b_350_1200_16777215_00_images_202122_Fanleben_fv7.jpgEndlich einmal genießen und nicht 90 Minuten zittern müssen! Wackers Sieg in Wien Floridsdorf war ungefährdet. Aber um das überhaupt live mitzuerleben, mussten Schwarz-Grüne zwei Tage vor dem Wien-Marathon einen eigenen Marathon hinter sich bringen.

Wo zum Teufel ist der 21. Bezirk?

Man muss nicht unbedingt aus Afrika kommen, um den Marathon in der Bundeshauptstadt zu gewinnen. Es reicht, wenn man sich ein Wackergwandl anzieht und sich auf den Weg in den 21. Wiener Gemeindebezirk zum Auswärtsspiel gegen den FAC macht. Abfahrt in die große City um 13.02 Uhr vom nagelneuen Bahnhof Schwaz. Das letzte Teilstück dann mit der S-Bahn und weiter in die Straßenbahn, welche mit ihrer Holzbestuhlung etwas an die Kaiserzeit erinnert. Ziel der kleinen "Weltreise" war (wie mein Wackerfreund aus Braunschweig einmal meinte) "Transdanubien" - die Hopfengasse in Wien. Vorbei an Häuserschluchten und vollen Straßen. Das Riesenrad war schön. Als Tiroler etwas ungewohnt. Da genieße ich am Montag dann umso mehr unseren Park vor meiner Casa in der feinen Silberstadt. Um 18.15 Uhr dann am Ziel angekommen, ging es aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten einmal um das ganze Stadion, samt Trainingsgelände herum. Da bekam meinereiner das Gefühl man umkreist eine Kleinstadt. Trotzdem war man rechtzeitig da. So etwas kommt ja auch nicht immer vor.

Schrecksekunde

Mein Objektiv war noch gar nicht richtig aufgeschraubt, ja nicht einmal auf meinmn mobilen Fanhockerl hatte ich Platz genommen, da hat es schon geklingelt. Aber im falschen Tor. Gleich wie der gut gefüllte Auswärtssektor war unsere Abwehr offenbar noch im Zusehermodus. Jedenfalls noch nicht so richtig am Platz. Beunruhigt hat mich das in diesem Augenblick wenig. Herrliches Wetter, gutgelaunte Fans (etwa 250) und ein laues Platzerl, dazu noch über 86 Minuten Zeit, das Ergebnis umzudrehen. Was soll da schon schiefgehen? Dass die Jungs am Feld das dann auch umsetzten, kommt in dieser Saison bislang ja nicht so häufig vor. Um so schöner war  dann der restliche Auftritt der Schwarz-Grünen. Eine einzige Torchance konnten die Blauen aus dem 21. Bezirk noch verbuchen. Das wars dann aber auch. Die Wackerianer zeigten ein gänzlich anderes Gesicht als noch gegen Amstetten. Die Wiener waren zum Reagieren gezwungen und konnten kaum agieren und Ronivaldo und Co hatten endlich den erhofften Zug Richtung gegnerisches Tor. Herausgekommen ist ein hochverdienter 3:1-Auswärtssieg - frenetisch gefeiert von dem mitgereisten schwarz-grünen Anhang. Es ist mir jedes Mal wieder eine Ehre so etwas (noch) miterleben zu dürfen!

Das Ganze „kehrt um“!

Ein feiner Tag trotz mehr als sechs Stunden Hinfahrt für zwei Stunden Fußball. Aber es zahlt sich aus. Die tolle Stimmung und Wir-Gefühl zwischen Fans Spielern, Trainern und Funktionären. Man trifft auch wieder alte Bekannte aus dem Osten und welche, die sich den weiten Weg in die vielfach zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählte Metropole, ebenso angetan haben. Andere steigen für 10.Minuten Rundumblick auf den Everest und frieren sich noch was ab - wenn sie denn überhaupt unten wieder ankommen. Wir gehen halt als Schwarz-Grüne in Wien spazieren. Das ist etwa ähnlich gefährlich. Aber einen Vogel muss jeder haben.
Und da der Adler ja wieder in Tirol landen muss, ging es nach einer guten Pizza in der Osteria beim Hauptbahnhof zurück in die Heimat. Mit drei Punkten im Gepäck. Was gibt es schöneres? Noch ein Detail am Rande: Ich durfte auf diesem Trip jenen Herren kennenlernen, der das kleine Ferkel 2003 beim Westderby (Cup Viertelfinale) ins Stadion geschmuggelt hatte und mit einem violetten Schal zum Sektor des violetten Erzfeindes gerannt ist. Nur unter "übermenschlichem" Einsatz des Ordnerdienstes konnte es damals unter großem Gelächter von den Tribünen eingefangen werden. Auch jenen Herrn, der dieses Ferkl dann bei sich aufgenommen hat und dem es auf der Alm dann als ausgewachsene Sau sehr gut gegangen ist, kenn ich auch. Es ist der Vater unseres jüngsten Fanclubmitglieds. So holt einem die Vergangenheit wieder ein. Ach wie schön!

Der Nachtzug schien älteren Datums gewesen zu sein. Mir kommt vor, mit dem hatte ich schon meinen Schulausflug nach Wien. Vor einem halben Jahrhundert. Da gibt es nur eines zu sagen: unbequem und zu teuer. Warum, das entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht ist der Strom in der Nacht um 28 Euro teurer, als am Tag. Um 04.30 Uhr am Bahnhof Innsbruck angekommen und kurz vor dem Läuten zur Frühmesse war man wieder daheim. Der Afrikaner, der den Wien-Marathon gewonnen hat, war nicht so lange unterwegs. Aber als Schwarz-Grüner braucht man eben auch viel Ausdauer. Immerhin werden wir nie alleine sein!

Was sonst noch war

Einen wahren Kraftakt hat Wacker III gegen den Tabellenführer aus Sölden hingelegt. Schon mit 0:2 hinten, dann auch noch mit 3:4 und am Ende ein verdientes 4:4 erreicht. Was für ein Spektakel der „Buam“. Die Damenmannschaft hat verloren. Besonders bitter, weil man wegen eines Witz-Elfers in der 90. Minute den Kürzeren gezogen hat.
Was für ein Spektakel beim Gastspiel von Wacker II in Telfs! Ein Volksfest. 500 Zuseher waren erlaubt - und sind auch gekommen. Dazu mein Hund und der Hund der Mama von Wackerlegende Marcel Schreter. Marcel wünscht Wacker die Bundesliga. Die zweite Liga wird in Österreich nicht geschätzt. Für Telfs ist ein Aufstieg in die zweite Liga unmöglich. Sportlich sind die Oberländer aber richtig gut drauf. Zu Beginn der Partie haben die Wackerfohlen noch toll mitgehalten. Sogar mit den besseren Möglichkeiten. Aber mit der Führung der Grün-Weißen aus Telfs haben die sich in einen Spielrausch gespielt. Deren 5:1 am Fuße der Hohen Munde war auch in dieser Höhe verdient. Aber irgendwann muss wegen Strapazen bei unseren Jungs ja mal die Luft draußen sein. Und Telfs war eine Nummer zu gut. Ex-Wacker Stürmer Julius Perstaller hat auch noch nichts verlernt. Beeindruckend was es in Emat alles zu konsumieren gibt. Einziger Wermutstropfen, dass bei vollem Haus ein einziger Kiosk nicht ausreicht. Aber manch ein Bundesligist wäre über eine derartige Begeisterung wahrlich froh.

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Rudolf Tilg Rudolf Tilg

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