Die Richtung stimmtRuhig ist es geworden um die Wackerfohlen, was jedoch mehr an der quälend langen Winterpause liegt als an mangelnden Gesprächsthemen. Am kommenden Wochenende startet auch die Regionalliga West in ihre Frühjahrssaison und beendet damit die fußballfreie Zeit für die wackeren Nachwuchshoffnungen. Ein guter Zeitpunkt für ein kleines Update für alle W1-Stammbesucher und jene, die es noch werden wollen.



Die Messlatte liegt hoch

Selten präsentierten sich die Jungwackerianer so erfolgreich wie im abgelaufenen Herbst 2013. Neun Siege aus 16 Partien, darunter sehr wichtige gegen Neumarkt oder die Altacher Amateure, und damit Tabellenplatz Sechs untermauern die gute Arbeit von Mannschaft und Trainerteam. Viele attraktive Spiele verdankt man zudem dem eigenen Stamm, der oftmals auch ohne große Unterstützung des Profikaders auskam. Wurde bereits unter Werner Löberbauer den Zuschauern recht ansehnlicher Fußball geboten, ist mittlerweile auch eine körperliche Entwicklung sichtbar. Der Aufgabe, Entwicklungsplattform für junge Spieler zu sein, kam man selten so nahe wie in dieser Saison. So schafften Talente wie Andreas Kuen, Alexander Gründler, Kevin Nitzlnader oder Armin Hamzic den Sprung in die Bundesliga. Sofern es Anpassungsschwierigkeiten zum Tempo und Kraftaufwand bei den Profis gab, konnte man diese schnell beheben. Denn bisher jeder Spieler aus dem Amateurkader konnte auch zwei Ligen höher Eindruck beim Tivoli-Publikum hinterlassen. Die Ansprüche an die wackere Nachwuchsarbeit sind zweifellos gestiegen.

Evolution hat Vorrang

Umso schwieriger wird es sein, jenes Niveau zu halten oder vielleicht sogar noch auszubauen. Die Ressourcen in Tirol sind begrenzt. Ganz in diesem Sinne ist auch ein großer Kaderumbau im Winter ausgeblieben. Veränderungen gibt es stattdessen vereinzelt nur dort, wo sie aus Sicht des Betreuerstabes erforderlich waren. Von der Akademie fanden Lukas Hupfauf, Lukas Marasek (beide universell für das Mittelfeld) und der bereits langfristig an den FC Wacker Innsbruck gebundene Simon Pirkl den Weg zu den Amateuren. Vom überraschend erfolgreichen Aufsteiger SC Schwaz holte man dazu Michael Opuhac an das Tivoli. Wenn man die Abgänge von Bilal Durmus (Zirl), Nico Nissl (Ulm/Deutschland) und besonders den Verleih des nicht unwichtigen Alexander Fröschl zur Vienna einbezieht, bietet sich eher das Bild einer Nachbesetzung an wichtigen Schaltstellen im wackeren Spiel als ein Aufblähen des Kaders. Spannend wird die Beobachtung, ob das Fehlen von Alexander Fröschl auch tatsächlich kompensiert werden kann bzw. ob das schwarz-grüne Offensivspiel sich auf noch ein paar Schultern mehr verteilen wird. Größere Aufmerksamkeit erreichte allerdings mehr eine Neuverpflichtung im Trainerstab: Mit Markus Seelaus unterstützt künftig ein ehemaliger Wackerprofi Chefcoach Thomas Grumser, der nach der Trennung von Roland Kirchler auch kurzzeitig im Betreuerteam des Bundesliga-Kaders aushalf. Der 27jährige Seelaus spielte im Herbst 2004 und zwischen Sommer 2007 bis Dezember 2008 beim FC Wacker Innsbruck, konnte sich aber nicht wirklich durchsetzen. Stattdessen schwenkt er nun in die Trainerlaufbahn ein und soll an der Seite von Thomas Grumser seine ersten Erfahrungen sammeln. Ein Entwicklungsschritt, von dem nicht nur er, sondern auch die junge Mannschaft profitieren könnte. Zu einem Trainer, zu dem der Altersunterschied nicht dermaßen groß ist, finden einige Spieler zuweilen einen anderen, manchmal auch unkomplizierteren Zugang.

Eine ungewisse Zukunft

Das überschaubare Maß an Veränderungen kann für die Zukunft noch von großem Wert sein. Sollte der FC Wacker Innsbruck tatsächlich in die Erste Liga absteigen, kommt der Regionalliga-Mannschaft eine noch größere Bedeutung zu. Allein weil in Österreichs zweithöchster Spielklasse wesentlich mehr junge Akteure auf dem Spielbericht aufscheinen müssen als bisher, gewinnen Kontinuität und Erfahrung an Wert. Wer sich im österreichischen Profifußball auskennt, weiß auch wie begrenzt die finanziellen Möglichkeiten in der Ersten Liga sind. Eine engere Verzahnung mit der Nachwuchsschiene des Tiroler Fußballverbandes, der Ausbau der individuellen Förderung und die Vernetzung mit allen Tiroler Vereinen müssen daher noch mehr ins Auge gefasst werden, will man langfristig einen soliden Unterbau schaffen. Ob diese Ziele erreicht werden, dafür sind nicht zuletzt die Resultate der wackeren Amateure ein guter Gradmesser. Die Grundlagen gilt es also schon jetzt zu schaffen.

 

 

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Sebastian Kollemann Sebastian Kollemann

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