b_350_1200_16777215_00_images_202122_Rund_um_Wacker_in_memoriam.jpgDer Mister Wacker ist nicht mehr. Am Donnerstag erreichte uns die traurige Nachricht, dass Fritz Schwab Junior im 90-igsten Lebensjahr verstorben ist. Fritz wurde sein schwarz-grünes Herz praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater Fritz Schwab Senior stand dem Innsbrucker Traditionsverein bereits Anfang der 30-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts und noch einmal kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges vor. Dazu hütete Sohn Fritz in den 50er Jahren das Tor der Schwarz-Grünen. Später war Schwab jun. dann selbst Vorstandsmitglied in der goldenen Ära des FCW. Als 1986 Mäzen Gernot Langes das Zepter am Tivoli übernahm und aus dem FCW den FC Swarovski machte, startete Fritz Schwab jun. mit dem FC Wacker Innsbruck in der 2. Klasse Mitte und kämpfte sich mit dem „Original“ wieder bis in die Regionalliga nach oben.

 

Sensationeller und ehrlicher Weg

Der FC Swarovski Tirol Innsbruck sorgte in der Bundesliga, so wie auch im Europacup für Furore. Als der seine Schuldigkeit für die Stammfirma ihres Mäzens getan hatte, ging dessen Lizenz wieder zurück zum FC Wacker Innsbruck. Erwin Steinlechner wurde vorerst dessen Präsident. Fritz Schwab jun. hatte sich mit seinem „Original“ inzwischen bis zur Tiroler Liga hochgearbeitet. Das Intermezzo in der Bundesliga währte aber nur kurz. Sponsoren blieben aus und dem verwöhnten Publikum war ein fünfter Platz in der Meisterschaft plus Cupererfolge viel zu wenig. Wacker hat zwar den ÖFB-Cup an den Inn geholt, war aber finanziell chancenlos. So ist die Firma Schwarzkopf als Hauptsponsor des FCW eingestiegen und der FC Tirol war irgendwie geboren - ohne je richtig aus der Taufe geholt worden zu sein. Der Verein am Tivoli hieß ab nun FC Capilaris Innsbruck Tirol und im Folgejahr FC Tirol Innsbruck. Fritz Schwab jun. machte aber da weiter, wo er aufgehört hatte und stieg bald mit seinem FC Wacker Innsbruck in die Regionalliga auf. Das Tragische am Rande ist, dass uns Erwin Steinlechner (Präsident der erfolgreichsten Jahre des Tiroler Traditionsvereins) ebenfalls erst vor kurzen verlassen hat.

Fritz Schwab hatte mit seinem „Original“ einen sensationellen Weg hinter sich gebracht und stand vor der Frage, was jetzt? Bei einem Cup-Duell gegen einen Bundesligisten durfte der Wacker Kassier 4600 Zuschauer begrüßen. Zur selben Zeit hatte der große Bruder am Tivoli kaum mehr einen Zuschauerschnitt von 3000. Aber ansonsten wurde Fritz Schwab und sein FC Wacker im Stich gelassen. Kaum Zuschauerinteresse, keine Heimat, kein Vereinsheim. Feiern mit der Kampfmannschaft und dem Nachwuchsbereich mussten in Lokalen der Umgebung verlegt werden. Weswegen eine wichtige Einnahmequelle für den Verein verloren gegangen war. 

Ende im Mai 1999

Genaugenommen am 21. Mai 1999. Da wurde der FC Wacker Innsbruck zu Grabe getragen. Ein Jahr früher hatte Fritz Schwab das Handtuch geworfen. Und das trotz eines guten Sponsors für eine möglich Teilnahme an der 2. Liga an der Angel. Allerdings wollte die Politik keinen zweiten Verein im Profifußball und sorgte dafür, dass es keine weiteren Perspektiven gab. Ohne eigenen Platz zum Spielen, ohne Tribünen und ohne Kantine entschloss sich Fritz Schwab jun. desillusioniert wieder von ganz unten zu beginnen. Mit einem extrem jungen Team wurde der FC Wacker Innsbruck in der untersten Klasse noch einmal Vizemeister. Trotzdem war nach dieser Saison Schluss. Wegen Wackers stets hervorragender Nachwuchsarbeit hatte der große Bruder FC Tirol diesen übernommen. In den Medien stand geschrieben, "der FC Tirol heiratet den Wacker". Was für eine sagenhafte Ironie! Das Konstrukt, das aus dem FC Wacker Innsbruck hervorging, sammelte nun auch seine letzten Reste auf. Ein Jahr hat dann noch ein Juniorenteam des FCT unter dem Namen Wacker Innsbruck gespielt. Danach sollte dieser für genau sieben Jahre von der Fußballwelt verschwinden. Nach der Pleite des FC Tirol erlebte der FC Wacker seine Wiedergeburt. Damals noch mit dem Anhang Tirol. Seinen originalen Namen erhielt er 2007 endlich wieder zurück.

Schwarz-Grüne Versöhnung

Vielleicht wäre unser Weg gänzlich anders verlaufen, wenn man früher das Potenzial und die Strahlkraft des FC Wacker Innsbruck erkannt hätte. Auch auf Seite der Unterstützer. Nach der Pleite des FC Tirol und der Neugründung des FC Wacker (Tirol) war Fritz Schwab nicht ganz glücklich damit. Leichenfledderung hatte das Fritz mal genannt. Immerhin wurde sein Wacker wenige Jahre zuvor in der Wiesengasse ohne viel öffentliche Aufmerksamkeit zu Grabe getragen. Sein Herz ist aber stets schwarz-grün geblieben. Im Zuge der 100-Jahr Feier des FC Wacker Innsbruck 2013 hatte sich diese Meinung etwas relativiert. Nicht bei der Feier des Vereins, sondern bei jener der Fanclubs im Z6 in Innsbruck. Wie von den (zum Teil recht jungen) Fans mit der Geschichte und Tradition umgegangen wurde und wird, hat ihm imponiert - und vielleicht auch etwas mit der Vergangenheit versöhnt. Er hat gesehen, wie das schwarz-grüne Feuer weitergereicht wird und fleißig lodert. Sichtlich erfreut und gut gelaunt konnte ich mich damals auch persönlich mit Fritz Schwab jun. unterhalten. Ein Mann der Wacker war, der Wacker lebte. Fritz Schwab jun. hat ein Vermächtnis und einen Auftrag hinterlassen. Danke für alles und Ruhe in Frieden, Fritz!

Hinweis / Autor

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.

Rudolf Tilg Rudolf Tilg

Artikel bisher gesamt: 664