b_350_1200_16777215_00_images_201213_fanview_fv1_3.jpgDas hier nachfolgende ist die subjektive Schilderung eines sogenannten „Normalofans" zu den Vorgängen rund um das Spiel Rapid vs. FC Wacker Innsbruck am letzten Samstag. An diesem Tag ergab sich für mich die leider sehr selten gewordene Gelegenheit, den FCW live im Stadion spielen zu sehen. Zusammen mit zwei weiteren FCW-Fans aus Wien machte ich mich um ca. 16 Uhr in Richtung Hütteldorf auf. Dort angelangt, beschlossen wir uns dem sogenannten „Auswärtsmob" anzuschließen, welcher gerade mit dem Zug aus Tirol eingetroffen war. Wir wurden, wie erwartet, von einer deutlichen Überzahl an Polizisten in Empfang genommen und von diesen über einen vorgezeichneten Weg in Richtung Stadion begleitet.

 

Nur stumme Blicke

Als Nicht-Fanklubmitglied schlenderte ich am Ende des Pulks dahin und ärgerte mich über manchen dumpfen Anti-Wien- Spruch. Leider blieb es nicht nur bei diesen verbalen Aussetzern. Zweimal wurden von irgendwelchen „geistigen Tieffliegern" Böller gezündet, wobei einer davon gegen ein blechernes Garagentor geworfen wurde, welches die zu erwartende Wirkung um ein Vielfaches verstärkte. Ich wunderte mich ein wenig, dass die vermuteten Böllerwerfer nicht direkt von den nebenstehenden szenekundigen Polizisten zur Räson gebracht wurden. Stattdessen hielt man den gesamten Fanpulk an einer Straßenkreuzung auf, an der bereits vorsorglich mehrere mobile Absperrgitter in Stellung gebracht worden waren. Eine schwer verständliche Lautsprecherdurchsage enthielt das Wort: „Identitätsfeststellung", und als sich kurz darauf schwer gepanzerte WEGA-Beamte vor uns aufbauten, war mir klar, dass ich hier in etwas hinein geraten war, das ich lieber vermieden hätte. Ich versuchte Genaueres von einem mir nebenstehenden Polizisten zu erfahren, welcher mir jedoch nur stumm ins Gesicht blickte. Dabei fiel mir auf, dass keiner der anwesenden Polizisten ein Namensschild am Overall trug, ich konnte daher auch niemanden persönlich ansprechen. Ein anderer, freundlicherer Polizist erklärte mir, dass wir hier aufgrund der Böllerei angehalten wurden und man nun erstmal beobachten werde, wie „wir" uns in weitere Folge verhielten.

Druck wird erhöht

Inzwischen hatte sich der Polizeigürtel hinter uns dicht geschlossen und man begann die gesamte Menge nach vorne in Richtung der Absperrgitter zu schieben. Als leicht klaustrophobisch veranlagter Mensch versuchte ich so schnell wie möglich ebendort hin und somit auch aus dieser Situation herauszukommen. An der Absperrung angekommen, musste ich leider feststellen, dass trotz der vorhanden Überzahl an Polizeikräften immer nur ein bis zwei Personen zur oben genannten Identitätsfeststellung gebracht wurden und es gefühlte 5 Minuten dauerte, bis die nächsten zwei Leute mitgenommen wurden. Leider gab es keine Versuche der Polizei, die immer dichter zusammendrängende Menge zu beruhigen, oder die Situation in irgendeiner Weise zu entspannen. Der einsetzende Regen verschlechterte die Stimmung zusehends und unsere aufreizend langsame „Abfertigung" führte zu div. Beleidigung in Richtung der Polizei. Plötzlich wurde im Inneren des Fanpulks ein Bengale gezündet. Ich konnte beobachten, wie zwei WEGA Beamte den vermeintlichen Schuldigen ziemlich grob von hinten an der Schulter packten und versuchten ihn aus dem Pulk herauszureißen. Ein Aufschrei ging durch die Menge und innerhalb von Sekunden stürmten mehrere Beamte in Richtung der am lautesten Protestierenden. Mehrere Fans wurden umgerissen und stürzten halb über, halb auf mich. Ich selbst wurde dadurch in das hinter mir stehende Absperrgitter gedrückt, an dem ich mich zum Glück festhalten konnte. Ein WEGA-Beamter stand ca. 1 Meter entfernt und schlug mit seiner Faust in Richtung der Köpfe und Gesichter einiger Fans. Er erwischte dabei wohl auch ein Mädchen, welches rechts neben mir panisch versuchte nicht auch noch überrannt zu werden.

Der Schock saß tief

Ich hatte großes Glück ohne Verletzung davonzukommen, denn nur Momente später packte mich eine starke Hand an der linken Schulter und zog mich aus dem Schlamassel heraus. Der mich „rettende" WEGA-Beamte wollte mich zwar gleich abführen, aber eine andere Polizistenstimme hinter uns meinte: „Der da hat eh nix g'macht". Daraufhin wurde ich nur wenige Meter eskortiert und wortlos entlassen. Ziemlich geschockt trottete ich der Straße entlang und sah, wie hinter mir ein paar zornige Fans deutlich unsanfter abgeführt wurden. Angesichts der aufgeheizten Stimmung befürchtete ich eine Wiederholung solcher Szenen im Inneren des Stadions und zog es daher vor, mir das Spiel doch wieder „nur" im TV anzusehen. Wie man dem Bericht von Rudolf Tilg auf tivoli12.at entnehmen kann, hatte ich dahingehend wohl die richtige Vorahnung.

gidi

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