wetten dassDer Verlierer heißt Fußballsport. Ganz klar. Spätestens seit der Anzeige von Dominique Taboga und der Festnahme des Ex-Nationalspielers Sanel Kuljic ist man sich wieder bewusst, dass Spielmanipulation kein Fremdwort im österreichischen Fußball ist. Welches Gefühl steigt in mir auf? Bin ich enttäuscht? Oder überrascht? Keines von beiden. Eher resigniert. So als ob die Wirklichkeit einen einholt und man etwas erkennt, was man schon lange ahnte.


Wie soll man damit umgehen? Prinzipiell darf man nicht alle über einen Kamm scheren. Fußball ist eine Sportart die auf der ganzen Welt ausgeübt wird. Bei einer Schafherde von mehreren Millionen Stück, kann es schon passieren, dass ein schwarzes Schaf darunter ist. Das kann es auf Seiten der Schiedsrichter geben, der Verantwortlichen, Spieler und Trainer. Hat es in der Vergangenheit auch schon gegeben. Eben Ausnahmen. Sagen die Optimisten.

Manipulationen gibt es schon lange, es ist keine moderne Erscheinung. Wir schreiben das Jahr 1919, in der Major-League-Baseball, stehen die World Series auf dem Programm, in der der Baseballmeister der USA ermitttelt wird. Die Chicago White Sox treffen auf die Cincinnati Reds. Das Team aus Chicago ist der Favorit, aber Cincinnati gewinnt die Serie 5 zu 3. Das Sportliche wurde allerdings in den Schatten gestellt, als bekannt wurde, dass acht Spieler der White Sox die Finalspiele manipuliert hatten, um ihr Gehalt etwas aufzubessern. Der große Bundesligaskandal in den 70ern in Deutschland, wo wegen mainpulierter Spiele gleich 52 Spieler, 2 Trainer und sechs Vereinsfunktionäre bestraft wurden, dürfte auch noch einigen in Erinnerung sein. Sowie der italienische Schiedsrichter-Skandal, in dem 2006 aufgedeckt wurde wie Spiele durch die "Unparteiischen" manipuliert wurden. Dabei blieb es aber nicht, denn wenige Jahre später hat ausgerechnet ein Wettanbieter aufgezeigt, dass auch etliche Spieler der Serie A und B in Spielmanipulationen verstrickt waren.

Wie reagiert eigentlich die FIFA, der Weltfußballverband? Mit einer Null Toleranz Strategie. In einem Interview sagte Sepp Blatter, der Präsident des Weltfussballverbandes, „Spielmanipulationen sind der Teufel im Fußball.“ Und weiter: „ Alle die darin verwickelt sind, sollten lebenslang gesperrt werden.“ Ist es so einfach? In Österreich wurde 2012 von ÖFB und Bundesliga der „Fair Play Code“ gegründet. Ein Verein, der den aktuellen Spielern in Schulungsprogrammen zeigen soll, dass Spielmanipulation kein Kavaliersdelikt ist. Wie bei allen Profiklubs Österreichs, gab es auch beim FC Wacker Innsbruck zu Beginn der Saison so eine Veranstaltung. Nach der Sperre von Mario Majstorovic und der Aussage von Dominique Taboga sind kleine Schritte in eine Richtung gesetzt. Wahrscheinlich ist es nur die Spitze eines Eisbergs.

Geld regiert auch die Sportwelt. Fußball und Fußballer brauchen Geld zum Leben und zum Überleben. Wettanbieter bieten inzwischen die Möglichkeit immer und überall auf alles mögliche ihr Geld zu setzen. Längst sind Wettanbieter auf Teamtrikots oder im Stadion an Werbetafeln zu sehen. Auch bei Liveübertragungen werden im österreichischen Fernsehen Werbungen von Wettanbietern geschalten. Die Fußballspiele und die dazugehörigen Wetten und Wetteinsätze werden weltweit überprüft und beobachtet. Das Geschäft mit dem Wetten floriert.

Sturm Graz muss unbedingt gewinnen um Meister zu werden, der gegnerische Verteidiger geht aus unerfindlichen Gründen mit der Hand zum Ball - Elfmeter. Wacker Innsbruck drehte das Spiel in Wolfsberg in sechs Minuten. Deutschland führte zur Pause 3:0 gegen Schweden, ehe die Skandinavier in der zweiten Halbzeit noch ein 4:4 erkämpften. David gegen Goliath Siege, Überraschungen, Tore und Triumpfe, das sind die Dinge, die den Fußball ausmachen. Die man als Fan erleben möchte. Doch wie sieht es aus, wenn man sich bei jedem katastrophalen Rückpass, verschossenem Elfmeter, vergebenen „Hunderterchance“ fragen muss, ob da mehr dahinter steckt als nur Pech. Jeder Pfiff des Schiedsrichters wird noch mehr auf die Goldwaage gelegt. Gerade in Tagen, wo mancher Orts Phantomtore fallen. Wo technische Hilfsmittel diskutiert werden. Was nützen die jedoch, das Spiel bleibt weiterhin manipulierbar. Wer will, findet auch da Mittel und Wege.

Jede Woche eilt man ins Stadion um die eigene Mannschaft zu sehen und zu unterstützen. Doch wer würde noch ins Stadion gehen, wenn man bereits wüsste, dass die Heimmannschaft 3:0 gewinnt? Immer mehr Leute würden das Interesse verlieren. Der Fußball erlebt angespannte Zeiten. Das Gefühl bleibt, dass der Höhepunkt dieser Phase noch nicht erreicht ist. Und am Ende ist dann der Fußball der große Verlierer.

 

 

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