Alfred HörtnaglAlfred Hörtnagl

Mit Willensstärke und Kampfgeist brachte es der Bub aus dem Tiroler Bergdorf Matrei zum Sportdirektor des SK Rapid. Der Beginn seiner erfolgreichen Fußballkarriere ist eng verknüpft mit dem Wirken Ernst Happel in Innsbruck. In 2 Teilen schildert uns Ali seine Zeit mit dem „Wödmasta".


Erinnern Sie sich noch, wie sie erfahren haben, dass Happel Tirol Trainer wird?


Ich erinnere mich, dass das eine Riesensensation war in Tirol für alle Beteiligten. Ich hab das am Anfang gar nicht glauben können, dachte an eine Zeitungsente. Aber er ist wirklich gekommen. Es war für die Spieler etwas absolut besonderes. Er hatte eine riesige Ausstrahlung, alleine als der Name gefallen ist. Was dann herausgekommen ist wissen wir, das ist bereits Geschichte. Es war etwas absolut besonderes und großartiges für alle, dass der große Ernst Happel zurück nach Tirol gekommen ist.

Manfred Linzmaier hat gesagt, Happel war„Österreichs einziges Bindeglied zur Weltklasse“.


Nicht nur das. Bei allen Stationen wo er war, Belgien, Holland, Deutschland vor allem, genießt er einen unglaublichen Ruf. Wenn Franz Beckenbauer den Hut zieht vor Happel, der ja auch sein Trainer war, sagt das schon sehr viel aus. Es gibt nur wenige Österreicher im Fußball, die so einen internationalen Respekt genießen.

Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung – war das beim Training?


Das war beim Training. Ich erinnere mich noch, das war recht lustig, ich hatte im Sommer eine Nasenscheidewandoperation gehabt. Da kriegst du eine Tamponade hinein. Du nuschelst, hast eine dicke Nase, kriegst keine Luft. Ich wollte eigentlich gar nicht hingehen zu dem Treffpunkt, bin aber dann doch hin. Das war meine erste Begegnung. Da hat er gesagt: „Was haben sie da mit deiner Nasen gemacht?“ Ich hab ihm das halt erklärt. Da sagt er: „Es wär gut, wenn sie dir das wieder aussenehmen, weil die Luft zum Atmen wirst schon noch brauchen“. Also eher lustig. Es war eine sehr angenehme Begegnung eigentlich. Nach dem Motto: „Junge, jetzt heißt es Gas geben“.

Spieler, die damals schon älter waren, beschreiben die Zeit unter Happel als ambivalent. Wie ein Terrorregime, bei dem man nie weiß, woran man ist.

Natürlich war es gerade im ersten Jahr sehr schwierig. Es war ein großer Kader da. Er hat sich alle Spieler selber angeschaut, wollte sich ein eigenes Bild machen von jedem einzelnen. Der eine oder andere musste dann gehen. Das war sicher knallhart, aber im Profigeschäft gibt es immer wieder Phasen, wo man schwierige Entscheidungen hinnehmen muss oder selbst trifft. Das erste Jahr war dann ja auch nicht erfolgreich. Aber was nachher herausgekommen ist wissen wir auch. Er hat dann die richtigen Leute dazu geholt. Es hat das Double gegeben, dann wieder Meister. Und es wäre in dieser Tonart weitergegangen, wenn nicht seine Krankheit dazwischen gekommen wäre. Dass er dann alles wieder auf Spur gebracht hat ist ohne Zweifel.

Ich kann nur aus der Sicht der jungen Spieler sprechen. Und da hat er so gehandelt, wie es viele normalerweise nicht machen. Er ist den schwierigen Weg gegangen und hat jungen Spielern, die Einstellung, Talent und den Biss hatten, eine Glasglocke drübergestellt. Die hat er geschützt und ist stattdessen immer wieder auf die Führungsspieler losgegangen, damit die ans Leistungslimit herangehen. Ich war ein Spieler, der Gas gegeben hat, der wollte, der Ziele hatte. Für mich hat es nur eines gegeben: Mich da durchzusetzen, durchzubeißen, den Durchbruch zu schaffen. Den Blick für Spieler hatte er, und Spieler wie ich hatten ein gutes Leben unter ihm.

Er hat es geschafft, dass der gesamte Kader hoch motiviert war, weil nie einer gewusst hat, wer spielt. Stars, Junge, Alte, ganz egal, die sind alle marschiert, dass es nur so geraschelt hat. Es konnte passieren, dass auch mal zwei, drei Stars auf der Tribüne hocken und ein Junger gespielt hat. Für mich als junger Spieler war das gewaltig, weil ich das Gefühl hatte, der setzt auf mich. Alleine, wenn ein Ernst Happel sagt, der Junge ist was, der passt und ist in Ordnung – das war eine unheimliche Motivation. Egal wo er war, er hat überall junge Spieler herausgebracht, in Belgien, Holland, Deutschland. Bei uns in Tirol: Michi Streiter, Baur, ich, Westerthaler – der war zwar schon älter – sogar Linzmaier hat noch einen Sprung gemacht vom Talent zum Führungsspieler.

Hätte Happel nach Bosman und dem Wegfall der Grenzen in Europa den Einbau junger Spieler noch derart forcieren können?

Den Zusammenhang zu Bosman kann ich nicht herstellen. Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Wenn jemand Talent und die richtige Einstellung gehabt hat, dann hat er das gefördert. Geschützt ist der falsche Begriff. Es sind auch Spieler durch den Rost gefallen, die es von der Einstellung nicht gebracht haben. Das heißt nicht, dass die jungen Spieler ein feines Leben gehabt haben, im Gegenteil. Nur: der Spieler hat gespürt, der setzt auf mich. Wenn ich Gas gebe, kriege ich meine Chance. Das war meine Erfahrung. Und da hat sich bis heute nichts geändert. Wenn ein junger Spieler die Einstellung, das Talent hat, und spürt, der Trainer setzt auf mich, ich kann auch mal Fehler machen, weil das dazu gehört… Auch bei Rapid gibt es im Moment vier, fünf junge Spieler, die zum Stamm der Mannschaft gehören.

Es liegt also am Trainer?

Natürlich, und welche Strategie ein Klub verfolgt. Bei Rapid haben wir jetzt eine Mischung aus jungen und routinierten, erfahrenen und auch internationalen Spielern. Das ist ein schöner Mix und der macht es aus.

Dieses Gespräch entstand im Zuge der Recherchen zur aktuellen Ausgabe des Ballesterer[fm]. Mit Alfred Hörtnagl sprachen Schotola Clemens und Spitaler Georg. Für die Fotos danken wir Radvanyi Stefan und www.picturedb.at .

 

 

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