b_350_1200_16777215_00_images_201819_Fanleben_fv_parla.jpgFußball wurde früher gemeinhin als Sport des „kleinen Mannes“ bezeichnet, auch wenn sich das schon damals wohl nicht bewahrheitet hat. Fußball wird auch von der Politik beeinflusst, wenn man sich beispielsweise an die 24 Millionen Euro Subventionen für Rapid oder Austria erinnert, die in die Errichtung von Stadien und Akademien geflossen sind. Dass jedoch die Politik zu Vorgängen rund um Fußballspiele befragt wird und dabei auch noch kritisch, das ist selten - aber doch der Fall. Der Besuch der Innsbrucker Fanszene des Spieles SK Rapid Wien gegen FC Wacker Innsbruck hat dies möglich gemacht.



Rekapitulieren der Ereignisse

Um die anschließende Anfrage an den Bundesinnenminister besser verstehen zu können, wollen wir die Geschehnisse noch einmal kurz aufrollen. Das tivoli12 magazin berichtete: Wie man in Hütteldorf mit seinen Gästen umgeht
Bekanntermaßen ging es für die Anhänger des FC Wacker Innsbruck Ende September mit dem Zug nach Wien Hauptbahnhof und dort mittels zweier Sonder-U-Bahnen vom Hauptbahnhof nach Ober St. Veit. Von dort aus dann über zwei Straßenzüge zum Gästesektor des Stadions von Rapid Wien. Kurz vor dem Gästesektor wurde dann versucht eine Person aus der Menge zu ziehen, die sich nichts zu Schulden kommen hat lassen. Pyrotechnische Gegenstände oder sonstiges wurde in der kurzen Zeit nicht verwendet, da für jede anwesende Person der Besuch des Spieles klar im Mittelpunkt stand. Am Auswärtssektor angelangt, eine Stunde vor offiziellen Spielbeginn, wurde überraschenderweise den Gästefans der Zugang verwehrt bzw. begannen willkürliche Schikanen. Hier sei auf die Aussendung der Faninitiative Innsbruck verwiesen, die folgendermaßen berichtete: „Daraufhin trat der Ordnerdienst des Heimvereins auf den Plan. Komplett unbedenkliche Zaunfahnen die seit Jahren bei jedem Spiel dabei sind, mussten erst von 4 verschiedenen Personen abgesegnet werden, ehe man sich damit wieder ganz hinten in der Reihe anstellen durfte. Dieses schikanöse Vorgehen schien mit der anwesenden Polizei abgestimmt, so geschah nichts ohne die prüfenden Augen mehrerer Beamter. Den Höhepunkt bildete ein Spruchband, das trotz mehrmaliger Intervention auch von szenekundigen Beamten, vom Verein ohne Angabe von Gründen verboten wurde. All dies führte dazu, dass die letzten Auswärtsfans erst über 30 Minuten nach Spielbeginn die Kontrollen bis auf die Unterwäsche hinter sich gebracht hatten.“ Doch es gab für andere Fans dann noch folgende Worte zu hören: “Nach dem Verlassen des Sektors wurden die AnhängerInnen bereits von offensichtlich übermotivierten Beamten erwartet. „Ihr Woamen ghört zammghaut!“, ist nur ein Beispiel für den homophoben Sprachgebrauch der Cops an diesem Nachmittag.“ Diese Vorfälle bzw. die Aussendung der Faninitiative Innsbruck fand dann auch Platz in den digitalen und Printmedien, vor allem, da ein kurzer Protest im Stadion erfolgte und eine anschließende, frühzeitige Abreise aus Wien.

Anfrage an Innenminister

Für viele Fans des FC Wacker Innsbruck war diese Schikane nicht die erste, wenn man in Hütteldorf zu Gast war. Daher verwunderte es auch nicht, dass sich viele Fans zwar über die Geschehnisse empörten und sich auf gut deutsch „verarscht“ fühlten. Dass es weitere Auswirkungen hatte, überraschte dann doch. Rund einen Monat nach den Vorkommnissen wurde nämlich eine schriftliche Anfrage durch einige Parlamentarier an den zuständigen Innenminister im „Hohen Haus“ eingereicht. So wurden im ersten Antrag („Wacker Innsbruck-Fans als willkommene „Trainingspartner“ einer Einsatzeinheit der Wiener Polizei?“) vor allem Fragen dazu, ob es stimmt, dass der Ordnerdienst auf Anweisung der Polizei die Dursuchung der Fans in die Länge gezogen habe und Transparente, die laut Faninitiative Innsbruck seit vielen Jahren bei jedem Spiel präsentiert werden, untersagt hätte, gestellt. Auch zur Rolle des Sprechers der Wiener Polizei, der zuerst von einem „gelungenen Einsatz“ sprach, dann doch etwas anderes verlautbarte, wird gefragt. Ob der Einsatz für den Leiter Konsequenzen habe werde bzw. welchen Sinn es macht, Szenekundige Beamte zu haben, wenn deren Expertise nicht gefragt ist, wurde in dieser Anfrage weiters aufgeworfen.
Eine ebenso weitere Anfrage wurde unter dem Titel „Besuch des Herrn Vizekanzler in der Einsatzzentrale der Polizei beim Spiel SK Rapid Wien gegen FC Wacker Innsbruck am 26.08.“ gestellt, die sich mit der Frage beschäftigt, wieso ein fachfremder Minister sich in der Einsatzzentrale der Polizei sehen lässt und ob der Herr Vizekanzler den Einsatz als gerechtfertigt ansieht. Denn, es machte dann schnell das Gerücht die Runde, dass man wohl dem Vizekanzler zeigen wollte, was man so alles bewerkstelligen kann.

Beantwortung ist da

Beantwortet werden konnten diese Fragen bis 26.11.2018 und war dann auch an diesem Tage öffentlich einsehbar.
Die erste unterschiedliche Wahrnehmung gibt es bei der Beantwortung der Frage nach dem Einsatzbefehl. Hier wird von Herbert Kickl argumentiert, dass geplant gewesen wäre „die Gästefans nach dem Verlassen des Bahnhofsgebäudes in Hütteldorf gesammelt und unter polizeilicher Begleitung sicher zum Stadion zu bringen“. Dies verwundert insbesondere, da die Züge mittlerweile nicht mehr am Hütteldorfer Hauptbahnhof stehen bleiben, sondern am Bahnhof Meidling und dann am Hauptbahnhof. Auch die Sonder-U-Bahn wurde nicht bis Hütteldorf geführt, sondern die Innsbruck Fans an der U-Bahn-Station „Ober St. Veit“ hinausgelassen und dann über abgesperrte Straßen zum Stadion geleitet.

In der nächsten Beantwortung wird von Herbert Kickl auf die Frage nach der Stellungnahme des Einsatzleiters, der bekanntermaßen zuerst von einem gelungenen Einsatz gesprochen hat und dann aufgrund der medialen Berichterstattung nichts mehr sagen wollte, geantwortet und dabei einige merkwürdige Vorwürfe gemacht. Laut Innenminister Kickl „Das – medial und auch in der Präambel zur gegenständlichen Anfrage – dargestellte Verhalten steht im Widerspruch zu der umfassenden Einsatzdokumentation der Landespolizeidirektion Wien“. Auch der folgende Vorwurf ist wohl, für jeden der damals anwesenden Fans eine Verhöhnung sondergleichen. Laut Beantwortung der Anfrage soll es sich nämlich folgendermaßen zugetragen haben: “dass die Anreiseroute der Innsbruck - Fans, entgegen der im Vorfeld getroffenen Absprachen, geändert wurde. Deshalb kam es zu einer Verzögerung bei der Anreise zum Stadion mit dem offensichtlichen Zweck, die Verantwortlichen unter Druck zu setzen, um die Intensität und Dauer der Durchsuchungen zu verringern. Diese Taktik der Innsbruck- Fans wurde in der Vergangenheit österreichweit bereits mehrmals angewendet.“ Leider sind Nachfragen in einer schriftlichen Beantwortung nicht möglich.

Folgende Fragen wären natürlich interessant gewesen vom Innenminister Kickl beantworten zu lassen:

- Inwiefern die angereisten Innsbruck Fans dafür schuldig gemacht werden können, dass die ÖBB eine Verspätung von 45 Minuten gehabt hat?

- Inwiefern man die Anreise verzögert, obwohl man deutlich näher beim Stadion von Rapid Wien aussteigt als ursprünglich geplant (Anmerkung: zuerst war ein Ausstieg am Hauptbahnhof geplant, dann wurde es ein Ausstieg in Wien Meidling)?

- Inwiefern es eine Verzögerungstaktik der Innsbruck Fans ist, wenn man eine Stunde vor Spiel am Eingang steht und die Polizei erst 15 Minuten vor Spiel die Durchsuchungen beginnen lässt?

Weiter wird ausgeführt, dass „Die Beschimpfung eines namentlich nicht bekannten Fans durch einen leitenden Exekutivbediensteten, welche jedoch keinesfalls dem dargestellten Wortlaut entspricht“, dies verwundert in dem Sinne als, dass in einem persönlichen Gespräch sowohl der betroffene Fan als auch Leute, die zu diesem Zeitpunkt in der Nähe standen anderes aussagten. Eine Audiodatei wurde dem Autor dieser Zeilen, auf denen man besagte Worte vernimmt, noch im Zug nach Innsbruck vorgespielt. Innenminister Kickl meint zwar, dass an Ort und Stelle korrigierende Maßnahmen gesetzt wurden. Ob dies die gesetzlich vorgegebene Abgabe der Dienstnummer ist oder eine andere Maßnahme, entzieht sich leider der Kenntnis. Hier kann man auf das Statement der Faninitiative Innsbruck verweisen, die ja festgestellt hat, dass „Die Gefahr einer Gegenanzeige inklusive Beschuldigungen bis hin zur schweren Körperverletzung einerseits, oder die zu erwartende Abreibung wenn das nächste Mal niemand hinschaut andererseits ist uns ein mit höchster Wahrscheinlichkeit eingestelltes Verfahren dann doch nicht wert. Wer daran zweifelt, möge sich die Diskrepanz zwischen Anzeigen im Zusammenhang mit Polizeigewalt und Verurteilungen zu Gemüte führen.
Für die Faninitiative Innsbruck ist der Glaube an Konsequenzen für die Verantwortlichen gering, zu sehr erschweren der Corpsgeist innerhalb der Staatsmacht und dessen Deckung durch die Politik eine unvoreingenommene Aufarbeitung der Geschehnisse.“

Die Anfrage an den Vizekanzler Strache kann damit zusammengefasst werden, dass entweder mit „Ja“, „Nein“ oder „hat nichts mit der Anfrage zu tun“ geantwortet wurde.

Fazit und Reaktionen

Liest man sich das Statement von Innenminister Kickl durch, meint man wohl, es sei im Grunde nichts passiert. Für die betroffenen Fans stand am Ende des Tages ein verpasstes Spiel und die Erkenntnis, dass man wohl in Wien nicht willkommen ist. Oder um es mit den Worten des Anfragestellers zu sagen: „Bedauerlicherweise leisten solche polizeilichen Einsätze den Bemühungen der Vereine und der Liga um steigende Zuschauerzahlen einen Bärendienst, da ein angenehmer, freudvoller und stimmungsorientierter Besuch von Auswärtsspielen de facto verunmöglicht wird.“

Dass jedoch der Wind für alle Fangruppen in Österreich rauer geworden ist, zeigt dieses Verhalten nachdrücklich. Übrigens wurden Fans von Blau-Weiß Linz beim Spiel gegen die Young Violets in der Generali Arena ähnlich homophob beleidigt und auch die Aktion gegen die Rapid-Fans am vergangenen Sonntag passen ins Bild.

Dass beide angesprochenen Politiker Mitte September ein „Sicherheitssymposium“ initiiert haben, indem es um das Thema „Pyrotechnik“ gegangen ist, wurde auch in der Oktober Ausgabe des Ballesterer („99 Jahre Vorwärts Steyr“) behandelt. Beide Politiker sind demnach keine Freunde von Pyrotechnik. Innenminister Kickl ließ ja schon zu Beginn seiner Amtszeit, gemeinsam mit Karl Mahrer, ein Ende der legalen Möglichkeiten Pyrotechnik verwenden zu dürfen, verlautbaren. Dass es noch nicht dazu gekommen ist, ist wohl unter anderem dem Veto der Bundesliga zu verdanken.

 

Der FC Wacker Innsbruck teilte mit, dass man Zitat „politische Kommunikation, politische Kommunikation“ sein lassen wolle und sich zu den Ereignissen nicht mehr äußern will. Dass sich die FCW-Fans aber auch seitens des Vereins klare Worte und Taten erhoffen (vgl. Rapids Reaktion auf die Vorkommnisse vom vergangenen Sonntag) ist aber klar. Bei der Faninitiative Innsbruck wurde um eine Stellungnahme angefragt, bis zum Erscheinen dieses Artikels wurde jedoch nicht geantwortet.

Quellen:
Die gesamte Stellungnahme der Faninitiative Innsbruck ist unter folgender Adresse zu finden:
http://faninitiative.at/index.php/2018/08/28/stellungnahme-der-faninitiative-innsbruck-zu-den-geschehnissen-beim-bundesligaspiel-des-fc-wacker-innsbruck-gegen-rapid-wien-am-26-august-2018/

Die gesamte Anfrage an den Innenminister unter dem Titel „Wacker Innsbruck-Fans als willkommene „Trainingspartner“ einer Einsatzeinheit der Wiener Polizei?“ kann hier abgerufen werden:
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/J/J_01757/index.shtml

Beantwortung der Anfrage durch den Innenminister:
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/AB/AB_01788/imfname_723584.pdf

Die gesamte Anfrage an den Vizekanzler unter dem Titel „Besuch des Herrn Vizekanzler in der Einsatzzentrale der Polizei beim Spiel SK Rapid Wien gegen FC Wacker Innsbruck am 26.08.“ kann hier eingesehen werden:
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/J/J_01756/index.shtml

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Alexander Riedling Alexander Riedling

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