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Ausgabe: 11. November 2017

Georg Fraisl

Der Mann mit dem Koffer

Er kam mit dem Koffer zur TV-Runde, die den FC Tirol retten sollte. Darin, so ließ Othmar Bruckmüller die Fernseh-Welt wissen, seien jene 4,5 Millionen Euro, die die Bundesliga für eine Erteilung der Lizenz vom regierenden Fußball-Meister gefordert hatte.

Geöffnet wurde der Koffer nicht. Bei der TV-Runde im Frühsommer 2002 ebenso wenig wie später im Finanz-Sturm, in dem der Verein unterging. Hausdurchsuchungen, Festnahmen, Schuldenberge, Konkurs, Prozesse, Verurteilungen. Aus dem Traum von drei Titeln in Serie wurde ein Albtraum.
Bruckmüller, der letzte Präsident des FC Tirol, hatte für den Verein eine Haftungserklärung unterschrieben. Daher musste der Reifen-König aus Oberösterreich die offenen Rechnungen des Konkursmeisters begleichen. Die Banken kannten keine Gnade. Man schätzt, dass ihn sein Innsbrucker Fußball-Abenteuer über 20 Millionen Euro gekostet hat. In Worten: Zwanzig Millionen. Sagenhaft.

Am Donnerstag brachte Bruckmüller für sein Reifen-Imperium den Konkurs-Antrag ein. 51,4 Millionen Euro Verbindlichkeiten – 111 Mitarbeiter zittern um ihre Jobs. Die Preis-Entwicklung und seine FC-Tirol-Vergangenheit seien Schuld.

Es wäre in vielerlei Hinsicht besser und billiger gewesen, damals den Koffer zu öffnen.