Horst Braun und Robert MartiniNach einigen Jahren ist eine Veränderung im Trainerstab der Damenabteilung notwendig, denn der bisherige Trainer verlässt mit Jahresende den Tiroler Traditionsverein. Trotzdem hat er sich bereit erklärt, uns diesen Schritt aus seiner Sicht zu erläutern und seine Sicht der Dinge darzustellen. Der Leiter der Damenabteilung des FC Wacker Innsbruck nimmt zur Thematik Stellung und verrät uns, wie es mit den schwarz-grünen Ladys weiter geht.


Robert, nach der Hälfte der Meisterschaft liegt die Bundesligamannschaft auf dem vierten Tabellenplatz. Bist du damit so unzufrieden, dass du dich entschlossen hast, deine Tätigkeit aufzugeben?

Für mich ist der Tabellenplatz Nebensache. Ich bin grundsätzlich mit dem Herbst zufrieden. Die Richtung stimmt, spielerisch ist ein Aufwärtstrend festzustellen. Einzig das Heimspiel gegen Kleinmünchen (1:2 – Niederlage) stört mich gewaltig. Weiters sind wir noch im Cup vertreten (Viertelfinale). In den ersten zwei Runden haben wir sogar 36 Tore geschossen, das ist im Schnitt alle fünf Minuten ein Tor. Auch ist vergangene Saison bemängelt worden, dass wir im Cup gegen unterklassige Mannschaften zu wenig Tore geschossen haben. Dies haben wir heuer ausgebessert. Selbst Neulengbach hat das bei weitem nicht erreicht.

Ist es zu schwierig geworden, deine verschiedenen Tätigkeit, wie pädagogische Hochschule, Unterricht, Familie und Betreuung des wackeren Damenteams zeitlich und organisatorisch zu vereinbaren?

Sicherlich ist es nicht einfach, all diese Verpflichtungen „unter einen Hut“ zu bringen. Allerdings habe ich gewusst, worauf ich mich diesbezüglich einlasse. Dies ist mit Sicherheit kein Grund für meine Entscheidung. Obwohl mir meine Frau und mein Sohn schon dankbar sind, dass ich nun mehr Zeit für sie haben werde. Jedoch ist die Familie immer voll hinter mir gestanden, war auch ein kleiner Teil der Wacker – Damen. Und gerade jetzt, wo es mir wegen der Situation wirklich nicht besonders gut geht, sind meine Frau und mein Sohn ein sehr großer Rückhalt! Dafür bin ich ihnen auch sehr, sehr dankbar!

Wie reagierte dein Co-Trainer Stephan Glöckner darauf?

Er reagierte überrascht, jedoch hat er schon seit einiger Zeit von den Problemen gewusst. Ob er weiter machen möchte, dass muss man ihn selbst fragen. Allerdings finde ich das Wort „Chef“ übertrieben, denn wir waren stets ein Team.

Weiß das Team schon Bescheid? Wie haben die Spielerinnen reagiert?

Ich habe das Team über meine Entscheidung informiert und habe durchwegs nette Rückmeldungen bekommen. Ich möchte dazu auch sagen, dass ich sehr gerne mit der Mannschaft weiter gearbeitet hätte! Eben die „Mädels“ waren es, die mir diesen Entschluss so schwer gemacht haben.

Hast du eine/n „Wunschnachfolger/in?

Nein, habe ich nicht. Ich würde es nicht schlecht finden, wenn Stephan Glöckner meine Rolle übernehmen würde. Allerdings geht mich das wirklich nichts mehr an.

Ziehst du dich gänzlich aus der Betreuertätigkeit zurück oder möchtest du künftig vielleicht wieder dein Engagement dem Nachwuchs widmen, wie du das auch vorher gemacht hast?

Ich werde in naher Zukunft sicher nicht beim FC Wacker Innsbruck arbeiten. Ich war nun 6 ½ Jahre für Schwarz-Grün tätig, dies ist eine lange Zeit. 

Hast du schon konkretere Pläne mit einem Verein bzw. ein Angebot eines anderen Clubs?

Nein, ich habe noch keine Pläne. Es ist gut möglich, dass ich einmal eine Pause mache. Schließlich waren die letzten 9 ½ Jahre (WSG Wattens, FC Wacker Innsbruck) sehr intensiv und die „Batterien“ sind auch nicht mehr ganz voll. Allerdings bin ich auch dazu bereit, mir jedes Angebot anzuhören.

Horst, welche Schritte sind von deiner Seite geplant, da doch im Jänner die Vorbereitung auf die Frühjahrssaison starten soll?

Ich habe mit Stefan Glöckner und Alexandra Bugl die Situation analysiert und entsprechende Schritte mit ihnen festgelegt.

Hast du schon einen Nachfolger/eine Nachfolgerin im Auge? Verrätst du dazu Genaueres?

Mit der Betreuung der 1.Mannschaft habe ich Stefan für das Frühjahr beauftragt, einen Co-Trainer/in sucht er selbst. Schließlich sollen die beiden Betreuer einander gut ergänzen und miteinander arbeiten.

Wird es weitere Änderungen im Betreuerstab der Damenabteilung geben?

Der Wunschkandidat von Stefan wäre Alex Bugl. Ich habe ihm aufgetragen, sich anderweitig zu entscheiden, denn Alex macht mit unserer Talenteschmiede einen ausgezeichneten Job. Hier ist mir Kontinuität sehr wichtig.


Welche Anforderungen und Erwartungen sind an den neuen Trainer geknüpft?

Glöckner hat nun die Aufgabe sein Profil zu schärfen und durch entsprechendes Auftreten Respekt zu bekommen unter der Prämisse, möglichst kollegial und kooperativ aufzutreten. Nur so kann ich erwarten, dass die Harmonie in der Truppe funktioniert.

Welche Erwartungen hast du unter diesen geänderten Vorzeichen an die Frühjahrssaison, in der als erstes Spiel das Cup-Viertelfinale gegen Landhaus als erste Partie ansteht?

Die Mädels können mehr als sie in manchen Spielen zeigen konnten, daran ist zu arbeiten und die Weiterentwicklung der Jungen voranzutreiben.


Gibt es sonst noch Neuigkeiten, zum Beispiel Veränderungen im Spielerinnenkader des Bundesligateams?

Vielleicht gelingt uns eine echte Verstärkung an Land zu ziehen, aber noch ist es viel zu früh darüber zu sprechen.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass wir jetzt nicht nachtreten wollen, dieses Kapitel abschließen und unsere Energie für die weitere Saison aufsparen, damit wir dem Anspruch, den der Verein zu Recht an uns stellt, in Zukunft gerecht werden können.

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Heidi Roznovsky Heidi Roznovsky

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