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Ausgabe: 30. November 2017

Alex Gruber

Jede Minute hat tragende Bedeutung

Der Winter grüßt schon von den Tiroler Bergen. Noch einmal müssen die Kicker des FC Wacker Innsbruck und der WSG Wattens am Freitag heißlaufen. Der Kapitän ist da (Jamnig) wie dort (Oswald) der Dauerbrenner.

Innsbruck, Wattens – Temperaturen um den Gefrierpunkt machen auch vor dem Tivoli-Nebenplatz nicht halt. Dort drehte gestern als Erster Wacker-Angreifer Zlatko Dedic mit muskulären Problemen alleine seine Runden – mal schauen, ob es im letzten Saisonheimspiel gegen Kapfenberg morgen geht. Der 33-jährige Slowene hat schon 1454 Einsatzminuten im Herbst in den Beinen, was im internen Wacker-Ranking Platz sieben bedeutet.

Die Offensivabteilung der Schwarzgrünen war sehr fleißig: Kapitän und Turbo Florian Jamnig stand bislang über 19 Runden die komplette Spielzeit (1710) am Platz. Kreativperle Daniele Gabriele, der sich als gelungener Transfer entpuppte, und Staubsauger Roman Kerschbaum machen das FCW-Podium perfekt. Es ist durchaus ungewöhnlich, dass so viele Offensive als Dauerbrenner glänzen. Goalie Christopher Knett zwickte ja zwischenzeitlich das Kreuz, in der Verteidigung sammelte Albert Vallci die meisten Minuten.

„Ich schaue extrem auf meinen Körper, habe mein Gewicht reduziert und arbeite schon länger mit einem Sportphysiotherapeuten zusammen“, erklärt Jamnig das Geheimnis seines Erfolges: „Ich habe wenig Angst davor, dass ich mir selbst wehtue. Eine Fremdeinwirkung hat man aber nie in der Hand.“ Die stolze 1800er-Marke könnte der 27-jährige Mieminger gegen Kapfenberg voll machen. Kollege Kerschbaum ergänzt: „Wir achten alle auf uns. Das ist speziell in Sachen Regeneration und in den englischen Wochen wichtig.“ Mit Verletzungspech war in der ersten Saisonhälfte Armin Hamzic (nur 67 Minuten) leidtragend.

Im Lager der WSG Wattens ist standesgemäß Torhüter Ferdinand Oswald, der alle 19 Liga-Partien über die volle Distanz absolvierte, die Nummer eins. „Wir kochen zuhause gesund und leben für den Sport. Sonst steckt nichts Außergewöhnliches dahinter“, sagt der Kapitän aus Bayern.

Gleich hinter Oswald macht sich im Lager der Werkssportgemeinschaft der älteste Feldspieler der Sky Go Erste Liga vorstellig: Florian Mader stand mit 35 Lenzen fast 1600 Minuten am Platz. Den Schmirner haben sie offenbar wie den 36-jährigen Weerberger Hannes Aigner (Altach) aus einem Tiroler Felsen gesprengt. Eine Feststellung, die Mader zum Schmunzeln animiert: „Mein Papa (SV-Schmirn-Evergreen Josef, Anm.) hat bis über 40 gespielt.“ Die Gene sind zumindest nicht schlecht.

Ähnlich viel Zeit wie andere kann Mader abseits der Trainingszeiten („Ich weiß, was ich brauche“) nicht in sich selbst investieren, schließlich verlangen – wie bei Oswald – auch die beiden Töchter Leni (4,5 Jahre) und Lotta (14 Monate) ihren väterlichen Preis. „Sie sind ein guter Ausgleich. Und ich bin froh, wenn ich jeden Tag gesund zum Training kann“, spricht aus dem Edelroutinier die Dankbarkeit. Motto: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

Das gilt auch am Rasen. Und morgen wollen Tirols Zweitliga-Kicker noch einmal alles raushauen. Im Wissen, dass sich ein Spiel in einer Minute oder einem Bruchteil von Sekunden entscheiden kann.