Bürde der VerganenheitDen Start in die Saison, die mit dem hundertjährigen Vereinsbestehen zusammenfällt, hätten sich wohl alle anders vorgestellt und gewünscht. Nun sind vier Spiele absolviert und der FC Wacker Innsbruck hat die ersten drei Punkte hart erkämpft. Der erste kleine Schritt aus der Anfangskrise ist gelungen, jetzt heißt es keinen Millimeter nachgeben, in dieser Tonart weiter tun und mit der Unterstützung der treuen Fans wird es weiter bergauf gehen.

Erwartung, Träume und Realität

Zu Recht ist man in Innsbruck stolz auf die Vereinsgeschichte mit ihren Triumphen und schmückt sich als nur eines von drei Teams der Liga mit einem Stern, der für zehn Meistertitel steht. Doch damit verbunden ist auch eine enorme Erwartungshaltung. Nicht nur die Zahl 100 spielt aktuell eine gewichtige Rolle, sondern blickt man genauer auf den Verlauf der Vereinsgeschichte, geschieht ungefähr im Zehn-Jahres-Rhythmus immer etwas Spezielles: 1971 ist der erste Titel gelungen, 1981 der Wiederaufstieg in die oberste Spielklasse, Ende der 80 das Titel-Double und 2000 folgt der erste von drei aufeinanderfolgenden Titeln, die bekanntlich in die größte Krise mit dem Konkurs geführt haben.
Von diesen Höhenflügen und Tiefschlägen wird aber auch die Gegenwart geprägt. Einerseits möchten die Fans und der Verein an die glorreichen Zeiten anschließen, in denen es für das übrige Österreich im Westen häufig Niederlagen gegeben hat, andererseits ist seit 2002 ein langwieriger Prozess der Vertrauensbildung notwendig geworden. Mit der Auflösung des Vorgängervereins hat man „viel Porzellan zerschlagen“ und Zutrauen verspielt. Rasch wieder in der Bundesliga zurück, musste man aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen und vielleicht auch hohen Erwartungen sowie nicht eingehaltenen Versprechungen 2008 wieder den bitteren Gang eine Liga tiefer antreten. Ähnlich, wenn auch mit etwas mehr Unterstützung gesegnet, präsentiert sich die Gegenwart. Im dritten Bundesligajahr in Folge hat man noch keinen festen sportlichen Halt gefunden.

Bei den Kleinen geht es leichter

Noch ist überhaupt keine Entscheidung getroffen, denn für uns liegen noch 32 Runden, in denen die Chance gegeben ist, sich als Mannschaft stabiler, ausgeglichener, eingespielter und sicherer zu zeigen. Liest man die Zeitungen oder auch im Vereinsforum, könnte man meinen, alles sei schon verloren. Wo bleibt da der Optimismus? Wo jene Eigenschaft, die Schwarz-Grün immer ausgezeichnet hat – der Kampfgeist?
So mancher hat „Dorfvereine“, wie Mattersburg oder Ried schon belächelt, wobei ich die Bezeichnung keinesfalls abwertend meine. Diese beiden Beispiele zeigen, dass man auch mit nicht allzu riesigen Summen, das ist allerdings im heutigen Fußballgeschäft ohnehin relativ, doch einiges erreichen und bewegen kann. Allerdings kommt mir zumindest als Beobachter vor, dass in diesen Fällen einerseits ein Bundesland und andererseits eine Region hinter dem jeweiligen Projekt stehen. In den den Klubs angeschlossenen Akademien werden die Nachwuchstalente ausgebildet und gefördert, die kleinen und größeren Unternehmen stützen als Sponsoren die Vereine und die Infrastruktur wird kostengünstig samt optimalen Trainingsplätzen zur Verfügung gestellt. Für die Klubs ist es zum Beispiel möglich, durch das Catering im Stadion zusätzliches Geld zu verdienen. In Mattersburg soll dies sogar für 1/3 des Gesamtbudgets sogen. Ein Punkt, an dem man in Innsbruck schon seit zehn Jahren auf „olympisches Granit“ beißt. Auch verläuft die Außendarstellung sehr ruhig und unspektakulär. Seit Jahren wird gemeinsam an Zielen gearbeitet und langsam beginnt man die gesäten Früchte zu ernten. Beim jeweiligen Fußballverband erhalten die Klubs Unterstützung, die übrigen Vereine der Region arbeiten mit den Bundesligaklubs gut zusammen. Allerdings blicken diese beiden Klubs zwar auf eine ähnlich lange, aber keineswegs so von Höhenflügen und Tiefschlägen geprägte Geschichte zurück. Erleichtert auch das die tägliche Arbeit?

Gemeinsam stehen wir wieder auf

„Wenn man dich zu Boden reißt – doch wir stehen wieder auf“ – so heißt eine Zeile der Vereinshymne „Die Legende lebt“. Dieses Motto muss ganz einfach für alle gelten, die derzeit und auch künftig etwas mit dem FC Wacker Innsbruck zu tun haben. Negative Stimmungsmache verträgt sich eigentlich nicht mit der kämpferischen Geschichte des Vereins, der weit über die Tiroler Grenzen seine Anhängerschaft hat. Sowohl in der länger als auch in der kürzer zurückliegenden Vergangenheit hat man Fehler gemacht, ist in solche getappt und doch sind der Erfolg und das notwendige Glück immer wieder zurückgekehrt. Allerdings muss man dafür kämpfen, an einem Strang ziehen und gegebenenfalls dieses auch erzwingen. In der letzten Viertelstunde haben die Spieler gegen Mattersburg auch noch alles versucht, das Steuer herumzureißen und sind letztlich dafür belohnt worden.
Dabei darf kein Platz für persönliche Eitelkeiten und Befindlichkeiten sein. Jeder ist gefordert, sich voll und ganz in den Dienst des Vereins zu stellen und muss alle Anstrengungen unternehmen, Optimismus und Zusammenhalt zu verbreiten. Das beginnt mit dem Vorstand, dem Management, den Trainerteams, den Spielern aber auch dem Fußballverband und endet mit den Fans, Zuschauern und Sponsoren. Wenn alle diese Beteiligten hinter der lebenden Legende stehen und sie vorbildlich in der Öffentlichkeit vertreten, wird auch diese so schwierig beginnende Spielzeit einen erfreulichen und positiven Verlauf nehmen. Versucht man aber Keile in diese anzustrebende Einheit zu treiben, sein eigenes Süppchen zu kochen, ist untereinander zerstritten und ordnet den persönlichen Vorteil dem Wohl des Ganzen unter, dann wird man scheitern. Auch das haben die fast 100 Jahre FC Wacker Innsbruck bereits gezeigt.
„Wenn du fällst, kommst du drauf – immer wieder fangen Freunde dich auf!“ – Daher mein Appell an alle: Seid Freunde des schwarz-grünen Vereins und kommt zahlreicher ins Tivoli – er wird es euch danken!

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Heidi Roznovsky Heidi Roznovsky

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