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Ausgabe: 15. April 2018

W. Müller, A. Gruber

„Bin ein Teamplayer, der immer gewinnen will“

Karl Daxbacher ist drauf und dran, den FC Wacker Innsbruck zurück in die Bundesliga zu führen. Titel pflastern seinen langen Weg. Heute feiert er seinen 65. Geburtstag. Die TT hakte bei „Sir Karl“ nach.

Wie klingt 65?

Daxbacher: Das ist nicht unbedingt zu erwähnen (schmunzelt). Es verwundert aber, wenn man als Trainer mit 65 immer noch im Geschäft ist.

Was steht am heutigen Ehrentag an?

Daxbacher: Meine jüngste Tochter, die Eva, wird heute 25. Sie ist genau zu meinem 40. auf die Welt gekommen und heute nicht da. Aber meine Frau hält den Laden zusammen und wir werden uns sicher im Rahmen der Familie treffen.

Ihr Schwiegersohn ist beim SV Horn Geschäftsführer, die Enkel spielen schon Fußball. Sind Sie als Schwiegervater und Opa vor Ort lauter Berater oder eher stiller Beobachter?

Daxbacher: Da bleibe ich relativ weit weg sitzen und schaue mir das in Ruhe an. Im Garten muss ich mit den Enkeln spielen, auch Skifahren bringe ich ihnen gerne bei.

Im täglichen Leben heißt es Opa, aber im Fußball sind Sie weit weg von der Pension?

Daxbacher: Das kann man so sagen. Opa bin ich seit elf Jahren. Und 65 wäre nach Innsbruck eine gute Zahl, um aufzuhören, aber definitiv sagen will ich es nicht, weil man es ja nie weiß. Dauernd das Karriereende anzukündigen und es dann doch nicht zu machen, ist ja auch nicht das Wahre. Alle treten ab wie die Rolling Stones, die jetzt schon die letzten zehn Tourneen gemacht haben. (lacht)

Gibt’s irgendwelche Geburtstagswünsche?

Daxbacher: Nein. Es geht ums Tagesgeschäft, das beschäftigt mich. Klar denke ich mir: Wenn wir das jetzt wieder schaffen, wäre es eine super Sache. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch und der momentane Erfolg ist mir das Wichtigste.

Es gibt also kein Denken in einem Zwei-drei-Jahres-Rhythmus?

Daxbacher: Nein. Das Schönste wäre, wenn ich dann noch in Tirol Trainer wäre, weil dann wüsste ich, das es eine sehr erfolgreiche Zeit ist – sonst bist ja nicht so lange Trainer. Und wenn’s in Tirol vorbei wäre, dann ist es vielleicht ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören ...

Geburtstagsfeier, Aufstiegsfeier – wie stehen Sie Festen gegenüber?

Daxbacher: Ich bin ja eher der Typ, der solche Feiern vermeiden will. Aber ich werde die Mannschaft und das Büro zu meinem Geburtstag auf ein kleines Essen einladen. Und bei einer etwaigen Aufstiegsfeier werden wir dann sehen, ob ich meine Emotionen im Griff habe.

Sie haben als Spieler und Trainer schon etliche Titel gefeiert. Kann eine Aufstiegsfeier zur Routine werden?

Daxbacher: Nein, aber als Spieler bei der Austria mit insgesamt sieben Titeln und vier in Serie ist es ein bisschen zur Routine geworden. Mit einem Riesenvorsprung waren die Emotionen nicht so da.

Denken Sie noch an aktive Zeiten zurück?

Daxbacher: Nur wenn man darüber spricht. Ich kann mich schon erinnern, dass wir 1974 mit einer jungen Austria-Mannschaft Meister geworden und mit der Straßenbahn durch ganz Wien gefahren sind. Aber sonst ist das weit weg.

Sind die Erfolge als Spieler oder Trainer intensiver?

Daxbacher: Als Spieler ist man relativ unbelastet, geht zum Training, gibt sein Bestes wie beim Spiel. Als Trainer ist es schon ganz was anderes, man hat seinen Blick auf viel mehr zu richten. Das sollte man klar trennen. Es ist eh immer Thema, dass erfolgreiche Spieler nicht automatisch erfolgreiche Trainer werden: Die eigene Karriere ist keine Grundvoraussetzung.

Wird einem das Meister-Gen auch in die Wiege gelegt?

Daxbacher: Nein, aber sehr ehrgeizig bin ich schon. Ich bin ein großer Teamplayer, der immer gewinnen will.

Woher kommt Ihre große innere Ruhe und tiefe Entspanntheit?

Daxbacher: Das kommt aus meinem Elternhaus. Mein Vater war auch locker und hat sich nicht großartig aufgeregt. Da gibt’s auch ein paar Geschichten, wo er durchaus Dramatisches entspannt gesehen hat. Vielleicht kommt’s von dem.

Platzt Ihnen dennoch ab und zu der Kragen?

Daxbacher: Selten. Bringt’s was, wenn ich herumschreie oder hilft mehr ein analytischer und beruhigender Zugang? Ich glaube fast nie, dass die Spieler nicht wollen – was die Fans manchmal glauben, wenn es nicht rennt. Ich sehe eher das Problem im Druck oder der Nervosität. Ein, zwei, drei Mal in der Saison gibt’s eine laute Halbzeit-Ansprache, aber wenn ich einen Tag darüber schlafe, bin ich schon wieder besonnen. Direkt nach dem Spiel gibt es in der Kabine keine Kritik, weil da kommt nur ein Blödsinn heraus.

Viele Ihrer Ex-Spieler loben Ihren korrekten zwischenmenschlichen Umgang?

Daxbacher: Beschimpfen auf persönlicher Ebene geht gar nicht. Man kann mehr Einsatz einfordern. Ich bin kein Lauter, obwohl ich weiß, dass manche Spieler sogar wollen, dass man einmal explodiert. Aber vorspielen geht auch nicht, Authentizität ist das Wichtigste.

Wie waren Ihre Trainer?

Daxbacher: Ich hatte viele besonnene, die sogar das damalige Konditionsbolzen nicht mitgemacht haben.

Man nennt Sie im Zeitalter der Laptop-Trainer „Sir Karl“. Wie gelingt der generationsübergreifende Spagat?

Daxbacher: Kein Trainer kommt mehr ohne Laptop aus. Ich nehme mir auch viel Zeit, den nächsten Gegner zu analysieren. Es ist schon „old school“, alte Schule, wenn man es so bringt, da. Aber ich merke, dass ich bei jedem Verein was dazulerne. Dass man nie auslernt, ist sowieso klar. Und wenn man ehrlich genug ist, weiß man auch, dass man Fehler macht. Aus seiner Art kommt man nicht heraus – und das will ich auch nicht.

Und über allem steht der Erfolg ...

Daxbacher: Man muss die Liga und das eigene Material gut einschätzen können. Das ist als erfahrener Trainer wahrscheinlich leichter. Man darf nicht stur und gerade seinen Weg gehen, manchmal muss man was anderes ausprobieren.

Sie gelten nicht als Oberlehrer.

Daxbacher: Natürlich möchtest du vor dem Spiel den Spielern alles erklären, aber das geht nicht. Ich sage: ,Ich kann euch nicht mehr helfen, ihr müsst die Entscheidung treffen und sie durchziehen. Dass Fehler passieren, ist klar.‘ Aber wer Fehler macht, spielt wenigstens mit dem Ball. Manche machen keine Fehler, weil sie immer da sind, wo sie nie angespielt werden. (lacht)

Wenn wir uns in einem Jahr zum 66er unterhalten, dann ...

Daxbacher: Schön wäre, wenn wir in der Bundesliga unter den oberen sechs wären. Das wäre das große Ziel.

Was hat sich seit Ihrer Ankunft in Innsbruck alles verändert?

Daxbacher: Ich bin nicht als Feuerwehrmann gekommen, weil die schlechte Phase des damaligen Herbstes hat schon Thommy Grumser korrigiert. Dann wollten wir ein sehr gutes Frühjahr spielen. Der entscheidende Grund hierherzukommen war es, mit Innsbruck aufsteigen zu können. Ich habe schon oft betont: Wacker Innsbruck ist ein Klub, der was hergibt. Und es ist ja unglaublich, wie sich die Meisterschaft gedreht hat. Wir haben Ried in zehn Runden 19 Punkte abgenommen.

Ihre Wein-Empfehlung zum 65er?

Daxbacher: Ein Riesling oder Grüner Veltliner aus dem Kamptal Heiligenstein oder aus der Wachau. Ich komme ja aus der Weingegend und muss Werbung machen.

Steckbrief:

Karl Daxbacher: geb. 15. April in St. Pölten. Privat: verheiratet; vier Töchter, vier Enkel. Erfolge als Spieler: 7x österreichischer Meister mit Austria Wien, 4x österreichischer Cupsieger, 1x Finale im Europapokal der Pokalsieger (1978), 6 A-Teameinsätze. Erfolge als Trainer: 1x Cupsieger Austria (2009), 2x Meister Erste Liga mit LASK (2007) und St. Pölten (2016); Meister Regionalliga Ost mit Austria Amateuren (2005), 2x Meister Regionalliga Mitte mit LASK 2013 und 2014. Detail am Rande: Seinen ersten Titel feierte Daxbacher als 16-Jähriger im Dress seines Heimatklubs ASV Statzendorf, wo er auch seine Trainerkarriere begann.