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Ausgabe: 02. November 2017

Wolfgang Müller

3:0 gegen Celtic – Wacker-Sternstunde in Lehen

Vor 40 Jahren qualifizierte sich SSW Innsbruck nach der Gala im ausverkauften Lehener Stadion für das Viertelfinale des Meister-Cups.

Innsbruck – Heute vor exakt 40 Jahren wälzte sich eine Blechlawine von Tirol Richtung Salzburg zum Stadion Lehen. Die Wacker-Fans machten mobil, schließlich ging es am 2. November 1977 im Rückspiel gegen Celtic Glasgow um den Aufstieg in das Viertelfinale des Meistercups. So nannte sich damals noch die heutige Champions League. Das Tivolistadion war nach Fantumulten gesperrt. Lehen mit seinen steilen Tribünen war ausverkauft, 18.000 Zuschauer hatten bei Salzburger Schnürlregen nur eines im Sinn – die Schwarzgrünen gegen die damals hoch favorisierten Grünweißen aus Glasgow eine Runde weiterzupeitschen. Was auch eindrucksvoll gelang.

„Die Celtic-Bravehearts schauten gegen elf Wacker-Gladiatoren ziemlich alt aus“, gerät Kurt Welzl, der die schnelle 1:0-Führung erzielte, beim Rückblick zusammen mit seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Werner Schwarz, Didi Constantini, Kapitän Werner Kriess, der bei der 1:2-Auswärtsniederlage in Glasgow das wichtige Auswärtstor erzielte, und „Turbo“ Franz Oberacher immer noch ins Schwärmen. Nach 27 Minuten führten die Tiroler bereits 3:0 – die Gala von Lehen ist bei vielen Tiroler Fußballtigern auch 40 Jahre danach immer noch fest verankert. Ohne Legionär fegten die Innsbrucker wie ein Orkan über die konsternierten Schotten hinweg. Wer noch kein Wacker-Fan war, nach diesem denkwürdigen Abend war er einer.

„Wir wurden von einem Provinzklub geschlagen, von dem man nicht wusste, dass er existiert“, schrieb der schottische Daily Mirror schockiert. Sparkasse Swarovski Wacker Innsbruck stand unter den besten acht Meistern Europas und musste sich im Viertelfinale denkbar knapp (3:1 Heimsieg, 0:2 auswärts) Borussia Mönchengladbach geschlagen geben.

Was damals anders war? So viel auch wieder nicht. Der Ball wurde nicht in die Schnittstellen, sondern ins Loch gespielt. Hohes, aggressives Pressing nannte sich damals schon fortschrittlich Forechecking. Hauptsächlich wurde mit und nicht so sehr – wie in der heutigen Trainer-Fachsprache gepredigt – gegen den Ball gespielt. Dass ein funktionierendes Kollektiv (Teamgeist!) Berge versetzen kann, gilt auch heute noch. Tirols Fußball war nach der Lehen-Gala kein Niemand mehr im europäischen Fußball, 40 Jahre danach dümpelt der FC Wacker in der nationalen Zweitklassigkeit herum. Das tut weh – auch den Helden von damals.

SSW Innsbruck – Celtic 3:0 Salzburg/Lehen; 18.000 Zuschauer. Tore: Welzl, Stering, Oberacher.

SSW Innsbruck: Koncilia; Kriess, Pezzey, Constantini, Forstinger: Peter Schwarz, Werner Schwarz, Zanon; Welzl, Stering, Oberacher.