SVI-Präsident Gerhard Grosch stutzig machte. Er begleitete Schiedsrichter Osman Genc nach dem Match auch in die Kabine, um ihn auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. In der Folge wurde der Fehler online an Verband und Strafsenat weitergeleitet.

"Ich bin dem Schiedsrichter nicht mehr von der Seite gewichen", stellt Grosch fest, dass er für einen korrekten Sachverhalt sei. Böses Blut, dass es sich dabei um einen absichtlichen Täuschungsversuch des FC Wacker gehandelt habe, wollte das SVI-Oberhaupt nicht schüren: "Das wäre ja ein ganz schlechter Versuch gewesen." Und einer, der keinem professionellen Umfeld entspricht. Außerdem trennen die Kabinen der beiden Damenteams in der Wiesengasse nur wenige Meter.

Wacker-Trainer Masaki Morass gab an, dass aufgrund ausgefallener Spieler ("Kirchner und Zeitlhofer") eine Änderung mit seinem Smartphone fehlgeschlagen sei. "Das wurde nicht mehr gespeichert und der Schiedsrichter hat es dann nicht mehr gemerkt." Morass weiters: "Ich werde so etwas in Zukunft nie mehr mit dem Handy machen." Die Spielerinnen, das wollte der Damen-Chef der Schwarzgrünen unterstreichen, "können überhaupt nichts dafür".

Hannes Hell, Schiedsrichter-Obmann des Tiroler Fußballverbandes, nahm seinen jungen Unparteiischen in Schutz. Hell räumte jedoch ein, dass Genc spätestens bei einem Spielerwechsel (Hartlieb kam aufs Feld) als Kontrollinstanz die falsche Nummer feststellen hätte müssen. Was auch Morass in seinen Ausführungen untermauerte. Zudem seien die Spielerpässe von Kirchner und Zeitlhofer gar nicht abgegeben worden, was der Schiedsrichter im Vorfeld entdecken hätte müssen.

Der Strafsenat des TFV sprach gestern eine logische 3:0-Strafverifizierung zugunsten des SVI und eine kleine Geldstrafe über Morass aus.

Grundsätzlich wirft dieser konkrete Fall auch wieder die Fragestellung auf, ob die "Face to face"-Gegenüberstellung, wie sie früher auch mit Abfrage des Geburtsdatums beim Nachwuchs am Platz ausgeübt wurde, nicht eine viel bessere Sicherheit bieten würde. Solche Themen wurden vor Kurzem auch im TFV-Schiedsrichterkollegium besprochen.

Online steht fest: 30 Minuten vor jedem Pflichtspiel werden die eingetragenen Daten mit Aufliegen der jeweiligen Spielerpässe letztlich gesperrt. Tritt beispielsweise beim Aufwärmen eine Verletzung ein, besteht die Möglichkeit auf eine kurzfristige Änderung.

Von dritter Seite erhielt die TT auch ein Schreiben, der Versuch der Wacker-Damen Hartlieb und Suppersberger in der Tiroler Liga unter falschen Namen spielen zu lassen, wäre erfolgt, um das Regelwerk zu umgehen und die beiden Leistungsträgerinnen auch am Sonntag in der zweiten Bundesliga gegen Geretsberg (6:0-Sieg) von Start weg einsetzen zu können. Da kamen beide getreu dem Regelwerk dann übrigens erst nach der Pause zum Einsatz. Zur Erklärung: Wer mehr als 45 Minuten bei einem Team spielt, kann bei der anderen Mannschaft des gleichen Klubs am gleichen Wochenende nur noch maximal 45 Minuten eingesetzt werden.

Eines ist Fakt: Mit dem Fair-Play-Gedanken im Kopf will man sich solchen Verdachtsmomenten ganz sicher nicht anschließen. Zweifel bleiben aber im Raum.