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Ausgabe: 10. Oktober 2017

Alex Gruber

"Es sprießt schon wieder grün"

In Vorfreude auf das zweite Saisonderby gegen die WSG Wattens (Freitag, 20.30 Uhr/Tivoli) gewährt Wacker-Präsident Gerhard Stocker philosophische Einblicke. Und seine Stimmung soll "ansteckend" sein.

Der FC Wacker liegt tabellarisch auf Tuchfühlung zur Spitze. Wie fühlt sich der Wacker-Präsident vor dem zweiten Saisonderby?

Gerhard Stocker: Im Endeffekt habe ich ein riesig gutes Gefühl, dass die Verantwortlichen im sportlichen Bereich das super im Griff haben. Die Mannschaft holte mich schon in den Kreis: "Wir machen das schon." Das ist unglaublich positiv, weil ich im Vergleich zu früher nicht mehr so nah bei der Mannschaft bin. Man spürt eine Herzlichkeit und ein Feuer. Oder der Trainer sagt: "Die Hauptaufgabe von uns zwei Alten ist es, Ruhe zu bewahren."

Die Ampel steht sportlich auf Grün und wirtschaftlich auf "Schwarz".

Stocker: Aus sportlicher Sicht absolut auf Grün. Wirtschaftlich gilt: Die Herausforderung, die wir angenommen haben, werden wir von der Zeitachse nicht von heute auf morgen, aber von heute auf übermorgen bewältigen. Daran hat sich absolut nichts geändert. Und es geht nur mit der Hilfe von mehreren.

Welche Botschaft möchte der Wacker-Präsident dieser Tage loswerden?

Stocker: Die, die bisher mitgetan haben, sollen bitte bei der Stange bleiben, auch mit dem gleichen Engagement. Gemeinsam müssen wir dranbleiben, die Privatwirtschaft wieder von unserer Arbeit begeistern zu können, weil sie sagen, dass da eine geile Entwicklung stattfindet. Wir müssen unsere Hausaufgaben erledigen. Tag für Tag.

Der Kampf gegen das übliche Misstrauen geht in Tirol aber weiter?

Stocker: Das kann ich nicht beurteilen. Vertrauen muss gegeben sein, das kann nicht eingefordert werden.

Ist das Schicksal des FC Wacker im Sommer 2018 untrennbar mit dem Aufstieg in die Bundesliga verbunden?

Stocker: Zu so einer Aussage bin ich nicht bereit. Eine verantwortungsvolle Vereinsführung kann nicht sagen: "Wenn wir nicht aufsteigen, sind wir tot." Da muss es andere Strategien geben. Wir sind im Sportbereich und da kann man nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass gewisse Ziele erreicht werden, aber du kannst nie etwas garantieren. Ich bin nicht bereit, über ein etwaiges Scheitern zu viele Gedanken zu verlieren. Es ist besser, 100 Prozent der Energie daran zu setzen, dass es gelingt. Und mir ist eine wendige Organisation viel lieber als eine, die sich mit allen Eventualitäten beschäftigt. Denn dann wären wir Konzeptriesen und Umsetzungszwerge. Wir müssen ganz klar die Leute wieder für uns begeistern. Und jetzt komme ich wieder zu meiner Lebensformel: Ergebnis ist gleich Qualität mal Akzeptanz. Wenn ich mich qualitätsvoll um die Akzeptanz kümmere, muss das Ergebnis hoch sein.

Die geistige Apokalypse, bei einem Nichtaufstieg ist der Verein nicht mehr vorhanden, gibt es also nicht?

Stocker: Katastrophen sind grundsätzlich etwas ganz anderes. Wenn eine Tür zugeht, gehen vielleicht zwei andere auf. Man darf nicht die Nerven verlieren, man muss auch die Amplituden im Fußballgeschäft generell glätten - also nicht von himmelhochjauchzend zu zu Tode betrübt.

Spukt die Ligareform mit einem Sechzehnerfeld in Liga zwei und einer möglichen Re-Amateurisierung durch Ihren Kopf?

Stocker: Nein. Da bin ich Demokrat, obwohl ich innerlich schmunzle, das steht mir ja zu. Die Rahmenbedingungen für die nächste Saison stehen und danach werden wir uns richten. Es heißt viel mehr: Wir arbeiten daran, dass sich die Rahmenbedingungen bessern, und jammern nicht darüber, wie die Rahmenbedingungen sind.

Zu den Rahmenbedingungen gehören auch öffentliche Subventionen: Die WSG Wattens spielt wie der FC Wacker in derselben Liga, weswegen einige gleiches Recht für beide Klubs fordern.

Stocker: Wenn öffentliche Entscheidungsträger sich nicht klar deklarieren wollen, verstehe ich es bis zu einem gewissen Grad, aber auf der anderen Seite schaut man dann zu wenig aufs Ganze. Und jede Führungskraft hat die Verpflichtung, auf das Ganze zu sehen.

Wie schätzen Sie die Situation im zweiten Spieljahr gemeinsam in der gleichen Liga ein?

Stocker: Super. Ganz neutral: Es wäre für den Tiroler Fußball wichtig, wenn ein Klub ganz oben in der Bundesliga und einer bis zwei, wenn ich auf die 28 Klubs (12 Bundesliga, 16 Liga zwei, Anm.,) sehe, darunter spielen würden.

Das heißt, der FC Wacker nimmt die Führungsrolle in der Bundesliga ein?

Stocker: Ich sehe derzeit keine andere Positionierungsverteilung, wenn das jemand aber anders sieht, dann ist das zu akzeptieren.

Dafür braucht Wacker aber mehr Geld.

Stocker: Es geht um eine Positionierunsgeschichte und da sage ich wieder ganz nüchtern: Wenn die ganze Umgebung sagt, es ist gescheiter, dass Wattens das macht, dann soll man das klar deklarieren, und wir wissen auch, wie wir damit umgehen müssen. Eines wäre mir an dieser Stelle noch wichtig: Ich war oft konfrontiert mit der Aussage: "Sperrts den Laden doch zu." Und das hör´ ich seit Monaten überhaupt nicht mehr. Das ist auch ein positiver Indikator.

Welchem Wunsch folgen die Gedanken?

Stocker: Dass es uns gelingt, mit unserem Arbeiten einen Schneeballeffekt auszulösen - die arbeiten gut, die gehören entsprechend unterstützt.

Womit man wieder bei der Vergangenheit und der Skepsis gegenüber dem Klub wäre.

Stocker: Man urteilt immer noch, obwohl man nicht dagewesen ist. Es wäre super, wenn die Zuseher hergehen und sich selber ein Bild machen würden.

Ist die Tiroler Erde im Tivoli zu verbrannt?

Stocker: Früher hat man die Bahndämme immer bewusst angezündet und brennen lassen, damit es schnell wieder grün wird. Jetzt haben wir genug verbrannte Erde gehabt. Es sprießt schon wieder grün. Jetzt müssen wir hergehen und sagen: Schau: Ein Pflanzerl nach dem anderen geht auf und das kann wieder ein supergrüner Teppich werden. Und auch wenn wir nicht aufsteigen, dreht sich die Kugel weiter. Und auch wenn mir dann unterstellt wird: "Der Stocker kapiert´s nicht."

Stocker, der Phantast?

Stocker: Das ist mir völlig wurscht. Ich bin froh, mit und in so einem tollen Team arbeiten zu können. Ich sehe mich als Katalysator für die Jungen, schaffe die Rahmenbedingungen, damit sie in Ruhe arbeiten können. Ich muss nicht mehr ganz vorne stehen.

Wie geht es weg von der Endzeitstimmung?

Stocker: Wie willst du generell in der Gesellschaft eine Veränderung herbeiführen, wenn du nicht den Optimismus hast, immer wieder aufs halbvolle Glas statt aufs halbleere zu schauen? Ich bin höchst angetan von den Fortschritten, die wir in den letzten Monaten gemacht haben.

Gehen wir von Wirtschaftsphilosophien zurück auf den Rasen. Das zweite Saisonderby gegen die WSG Wattens wartet. Was erwarten Sie sich?

Stocker: Ich hoffe, dass das ein Fest des Tiroler Spitzenfußballs wird. Wir haben alle Möglichkeiten, dass man auch im Fernsehen sieht, dass der Profi-Fußball in Tirol so was von lebendig ist. Felix Kozubek (Leitung Kommunikation) wirft ein: Sogar unser Neuzugang Dimitry Imbongo hat schon gesagt: "Es geht um die Ehre der Stadt."

Eine letzte Frage noch: Wie wird dem Wattener Gerhard Stocker in seiner Heimat als Wacker-Präsident begegnet?

Stocker: Da gibt´s so ziemlich alles. Wenn ich in die WSG-Kantine gehe, fangen einige Leute zu streiten an. Einige schimpfen, andere verteidigen mich. Es gibt Watschn, dass dir zum Beispiel eine 70-jährige Dame sagt: "Ma der Stocker, des kuan koa Wattener sein, wenn er für so einen Verein arbeitet" (schmunzelt). Es gibt aber auch Lob. Wattens ist gespalten. Es ist ja gut, dass der Fußball für Emotionen sorgt.