b_350_1200_16777215_00_images_201213_Kommentare_kom_vor.jpgWie Nebelschwaden geisterten die Testspielergebnisse in den letzten Wochen durch das Land. Interpretationsspielraum gab es zu Genüge über das tatsächliche Leistungsvermögen jener Mannschaft, die nun den Verbleib in der Bundesliga sicherstellen soll. Jener luftleere Raum zwischen Trainingslagern, Gekicke auf hartgefrorenem Boden und dem ersten Pflichtspiel im neuen Jahr gibt jedem Hobby-Trainer Gelegenheit, über den tatsächlichen Entwicklungsstand seiner Lieblingsmannschaft zu philosophieren. Bei Vereinen wie dem FC Wacker Innsbruck zehrt er an den Nerven, ist doch die tatsächliche Unwissenheit ein Luxus, den sich wohl nur die Elite der Liga erlauben kann. Wenn hingegen das sportliche Überleben auf dem Spiel steht, bleiben Fakten die beste Medizin. Und diese sollten dem treuen Tivoli-Besucher eigentlich recht gut schmecken. Denn je näher der Frühjahrsstart an uns herantritt, umso deutlicher wird, dass der FC Wacker Innsbruck zum Beginn des Jahres 2013 wenig mit der Vorjahresmannschaft gemeinsam hat. Ist dies nicht ein Widerspruch, wenn die meisten Köpfe schon im Herbst im schwarz-grünen Dress steckten?



Keine Zeit für Pessimismus

Viel Bewegung über den Winter hat niemand im Umfeld des Tiroler Traditionsvereins erwartet. Zu wenig ließ das Budget zu und verdonnerte so Verantwortliche und Spieler mehr mit sich selbst zu beschäftigen. Was auf den ersten Blick als Zeugnis von Handlungsunfähigkeit ausgelegt wird, könnte sich in den nächsten Monaten als Schlüssel zum Erfolg erweisen. Denn genau jene Fokussierung auf den Bestand der Mannschaft setzte einen Veränderungsprozess in Gang, den die viele von uns in diesem Ausmaß nicht wahrgenommen hatten. Das schwarz-grüne Formpendel zeigte in den letzten Spielen deutlich nach oben und ließ das Jahr 2012 mit einem positiven Abschluss in Erinnerung. Allein das ist wichtig, denn die anderen Mannschaften sind erst im Laufe der Saison in den Tabellenkeller hineingerutscht – der FC Wacker Innsbruck war schon immer ganz unten. Und schaut man sich die letzten 12 Jahre an, wird man sehen, dass sämtliche Abstiegskandidaten, die im Winter nocheinmal richtig groß investiert haben, nicht nur am Ende doch abgestiegen sind, sondern damit auch gleich in den finanziellen Untergang schlitterten.

Das Erbe des Walter Kogler

Die Bilder des Spätsommers sind noch allen klar im Gedächtnis. Kühl ist es schon damals gewesen, außerhalb und innerhalb der Kabine. Eine Tiroler Bundesligamannschaft eilte von Niederlage zu Niederlage, bekannte sich zu einer Verkettung von unglücklichen Umständen. Sprach man dem Team zunächst nur das Glück ab, folgten im zweiten Saisonviertel auch noch der Wille und zum Schluss das Können. Obwohl eine körperlich intakte Mannschaft auf dem Feld stand, vermochte sie nicht das umzusetzen, was sie schon so oft zeigte. Das Ende dieser Entwicklung, die sich uns allen so hart eingebrannt zu haben scheint, bildete jedoch erst den Anfang. Vorhersehen konnte das im Oktober noch fast niemand. Die einzigen, die geahnt haben, welch ein Weg noch vor uns liegen könnte, waren einige Schaulustige auf den Tivoli-Nebenplätzen und nicht zuletzt Werner Löberbauer. Was sie alle gemeinsam haben? Sie waren am 10. Oktober 2012 anwesend, als unsere Mannschaft zum ersten Mal ohne Kärntner Aufsicht trainieren durfte. Roland Kirchler, der sich ohne Berührungsängste auf das Abenteuer des Profi-Coach-Seins einließ, musste zunächst innerhalb des Teams elementare Regeln der Kommunikation reaktivieren. Zunächst hatte der Dialog Vorrang vor der Weiterentwicklung der Mannschaft: Für die Implementierung seines eigenen Trainerstils blieb zunächst weder die Zeit noch Gelegenheit. Wie wichtig jene Phase der Öffnung war, bewiesen die Ergebnisse, die dem Wandel auf der Trainerbank folgten.

Kommunikation als Grundpfeiler

Mit jenem minimalistischen Ansatz, den Kontakt mit dem Gegenüber bewusst zu suchen, begann Roland Kirchler seine Arbeit am Tivoli. Er bildete damit den Bodensatz für die Arbeit im Winter. Monate sind nun vergangen, Wunden geheilt und eine neue Kultur des Miteinanders hat Einzug gehalten. Der Spaß am Fußball kehrte zurück, vom Feld auf die Tribüne und umgekehrt. Nun konnte Phase Zwei der Trendumkehr erfolgen: Das Setzen neuer Akzente im Spielsystem der Mannschaft. Aus den bisher gesehenen Spielminuten Schlüsse zu ziehen, käme verfrüht. Klar dürfte nur sein: An Qualität eingebüßt hat niemand. Und jene wenigen neuen Gesichter, die heuer mit auf dem Trainingsplatz stehen, leisten ihren Beitrag, damit es ausgewogener innerhalb des schwarz-grünen Trosses zugeht.

Veränderung durch Kontinuität

Die Presse forderte frisches Blut und bekam es, obwohl öffentliche Lieblinge wie ein Boris Prokopic (kann in Altach nach einer Arthroskopie frühestens in einem Monat spielen) oder ein David Poljanec (in Paderborn aussortiert) einen großen Bogen um die Tiroler Landeshauptstadt machten. Glücklicherweise möchte man fast meinen, denn das Mannschaftsgefüge blieb unangetastet und profitiert nun von Kontinuität, für die nicht zuletzt das Vertrauen Kirchlers die Grundlage bildete. Die drei Rückkehrer Lukas Hinterseer, Thomas Löffler und Sebastian Siller hatten umso geringere Integrationsprobleme. Jeder für sich bringt Qualitäten ein, die für den Kampf um die Bundesliga noch sehr wichtig sein werden. Lukas Hinterseer spielte bei der Vienna selten auf seiner Lieblingsposition ganz vorn – der Zwang der Improvisation verlieh seinem Spiel mehr Reife und Mannschaftsdienlichkeit. Das kann Schwarz-Grün nur zu Gute kommen, zumal sich die Elf von Alfred Tatar in der Ersten Liga in einer ähnlichen Position befindet wie der FC Wacker Innsbruck. Der Wille Thomas Löfflers ist beispielhaft für die gesamte Mannschaft. Mehrmals durch schwere Verletzungen zurückgeworfen, hat er seinen Traum vom Profifußball nie aus den Augen verloren und unter Beweis gestellt, was möglich ist, wenn man an sich glaubt: Der Stammplatz für Thomas Bergmann wird nicht in Stein gemeißelt bleiben. Sebastian Siller mit seinem ausgeprägten Gespür für konsequente Abwehrarbeit ohne Allüren kann seine Karten ganz hinten richtig ausspielen und sich in Position für die Svejnoha-Nachfolge bringen. Vielleicht sogar noch in dieser Spielzeit.

Was wird bleiben?

Die Überzeugung sitzt tief, dass dieser FC Wacker Innsbruck 2013 besser aufgestellt ist, als viele meinen. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde ein roter Faden in der Mannschaftsentwicklung sichtbar: Wo erforderlich, wurden beispielsweise mit Roman Wallner und Roland Kirchler an entscheidenden Positionen Leistungsträger verpflichtet und ein finanzielles Risiko eingegangen. Ergänzend kamen Spieler hinzu, die in das Kollektiv passen und sich gegenseitig antreiben. Das Niveau ist logischerweise nicht dort, wo sich die Wiener Großklubs aufhalten: Für die österreichische Erstklassigkeit sollte es aber allemal reichen. Dies offen aussprechen zu können, ist allein schon ein großer Fortschritt. Dass dieser dem Umstand der (finanziellen) Alternativlosigkeit geschuldet ist, vermag zwar irritierend wirken, aber womöglich findet der FC Wacker Innsbruck genau in diesen schwierigen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen sein Glück: Den Klassenerhalt im Jubiläumsjahr.

 

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Sebastian Kollemann Sebastian Kollemann

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