b_350_1200_16777215_00_images_201819_abergeil.jpgNun ist es wieder soweit, das wackere Universum wird, wie in seiner Geschichte schon so oft, aus den Angeln gehoben. Rundum wird alles hinterfragt, es werden medial wie auch an diversen Stammtischen Schuldige gesucht und meist vordergründig schnell gefunden. Was ist neu daran? Nichts. Immer wenn der FCW zur sportlichen Talfahrt ansetzt, ist alles schlecht und da in den letzten Jahren die Hiobsmeldungen zur Gewohnheit wurden, ist die Anzahl der Leidenden über die Jahre immer geringer geworden.

 

Am Sonntagvormittag, wenige Stunden nach der neuerlichen Stunde 0, war ich auf einem Fussballplatz in der Innsbrucker Peripherie bei einem Nachwuchsspiel. Da die dort Anwesenden meine Nähe zu Wacker nicht kannten, war es ein leichtes sich ein Stimmungsbild zu machen. Was ich dort zu hören bekam, ließ mich die nächsten Stunden an vielem zweifeln und es tat weh. Während Wattens mit seiner Präsidentin in den Himmel gelobt wurde und die glorreichen FCW Zeiten sowieso nur Gernot Langes zugesprochen wurden, war der unbändige Hass auf unseren Verein kaum zu ertragen. Von Häme bis blankem Hass war alles dabei.

Dafür gibt es einige Erklärungsmodelle, wie die großteils negative mediale Berichterstattung, die wiederkehrenden finanziellen Engpässe und eben vor allem die angeblich chronische Erfolgslosigkeit. Dass davon vieles natürlich jeder Grundlage entbehrt ist eine andere Geschichte. Erfolg ist schließlich eine Definitionssache und wird nicht ausschließlich an Meistertiteln gemessen. Aber daran hat es auch in den letzten Jahren beim FCW nicht gemangelt. Man schaue sich nur das sportliche Abschneiden aller schwarz-grünen Teams an, die trotz suboptimaler Trainingsinfrastruktur starke Leistungen und Ergebnisse einfahren. Ein Blick auf die Saison 2018/19 alleine sollte da schon genügen. Vier Meistertitel im Erwachsenenfußball (FCW, FCW III, FCW-Damen, FCW-Damen II) und etliche Titel im Nachwuchs stehen da zu Buche. Von den fünf Aufsteigern im Erwachsenenfußball haben es heuer nur die Profis nicht geschafft die Klasse zu halten. Alle anderen haben das sportlich souverän gemacht und FCW III wird auch heuer wieder Meister. 

Aber zurück zum Thema: Erfolg macht sexy - stimmt. RB Salzburg ist erfolgreich und hat auch einiges an Zuschauern. Auch in unseren Gefilden gibt es Leute, denen das Konzept und auch die Erfolge so richtig taugen. Da können wir aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht mithalten. Brauchen wir auch nicht, denn zum Konzept RB gibt es auch den Konterpart: ein Verein der sportlich seit Ewigkeiten "herumdümpelt", aber einen absoluten Kultfaktor besitzt: Der FC St. Pauli. Für ihn könnte gelten: Erfolglos aber geil!

Beim FCW sollte man sich ein Beispiel an dem Kultverein nehmen. Natürlich handelt es sich um einen Fussballverein und es wird auch Fussball gespielt. Aber St. Pauli schaffte es ein Lebensgefühl zu vermitteln. Es ist geil auf der Tribüne zu stehen und das Erlebnis Kurve zu inhalieren. Wenns esnicht gerade gegen den HSV geht, ist das Ergebnis nicht das zentral Entscheidende. Die Hamburger haben es geschafft, ihren eigenen Lifestyle zur kreieren. Die Golden Members sind dort die „ehrenwerte Gesellschaft“, der VIP-Logen die „Separees“ und der Nachwuchs sind die „Rabauken“. Dazu gibt man den Fans Platz in und um das Stadion: Mit dem Fanräume e.V. und dem Fanladen St. Pauli hat sich ein Sozial- und Kulturbetrieb um den Fussballverein etabliert. Fanarbeit, gemeinsame Aktivitäten usw. stehen auf dem Program. Der Verein ist leb- und erlebbar. Jeder kann mitmachen, jeder ist eingeladen, jeder kann sich einbringen. Nicht Konsument, wie vielen anderen Vereinen, sondern es geht darum ein Lebensgefühl zu vermitteln. Für reine Konsumenten wird der FCW niemals der passende Verein sein, die sind knapp 200 km weiter östlich besser aufgehoben. Wir müssen es wieder schaffen, das Erlebnis Wacker Innsbruck zu verankern.

Natürlich ist es legitim zu sagen, dass man der Tiroler Traditionsverein, der Verein für alle Tiroler ist. Das ist ja ohnehin klar. Aber um seine Marke zu schärfen braucht man ein Profil. Ein Profil wird aber niemals alle ansprechen können. Ein Profil muss abgrenzen und in seinen Grenzen gedeihen. Wenn ich auf allen Hochzeiten tanzen will, wird mir keine wirklich gefallen. Also kann der Weg nur sein, der FC Wacker Innsbruck zu sein und sein Profil zu leben, es zu inhalieren, es weiterzugeben - kurz für die gewünschte Zielgruppe „geil“ zu werden oder zu sein.

Für einen solchen Weg wären aber zwei wichtige Säulen unverzichtbar: Definition des Profils und die kompromisslose Umsetzung. Wer den Weg mitgehen will, ist willkommen, wer sich einbringen will auch, wer aber dagegen agiert, wer nur kritisiert, der sollte dafür auch die Konsequenz tragen müssen. Sei es medial oder aber auch ganz banal bei den vereinseigenen Medien. Masse ist gut, keine Frage, aber das ist noch lange kein Grund, sich wie der Watschenmann im Prater zu verhalten. Die ewigen Kompromisse und Verwässerungen der Marke hatten in den letzten Jahren keinen Erfolg. Es gab zwar den Beginn der Markenbildung im Markengrundbuch, doch haben sich die handelnden Personen nie an dieses gehalten und es anstatt mit Leben zu erfüllen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln binnen kürzester Zeit auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt.

2007 bei der Umbenennung zum FC Wacker Innsbruck kam das Gefühl "Wacker ist geil" auf. Man braucht sich nur an die fanbasierte Errichtung des Wackerladens erinnern. In dieser Phase kam letztmals eine Euphorie auch abseits des Rasens auf. Es wird Zeit, Zeit für ein Profil, Zeit dafür geil zu sein, auch vermeintlich ohne Erfolg und Wacker wieder erlebbar zu machen. Das geht nicht von oben drübergestülpt, sondern es muss von unten kommen. Von der Basis bis zum Vorstand braucht es einen Schulterschluss, eine Vision und die muss kompormisslos ins Land getragen werden. Wer mitgeht, der hats geil, wer das nicht will, soll sich schleichen.

Hinweis / Autor

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.

Michael Fritz Michael Fritz

Wollte nie viel schreiben, wie man sich täuschen kann.....

Artikel bisher gesamt: 451

Kommentare geben die persönliche Meinung des Autors wieder und müssen nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.