MitgliederinitiativeMitgliederinitiative wirbt für Änderung der Rahmenbedingungen beim FC Wacker Innsbruck

Zum zweiten Mal in seiner Geschichte nach seiner Neugründung im Jahr 2002 wird der FC Wacker Innsbruck höchstwahrscheinlich den schweren Gang in die „Heute für Morgen" Erste Liga antreten müssen.

Viele Vereinsmitglieder erleben das Schicksal des Tiroler Traditionsvereins seit Jahrzehnten mit. Ihre Ideen, ihre Erfahrung und ihre Leidenschaft sind Potenziale, die bisher oftmals ungenutzt blieben. Unsere Initiative möchte das ändern und stellt offen die Frage:

 

Wieso klafft eine solche große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

In all den Jahren, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, erlebten wir das kurze Aufflackern von Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Überwiegend mussten wir uns jedoch mit Mangelwirtschaft sowie sportlicher und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit auseinandersetzen.

Wir sind nun an einem Punkt unserer Geschichte angekommen, an dem wir nicht mehr zuschauen können und erheben daher als Mitglieder des FC Wacker Innsbruck unsere Stimme.

Wir möchten endlich mitwirken, unserem Verein eine gesunde, nachhaltige Basis zu verschaffen und stellen zunächst die folgenden Fragen:

Wo gab es in den vergangenen 12 Jahren die größten Veränderungen?

• Im Vorstand (Verschleiß von 4 Obmännern bzw. Präsidenten und mehr als 20 Vorstandsmitgliedern)
• In der Geschäftsstelle (Verschleiß von mehr als 20 Mitarbeitern in 12 Jahren)
• Auf der Betreuerbank (Verschleiß von 10 Trainern in 12 Jahren)
• In der Führungsetage der GS (Laufender Austausch und Neubesetzung von Sportdirektoren, Sportkoordinatoren, Geschäftsführern oder Sportmanagern aufgrund von Geldmangel oder politisch gewollten Neuausrichtungen)

Was war uns in den vergangenen 12 Jahren ein ständiger Begleiter?

• Mangelnde Eigenverantwortung der Entscheidungsträger im Verein
• Kompetenzstreit in Nachwuchsfragen mit dem Tiroler Fußballverband
• Eine Akademie, die aus einem einzigen Fußballplatz mit angeschlossenen Umkleidekabinen besteht
• Eine fehlende Spitzensportförderung, die Nachhaltigkeit als Hauptkriterium zum Ziel hat
• Die im Bundesländervergleich höchsten Veranstaltungskosten (Sicherheitsauflagen, Blaulichtorganisationen)
• Ein Stadion-Mietmodell, das betriebswirtschaftlich keine Rücksicht auf die durch die Zuschaueranzahl erzielbaren Einnahmen nimmt
• Eine Infrastrukturförderung, die lediglich die Refundierung der auch ohne Nutzung anfallenden Kosten zum Ziel hat („Durchlaufende Gelder")
• Planlose Finanzströme u. a. durch einen Sponsoren-Beirat, der einen damals führungslosen Verein im Frühjahr 2009 mit einem Schuldenberg zurückließ
• Ein Stadion, das aufgrund baulicher Mängel nur für den reinen Sportbetrieb, jedoch nicht multifunktional nutzbar ist und daher nur eingeschränkt Umsatz lukrieren kann
• Der fehlende Mut, etwas Neues und Kreatives anzugehen

Wir stellen fest:
Das Personal wechselte häufig, die Rahmenbedingungen blieben seit der Vereinsgründung unverändert. Wir wissen, dass in unserem Verein Fehler gemacht wurden. Dennoch suchen wir die Ursache nicht nur bei uns selbst, sondern auch beim Umfeld des Vereins. Für uns hat die Medaille zwei Seiten.

Wir empfinden es daher als unangemessen, wenn in der Öffentlichkeit häufig auf die Unprofessionalität der Vereinsverantwortlichen hingewiesen wird, die Innsbrucker Politik hingegen jedoch nicht bereit ist, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Dies hilft niemandem. Der jüngste Konflikt um die Subventionszusagen durch die Stadt Innsbruck ist hierfür ein sehr plakatives Beispiel.

Hierzu merken wir an:

• Für den FC Wacker Innsbruck, als Profiverein, werden im Rahmen der Sportförderung die gleichen Maßstäbe angelegt, wie für einen Amateurverein. Die Subventionsordnung der Stadt Innsbruck unterscheidet nicht zwischen den Bedürfnissen von Amateurvereinen und solchen, die im Rahmen des Profibetriebs geführt werden. Dies führt unweigerlich zu Reibungseffekten, wie wir sie jetzt erlebt haben. Die Ankündigung der Innsbrucker Politik, dass für den FC Wacker Innsbruck die gleichen Maßstäbe angelegt werden, wie beim „jedem anderen Verein auch" negiert für uns nicht nur die Realität. Wir fassen sie als gefährliche Drohung auf.

Wir fragen daher:
1. Welcher Gebietsligist zahlt jährlich einen fünfstelligen Betrag an Kommunalsteuer und Kriegsopferabgabe?
2. Welcher Landesligist beschäftigt über 30 Arbeitnehmer, zahlt Sozialabgaben und trägt damit zur regionalen Wertschöpfung bei?
3. Welcher Bezirksligist bewegt jede zweite Woche mehrere Tausend Menschen zu einem Stadionbesuch?

• Der FC Wacker Innsbruck und die Stadt Innsbruck haben im vergangenen Jahr eine Subventionsvereinbarung abgeschlossen, in dem sich die Finanzverwaltung verpflichtet, in den Budgetentwurf 2014 die entsprechenden Fördermittel von 205.000 € einzustellen.

Wir fragen daher:
Warum wurde die zwischen Verein und Stadt abgeschlossene Subventionsvereinbarung nicht als Förderantrag im Sinne der Innsbrucker Subventionsordnung anerkannt? Wenn nein, wurde der FC Wacker Innsbruck bei Abschluss der Subventionsvereinbarung auf das Antragserfordernis hingewiesen?

• Laut Innsbrucker Subventionsordnung besteht auf die Gewährung von Fördermitteln kein Rechtsanspruch.

Wir fragen daher:
Warum wurde eine Subventionsvereinbarung zwischen Verein und Stadt abgeschlossen, obwohl diese kraft Gesetzes keine Anspruchsgrundlage darstellen kann?

• Parallel zur Infrastrukturförderung der Stadt Innsbruck leistet auch das Land Tirol einen jährlichen Beitrag von 210.000 €. Die entsprechenden Mittel wurden durch das Land für die
Dauer von drei Jahren zugesagt und stehen dem FC Wacker Innsbruck zur Verfügung. Analog hierzu wäre nach der Innsbrucker Subventionsordnung ebenfalls ein Förderzeitraum bis zu einer Höchstdauer von drei Jahren zulässig.

Wir fragen daher:
Warum baut die Stadt Innsbruck administrative Hürden auf, obwohl man dem Verein in seiner Budgetplanung wesentlich mehr entgegenkommen könnte? Ist das jener „Tiroler Weg", den sich die Beteiligten vorstellen?

• Dem Stadtsenat hätte laut Innsbrucker Subventionsordnung die Möglichkeit offen gestanden, mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit die beantragten Fördermittel selbst zur Auszahlung freizugeben. Der entsprechende Beschluss wurde sogar einstimmig gefasst, jedoch zur endgültigen Entscheidung an den Gemeinderat weitergeleitet. Für den FC Wacker Innsbruck wäre eine abschließende Entscheidung durch den Stadtsenat sehr wichtig gewesen, um zur Fristwahrung gegenüber der österreichischen Bundesliga den ordnungsgemäßen Geldeingang bestätigen zu können.

Wir fragen daher:
Warum wurde trotz einstimmigem Beschluss das Förderansuchen dennoch an den Gemeinderat weitergeleitet, obwohl dies die erstinstanzliche Lizenzerteilung an den FC Wacker Innsbruck massiv erschwert?

Zu diesem Vorgehen stellen wir fest:
Unsere Initiative meldet ernste Zweifel an, ob durch die Stadt Innsbruck ein einwandfreier Verfahrensweg gewählt wurde bzw. ob der Umgang mit dem FC Wacker Innsbruck bei großzügigerer Ermessensausübung auch lösungsorientierter und damit konfliktfreier hätte gestaltet werden können. Dem FC Wacker Innsbruck wurde via Medien ohne Zögern erneut Unprofessionalität vorgeworfen. Fraglich ist jedoch, ob sich nicht auch die Stadt Innsbruck damit auseinandersetzen sollte, ob sie selbst in der Subventionsfrage einen unprofessionellen Weg gewählt hat.

Wir erwarten von der Politik in der Stadt Innsbruck jene Professionalität und Verlässlichkeit, die sie zu Recht von unserem Verein einfordert. Nur dann wird es uns gemeinsam gelingen, eine neue Tiroler Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Wir brauchen daher endlich einen offenen Dialog über die Perspektive unseres Vereins!

Wofür wir daher werben:
• Eine Anpassung der Rahmenbedingungen an die tatsächlichen Bedürfnisse des FC Wacker Innsbruck und des Tiroler Spitzenfußballs
• Die Schaffung geeigneter Rechtsgrundlagen zur Subventionierung des Spitzensportes und seiner Begleiterscheinungen, wie vom Rechnungshof gefordert
• Denkverbote in der Finanzierungsfrage des Tivoli Stadions müssen aufgehoben werden
• Die Tiroler Nachwuchsschiene muss neu gedacht werden
• Einen Schulterschluss zwischen allen Beteiligten für eine gesicherte Zukunft des FC Wacker Innsbruck
• Kontinuität und Vertrauen als Fundament einer gesunden Vereinsentwicklung

Unsere Initiative wird in Kürze konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in Tirol unterbreiten. Hierzu möchten wir mit allen Beteiligten aus Verein, Politik und Verwaltung in einen ehrlichen, fairen und lösungsorientierten Dialog treten.

 

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