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Ausgabe: 04. April 2018

Florian Madl

Basisarbeit auf Platz 23, Reihe 17

Wacker-Sponsoren bleiben erhalten, der Traum vom Trainingszentrum lebt und ehemalige Knipser wie Rene Gartler sind Tribünengespräch.

Innsbruck – Platz 23, Reihe B17 auf der Tivoli-Westtribüne. Ein Klappsessel mit rotem Stoffbezug direkt an der Stiege und deshalb wohl kein guter Ort, um sich in Ruhe ein Fußballspiel anzuschauen. Vor allem dann nicht, wenn man Gerhard Stocker heißt und Vereinspräsident des FC Wacker ist. Regelmäßig wird hier abgeklatscht oder höflich die Hand geschüttelt. Dabei war das 2:0 gegen Wiener Neustadt nichts für Feinschmecker, aber es schmeckte zumindest nach Sieg, nach Aufstieg.

Schräg hinter Stocker sitzt Vizebürgermeister Christoph Kaufmann, rechts außen Ex-Radprofi Georg Totschnig. „Wacker-Schaugn“ ist en vogue. Und Stocker selbst setzt auf die Zugkraft dieser Aufstiegs-Atmosphäre: „Es wäre der richtige Zeitpunkt für einen runden Tisch mit Sponsoren, vielleicht tut sich ja noch etwas.“ 6,2 Millionen Euro Budget im kommenden Jahr sind schließlich nicht viel, wenn es in Österreichs höchste Liga gehen soll. Sobald dann Rapid oder Austria kommen, kann Platz 23, Reihe B17 schon einmal zum Dauerabklatsch-Platz werden.

Im Stile eines Wanderpredigers wird Stocker nicht müde, von Visionen zu sprechen: über ein Trainingszentrum, das „nicht in Innsbruck sein muss“; über die „entkrampfte Stimmung“ bei diversen Sponsorengesprächen; über das Gefühl, „dass erstmals seit 2002 alle zusammenhelfen“; und darüber, „dass Sanieren nicht nur über Sparen gehen kann“. Nur über „vergossene Milch“, also Misstöne in der Zeit vor ihm, will er nicht reden. „Aus meiner ersten Amtszeit habe ich viel gelernt, dreinreden lasse ich mir nicht mehr. Ich saß schon in Sitzungen, wo man uns die Mannschaftsaufstellung diktieren wollte.“

Stocker glaubt an ein neues Wir-Gefühl in Schwarzgrün und erinnert sich an seine Firma Stasto, die 1992 die mehrheitliche Übernahme durch Investoren ablehnte, um durchzustarten: „Auch damals habe ich zuvor das Gespräch mit allen Mitarbeitern gesucht.“

Kleine Anzeichen von Wacker 2.0 liefert die eben angekaufte LED-Bande, die 27 neue Sponsoren aufschimmern lässt. Und das Wacker-Leuchten in seinem Herz sei ohnehin nie abgeklungen. Mit 40 Wochenstunden lasse sich sein Pensum keinesfalls umreißen, laufend tippt Stocker Termine in sein Mobiltelefon. Platz 23, Reihe B17, sein zweites Büro.

Wie es kommendes Jahr aussieht? Derzeit nicht viel anders als zuletzt. Dass die öffentlichen Geldgeber mit der gleichen Summe wie bisher an Bord sind, kann nach den Irritationen der Vergangenheit schon als Erfolg gewertet werden. Es soll nicht das Ende sein. Und wenn man hört, dass der FC Wacker mittlerweile schon die Angel zu hochkarätigen Akteuren ausgeworfen hat, dann spricht das zumindest für die Zugkraft des Vereins. Einer der möglichen Fische: Rene Gartler, mit einer bewegten Torjäger-Vita aber derzeit beim LASK am Abstellgleis. Auch die erhoffte Selbstvermarktung des Stadions, des Gastrobereichs und der Werbemöglichkeiten wird durchgespielt. Dem eigenen Biervertrag läuft der Verein seit Monaten hinterher, die Umsetzbar- und Sinnhaftigkeit muss erst erörtert werden.

Gerhard Stocker strebt weiterhin runde Tische an und sucht das Gespräch. Und Abklatschen am Stiegenaufgang des Stadions ist das Allermindeste. So gesehen ist Platz 23, Reihe B17 bewusst gewählt, Basisarbeit sozusagen. Und diese Basis hielt den FC Wacker bis zuletzt immerhin im Profifußball.