b_350_1200_16777215_00_images_201516_Haxn_sta34.jpgEin bisschen ist es ja wie mit Star Wars. Da gibt es die Puristen, für die gibt es nur drei Teile. Punkt. Dann gibt es die, die kein Problem mit Fortsetzungen haben, mit Klonen und deren Kriegen. Aber auch für die ist irgendwann Schluss. Und dann gibt es die verwässerte, entseelte Merchandising-Variante mit unheimlich viel Erfolg in der Masse und unheimlich wenig bei den Anhängern, die dafür leben - also so etwas wie Red Bull im Fußball. Die Frage ist nur: wozu zählt Austria Salzburg?
 
Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite

Die Jungs aus der Mozartstadt hatten einen schweren Weg. Es wurden ihnen die Farben genommen, das Wappen, die Heimat, der Lebensinhalt. Das Imperium war gnadenlos und schmerzhaft konsequent. Man brauchte keine Jedis, keine Einzelkämpfer, keine Masse mit eigener Meinung. Man wollte gehorsame Sturmtruppler oder inhaltslose Klonkrieger, und man bekam sie, die Konsumenten des Produktes RBS. Dass auch diese nun aufbegehren und den Todes-Stern über ihren Insignien schweben sehen wollen, verwirrt das Imperium. Das Imperium ist nicht die Republik und die Republik nicht das Imperium. Hier darf nicht diskutiert werden, und schon gar nicht aufbegehrt! Die Republik kämpfte sich zwischenzeitlich dorthin zurück, wo sie glaubte, ihren Platz zu haben – in den Profifußball. Ein Durchmarsch, nur gestoppt, um sich in der Regionalliga vermeintlich zu konsolidieren, um sich eine Basis in Maxglan zu schaffen, um die Erste Liga daraufhin im Sturm zu nehmen, um wieder Westderbys zu erleben. Pustekuchen. Der Schock war groß, als die Violetten im November 2015 die Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung bekannt geben mussten. Schnell war klar, dass der Zwangsabstieg der Salzburger unumgänglich war, sehen die Lizenzbestimmungen der Bundesliga einen solchen bei einem eingeleiteten Sanierungsverfahren doch zwingend vor. Eben jene Lizenzbestimmungen, die ein solches Debakel schon vorab hätten verhindern müssen. „Irgendjemand muss doch was für unsere Rettung tun!“ Fast möchte man meinen, Prinzessin Leia sprach einst schon von der Austria...
Doch wie retten? Denn nicht nur finanziell, auch sportlich liegt man am Boden – sieben Siege aus 33 Spielen untermauern, dass der Abstieg auch spielerisch gerechtfertigt wäre, ganz ohne Lizenzentzug oder Strafpunkte. Doch die Austria hat sich noch nie gefürchtet. Nicht vor Stadionvertreibungen, nicht vor Lizenzentzügen. Und sicherlich auch nicht vor dem FC Wacker Innsbruck, den man in dieser Saison schon gehörig geärgert hat.
 
Ein ganz mieses Gefühl

Sieht man sich die vergangenen Duelle an, zeichnet sich ein durchwachsenes Bild ab. Fünf Tore setzte es gesamt vom Erzrivalen aus dem Erzbistum. Das erste Spiel – gespielt in Oberösterreich, wer will schon Innsbruck zu Gast haben oder Zuschauer empfangen - ging vor einer Kulisse von 0 zahlenden Besuchern mit 3:4 denkbar knapp zu Wackers Gunsten aus. Am Tivoli erkämpften sich die Violetten einen Punkt beim 1:1. Und den Aprilscherz – 0:1 in Wien, es braucht wirklich niemand Gäste aus Tirol – will so mancher Schwarz-Grüner noch immer nicht wahrhaben. Nur gegen St. Pölten, LASK und Kapfenberg ist die Siegquote von Wacker mit jeweils 25% schlechter als gegen Austria Salzburg. Alles Mannschaften, die sich im direkten Tabellenumfeld und somit auf Augenhöhe von Wacker befinden. Alle, bis auf die Salzburger. Noch schlimmer die andere Sichtweise: die Austria spielte nur gegen Wiener Neustadt besser. Bislang, denn auch gegen den FCW ist eine Siegquote von 50% noch möglich. Wacker als Lieblings-, als Jausengegner, das ist das letzte, was man bei den Jungs von der Sill hören will. Auch Han Solo hatte immer ein ganz mieses Gefühl, wenn sich Bedrohung am Horizont zeigte. Aber er meinte auch, man solle ihm nicht erzählen, wie seine Chancen stehen...
 
Kein Glück

So etwas wie Glück gibt es nicht. Meint zumindest Obi-Wan Kenobi, und der muss es ja wissen. Es ist Kraft, Macht, Übung. Und etwas Schicksal. Letzteres war Thomas Pichlmann bislang durchaus hold. Er führt mit 19 geschossenen Toren und 3 Assists die Torschützenliste der Liga an. Der nächste Wackerianer findet sich in der Torschützenliste mit Alexander Riemann (7 geschossene Tore und 6 Assists) erst wieder auf Platz 16. Der erste Violette?  Rang 21, Leonhard Kaufmann, mit 7 Toren und 0 Assists. Hier scheint wohl die Macht zu fehlen, nicht das Glück der Sternenkrieger. Sucht man die größten Sternenkrieger, also die meisten gewonnenen Zweikämpfe, so leuchtet Florian Jamnig bei Wacker am hellsten. Mit 49,87% gewonnener Zweikämpfe findet man ihn ligaweit auf Platz 10. Auf Platz 16 glänzt bei den Salzburgern mit 42,15% gewonnener Zweikämpfe ein alter Bekannter: Ernst Öbster. Wobei, verzeiht: „Ein großer Krieger? Groß machen Kriege niemanden!“ Ein wahres Wort, Meister Yoda. Nicht groß – aber erfolgreich. Erfolgreiche Quoten gibt es aber viele: bei der Passgenauigkeit bilden Jürgen Säumel (74,71%), Sebastian Siller (72,93%) und Andreas Hölzl (71,05%) geradezu ein Sternenbild. Raphael Reifeltshammer (75,27%) und Max Müller (76,29%) strahlen mit ihrer Passgenauigkeit zwar noch heller, gaben aber insgesamt weniger Pässe ab, als die genannten Wackerianer. Mit 48 Torschussvorlagen ist Florian Jamnig absolut top, auch in Sachen Ballkontakten zeigt sich Wacker fleißig. Unter den Top 20 finden sich vier Wackerianer, zwei davon unter den Top sechs (Andreas Hölzl mit 1947 und Michael Lercher mit 1828 Ballkontakten). Wer den Ball hat, kann ihn aber auch verlieren. Das hat Michael Lercher mit 576 Ballverlusten auch am dritthäufigsten in dieser Saison erlebt - dicht gefolgt von Ernst Öbster mit 570 Ballverlusten.
 
Viel zu lernen du noch hast

Runde 34 bringt das vorläufig letzte Westderby für einige Zeit. Zeit, die die Salzburger dazu verwenden müssen, zu lernen. Viel zu lernen. Etwa, wie man den Verein auf gesunde Beine stellt, wie man eine Heimstätte ligareif gestaltet, wie man mit eigenen Schwächen umgeht. Auch Innsbruck wird lernen müssen, denn Bundesliga-Niveau hatte man in dieser Saison auch in den besten Phasen noch nicht. Doch zuvor gilt es, die Violetten gebührend zu verabschieden, mit einem glatten Sieg vor eigenem Publikum. Konsequenz ist gefragt und Meister Yodas Rat: „Tue es oder tue es nicht! Es gibt kein Versuchen.“

Autorin: Esther Weis-Taitl

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