fehler1Die Meldungen nach den sportlich schwachen Leistungen der letzten Wochen und der Entlassung von Michael Streiter überschlagen sich. Über die Verantwortung von Trainer und oder Sportdirektor für die sportlichen (Fehl-)Leistung war auf tivoli12 schon zu lesen ( Streiter der alleinige Sündenbock? ). Im Folgenden sollen weitere Details aufgezeigt werden, die zum prekären Ist-Stand geführt haben.


Kadergestaltung

Wir unterteilen den Kader in drei Kriterien: Alter, Positionsbesetzung und Laufzeit der Verträge.

Alter

Einer der Fehler der Kaderplanung ist in der Gestaltung des Altersgefüges zu finden. Schaut man sich das Durchschnittsalter des Kaders an und vergleicht diesen mit jenen der anderen Konkurrenten, so liegen nur der Floridsdorfer AC (24,5), Austria Lustenau (24,8) und der SV Mattersburg (24,7) vor dem FC Wacker Innsbruck (24,3). Vergleicht man jedoch die Aufstellung in der letzten Runde der Ersten Liga, so schaut es anders aus.

Innerhalb des Kaders des FC Wacker Innsbruck findet man dabei den Großteil der Spieler, die über 24 Jahren sind. Fünf Spieler sind über 29 Jahren. Die Krux an dieser Geschichte: Alle fünf Spieler sind regelmäßig in der Startaufstellung zu finden. Doch Alter sagt ja meist nichts über die Qualität aus. Dass aber Alexander Hauser, Zeljko Djokic und Andreas Hölzl selbst in der zweiten Liga enorme Probleme mit ihren Gegenspielern haben, ist nicht zu übersehen.
Ansonsten findet man nur sieben Spieler, die regelmäßiger zum Einsatz kommen und dabei unter der 24-Jahre Marke liegen.

Positionsbesetzung

In der Positionsbesetzung hat man sich den nächsten Fehler erlaubt. Der FC Wacker Innsbruck leistet sich zurzeit vier Torhüter. Dabei besitzen zwei Torhüter Jung-Profi-Verträge, die anderen beiden Goalies sind mit guten bis sehr gut dotierten Verträgen ausgestattet. Die Verpflichtung von Pascal Grünwald, der dem vernehmen nach zu den Topverdienern gehört, ist nach wie vor ein Rätsel. Vorallem wenn man bedenkt, dass mit Wolfgang Schober bereits ein bundesligaerfahrener Tormann im Kader steht, der inzwischen nicht einmal mehr bei den Amateuren zum Zug kommt. Welch Geldverschwendung, die auf der anderen Seite des Kaders, im Sturm, fehlt.

In der Verteidigung hat sich kaum etwas getan. Der Abstieg hat schonungslos gezeigt, wo die Schwachstellen unserer Viererkette lagen. In der Ersten Liga ist es leider kaum besser: Nach 16 Spielen hat man bereits 20 Tore kassiert. Den aktuellen Innenverteidigern Siller, Kofler und Djokic kann man die Einsatzbereitschaft nicht absprechen, doch was die Zweikampfbilanzen angeht, so spotten diese jeder Beschreibung. Quoten von unter 50% gewonnener Zweikämpfe sind leider die Regel. Zum Vergleich: Selbst in der Erste Liga liegt der durchschnittliche Bilanz eines Innenverteidigers bei 73% gewonnener Zweikämpfe. Darüber hinaus fehlt ihnen das „moderne Rüstzeug", die Spieleröffnung aus der Defensive heraus, wofür die Innenverteidiger zuständig sind. Dass mit Drobo-Ampem dann nachgerüstet wurde, dieser jedoch auch keine sonderlich gute Figur macht, ist der nächste Punkt. Ansonsten sieht es bis auf Dominik Popp, der bisher erst ein Spiel machen durfte in der Qualität der Innenverteidigung etwas dürftig aus. Zumindest auf den Außenverteidigerpositionen hat man mit Bergmann und Schilling solide Spieler. Wobei beide Spieler beinahe mehr Qualitäten im Mittelfeld haben, was das Experiment Streiters mit der Dreierabwehr Hauser, Djokic, Siller bewiesen hat, als Bergmann und Schilling über die Seiten viel Druck nach vorne brachten.

Unsere Flügelzange besteht allerdings eigentlich aus Hauser und Hölzl. Vor allem Hölzl scheint zusehends in die Jahre gekommen zu sein, denn von seinen einstigen Stärken wie Schnelligkeit und Tempodribblings ist nichts mehr geblieben. Leider macht er mit seinen „Leistungen" da weiter, wo er zum Ende seiner Sturm-Graz-Zeit aufgehört hat. Und das eine Liga tiefer. Sein Ersatz wäre Jamnig, doch der bekommt kaum Spielzeit.
Links sieht es etwas besser aus. Das Zusammenspiel von Hauser und Schilling funktioniert soweit und Renner entpuppt sich als wirkliche Option auf dem Flügel.

Sehr gut schaut es im zentralen Bereich des Mittelfeldes aus. Säumel, Nitzlnader, Hamzic, Micic, Pirkl und Sahanek sind Kandidaten auf die verbliebenen Plätze. In letzter Zeit hatten dabei Hamzic, Micic und Säumel die Nase vorne. Die restlichen drei Spieler mussten sich mit weniger Einsatzminuten zufrieden geben. Wobei man sich schon fragen darf, ob das nicht auch ein ziemlicher Luxus im defensiven Mittelfeld ist. Hingegen auf der Offensiven Position mangelt es an Spielern. Mit Sahanek wurde nachgebessert, wobei jener sich mit einer äußerst dummen Roten Karte gleich selbst wieder für drei Spiele auf die Tribüne beförderte. Säumel hingegen zeigt zumindest in Ansätzen, dass er der erhoffte Lenker im Mittelfeld ist.

Im Angriff ging man mit Stjepan Vuleta als Nummer-1-Stürmer in die Saison. Am Ende des Abstiegsjahres konnte er sich noch einmal mit guten Leistungen für eine Vertragsverlängerung empfehlen, obwohl seine Verletzungsanfälligkeit bekannt war. Dass es ausgerechnet wieder Vuleta ist, der sich unter die Langzeitverletzten reiht ist also keine sonderlich große Überraschung. Und da offenbart sich auch schon ein Kardinalfehler: Man verpflichtet unnötigerweise einen weiteren erfahrenen Tormann, anstatt dieses Geld in einen gestandenen Stürmer zu investieren. Zum Glück hat mit Hirschhofer ein Stürmer mehrmals getroffen, von dem man sich das nicht erhoffen durfte. Gründler und Zangerl sind bisher vor dem gegnerischen Tor leider viel zu ungefährlich. Ergebnis: Magere 14 Tore – die zweitwenigsten der Liga!

Laufzeit der Verträge

Prinzipiell liest sich der oben angeführte Kader sehr gut und sollte in dieser Liga für eine Top 3 Pltzierung reichen. Man hat einige Spieler, die auch auf anderen Positionen schon gespielt haben, dennoch hat man in der Kadergestaltung zu viel Wert auf das Mittelfeld gelegt und sich in der Defensive nicht verbessert. Darüber hinaus fehlt im Sturm ein arrivierter Spieler. Ein weiterer Minuspunkt ist jener, dass sämtliche Spieler, die als Führungsspieler geholt wurden mit Langzeitverträgen ausgestattet wurden. Ob ein Jürgen Säumel, Andreas Hölzl oder Pascal Grünwald im Jahre 2017 (!) immer noch eine Verstärkung für die erste oder zweite Liga sind, ist zu bezweifeln. Dass hingegen bei jungen Spielern kurze Laufzeiten eingegangen sind, ist ziemlich verwirrend.

Damit wollen wir uns vom mittlerweile offensichtlichen Teil wegbewegen und zu einem weniger diskutierten Thema kommen: Im zweiten Teil wenden wir uns dem Thema Spielausrichtung zu.

 

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Alexander Riedling Alexander Riedling

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