b_350_1200_16777215_00_images_201819_Fanleben_fv15.jpgGerne hätte ich heute von einem berauschenden Sieg des FC Wacker Innsbruck berichtet. Gerne hätte ich über eine lustige Auswärtsfahrt und über die Emotionen im Stadion erzählt. Doch es kam alles ganz anders. Unter der Woche musste ich und meine Familie einen Schicksalsschlag erleben, wie er schlimmer nicht sein kann. Da wird Fußball und eine (verdiente) Niederlage zur absoluten Nebensache. Wie gerne hätte ich einen Sieg meiner am Freitag verstorbenen Frau gewidmet. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und so widme ich diesen Fanview meiner Andrea!

Danke

Wacker hat sich in St. Pölten also eine verdiente Niederlage abgeholt. Dabei hat es in der ersten Halbzeit gar nicht so ausgesehen. Unsere Schwarz-Grünen hatten eigentlich alles fest in Tiroler Hand und das Spiel im Griff. Ohne jedoch selbst offensiv aktiv zu werden. Für mich war diese Partie Nebensache, die ich nur am Rande mitverfolgt habe. Der FC Wacker Innsbruck ist mir normal sehr wichtig. Nun aber ist es wichtiger, dass ich und meine Lieben Trost finden. Darum wollte mich meine Familie an diesem Sonntag auch nicht alleine lassen. Auch um uns gegenseitig Halt zu geben. Den so wichtigen Halt einer Familie. Apropos Familie, ganz ohne Fußball geht es bei mir nicht und ich habe pünktlich zu Spielbeginn den Fernseher angemacht und meinen Augen nicht getraut. Da war der Sektor der Schwarz-Grünen zu sehen. In riesigen Lettern hing davor ein Spruchband mit den Worten: „RUHE IN FRIEDEN ANDREA“.
Wacker ist eben eine Familie. Ja, auch meine Familie und die gibt ebenso Halt und ist für einen da, wenn man einmal ganz unten ist.
Tränen sind da aber nicht nur bei mir wieder geflossen, sondern auch bei Andreas Töchtern und deren Schwester mit Familie. So viel Anteilname von Seiten der Fans des FC Wacker Innsbruck verdient Respekt.

Nicht zum ersten Mal

Nicht zum ersten Mal hing ein Spruchband für meine Andrea. Die Tivoli Nord wollte das nicht an die große Glocke hängen. Ich tu es jetzt trotzdem. „Andrea kämpfe für deinen letzten Wunsch“ war beim Spiel gegen den TSV Hartberg zu sehen. Die Tivoli Nord hat von dem unmenschlichen Leidensweg meiner Frau Wind bekommen und es zu deren Aufgabe gemacht, sie bei ihrem Wunsch noch ein Fest in Weiß erleben zu dürfen tatkräftig unterstützt. Obwohl es für mich klar gewesen ist, dass ich ihr diesen Wunsch erfüllen werde, war das nicht so einfach. Besonders dann, wenn man zeitweise weit mehr Geld für Krankenhäuser, Medikamente und was sonst noch so versucht worden ist, um der heimtückischen Krankheit Herr zu werden, ausgeben muss, als man einnimmt. So wurde bei der Auswärtsfahrt zu Rapid und beim Heimspiel gegen den TSV für Andrea gesammelt. Mit Hilfe der Tivoli Nord, meiner Familie und vielen Freunden und Helfern wurde binnen kurzer Zeit ein grandioses Hochzeitsfest für uns organisiert. Mit einer wahnsinnig bewegenden Trauung und einer späteren Überraschung von Vertretern der Tivoli Nord und meines Fanclubs der I Furios, welche Andrea und mir sehr viel Freude bereitet und uns zu Tränen gerührt hat. Meine Frau war so glücklich und nun indirekter Bestandteil in der Kurve.

Und als sogar Licht am Ende des Tunnels zu sehen gewesen wäre und es laut einer zweiten Meinung in der Innsbrucker Klinik sogar noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gegeben hätte, kam alles Unglück auf dieser Erde zusammen und das Schicksal ließ Andrea keine Chance mehr. Und Fans des FC Wacker Innsbruck sind wieder da. Stehen hinter mir und bieten Hilfe an. Ich kann mich nicht genug bedanken!

Fußball als Trauerbewältigung

Warum ich heute in diesen schweren Stunden einen Fanview schreibe? Weil es im Sinne meiner Frau wäre und weil das Leben mit dem Tod nicht endet. Es ist erst der Anfang. Und alles was Ablenkung bringt, hilft eigentlich. Andrea ist nach einem unglaublichen Leidensweg und unzähligen Operationen erlöst und durfte friedlich einschlafen. Die letzten Tage sind sehr bewegend gewesen. Es gibt Trost, dass sie im letzten Monat so glücklich gewesen ist und sie mit mir noch einiges unternommen hat. Unter anderem mit der Unterstützung von Fans des FC Wacker Innsbruck.
Schon einmal habe ich ähnliches erlebt. Als 1985 meine damalige Lebensgefährtin über Nacht von mir ging und mir von Gott entrissen worden ist. Mit ihr unser ungeborenes Kind. Die Leidenschaft am Tivoli hat mir dann sehr geholfen besser mit dem Verlust umgehen zu können. Fußball ist nicht nur Sport, sondern hat auch eine soziale Ader und kann viel, viel mehr.

Ich schließe den heutigen Fanview mit Worten aus Andreas Hochzeitsrede: „Ich möchte diesen einmaligen Tag, den wir mit unseren Liebsten verbringen dürfen, so richtig genießen. Ich werde kämpfen wie eine Löwin um unsere Zeit die mir noch bleibt, so schön wie es geht zu verbringen. Wir alle müssen einmal sterben. Die einen früher, die anderen später. Aber nur nicht heute. Darum lasst uns unseren schönsten Tag feiern und ausgelassen sein“
„Das Leben ist schön“, war das Motto dieser Hochzeit. Der Tod ist nicht das Ende und mitunter eine Erlösung. Andrea wollte nie, dass andere wegen ihr leiden. Darum: beim nächsten Heimspiel am 02. Dezember um 14.30 Uhr beim Wackerkiosk ein Glaserl auf sie anstoßen. Das wäre ganz in ihrem Sinne!

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Rudolf Tilg Rudolf Tilg

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