haxn_3_16.jpgJetzt kommt es also, das Spiel gegen die Werksportgemeinschaft. Das Tiroler Derby unter Brüdern. Innsbruck und Wattens, Wacker und die WSG – über Jahrzehnte hinweg war dies ein Synonym, kein Duell. Man gewann gemeinsam, man verlor gemeinsam. Und gemeinsam wurde versucht, den Tiroler Fußball zu pushen. So sehr, dass die Wattener sogar ihre Mannschaft gaben, um den Schwarz-Grünen einen Neustart zu ermöglichen. Und dies, obwohl man von den Alleinherrschern des FC Tirol schäbigst behandelt worden war. Das wird den Wattenern, das wird allen voran Gernot Langes-Swarovski kein Tiroler Fußballfan, kein echter Wackerianer je vergessen. Ohne GLS wäre Wacker nicht das, was es in den letzten vierzig Jahren geworden ist. Ohne GLS würde es auch am Samstag kein Spiel geben unter den Brüdern, keine Schlangen am Einlass, keine Wartezeiten vor den Kiosken... Nein, halt, Letzters liegt nicht an GLS, das gäbe es auch bei anderen Spielen am Tivoli. Und bevor ihnen beim Rumstehen langweilig wird oder sie gar versuchen, Pokemons im Stadion zu fangen, rüsten wir Sie mit etwas sinnlosem Wissen aus. Als Eisbrecher und für einen schnellen Smalltalk wird’s wohl reichen...

Fun facts

Die Innsbrucker trafen im Profisport bisher neunmal auf die WSG Wattens. Sechs Duelle gab es in der Liga zwischen 1968 und 1971, drei davon endeten unentschieden, zwei konnte Wacker für sich entscheiden. Im Jahr des ersten Meistertitels für den FCW wurde ein Punkt liegen gelassen – das hätte beinahe die Meisterschaft gekostet, konnte man sich ja letztendlich nur mit einem Punkt gegen die violetten aus Salzburg durchsetzen, die ansonsten erster österreichischer Fußballmeister aus dem Westen bzw. zweiter Meister aus den Bundesländern (nach dem LASK 1965) geworden wären. Gott behüte...

Das Derby ist zwar ein emotionales, aber kein häufiges, spielten die Burschen von der Sill im Profisport doch etwa häufiger gegen Größen wie SC Eisenstadt (29 Duelle) oder Simmering (16 Spiele). Gegen kein anderes Tiroler Team duellierte man sich jedoch in diesen Sphären des Fußballs häufiger, denn auch im ÖFB-Pokal traf man dreimal aufeinander, Wattens ging niemals als Sieger vom Platz. Naja, wobei, so ganz stimmt das nicht. 1984/85 traf die Spielgemeinschaft Swarovski Wacker Innsbruck in der vierten Runde auf – Wattens. Im Alpenstadion wurde somit Wattens von Wattens mit 5:0 besiegt, Grissemann/Stermann lassen grüßen.

In der zweithöchsten Spielklasse gab es seit Bestehen der Bundesliga bislang acht Duelle gegen Tiroler Mannschaften, je viermal hieß der Gegner SV Wörgl bzw. SPG Innsbruck. Die Unterländer wurden dreimal geschlagen, im letzten Aufeinandertreffen gab es ein 1:1 – es war das verrückte „Auswärtsmatch“ am Innsbrucker Tivoli, das unter dem Motto „singen statt werfen“ stand und TV-Reporter völlig verwirrte. Völlig unerwartet füllte sich der Auwärtssektor, machte Stimmung und sang, was das Zeug hielt – und im ORF mutmaßte man eine moralische Lehrstunde der Wörgler für die Schwarz-Grünen. Als dann die Wacker-Exklave auf der Süd in einer Polonaise durchs Stadion auf die Nord marschierte und dort gemeinsam mit den verbliebenen Fans den Ausgleich durch einen Elfmeter bejubelte, war das journalistische Chaos komplett.

Die weiteren Tiroler Derbys fanden zwischen 1979 und 1980 statt, auch gegen die Spielgemeinschaft aus Sportverein Innsbruck, Innsbrucker Sportklub und Eisenbahner Sportverein Austria Innsbruck wurden drei Siege und ein Remis erkämpft. Und es war in den 80ern wirklich ein Kampf um die Vorherrschaft in Innsbruck, die SPG verpflichtete unter anderem Peter Koncilia und noch einige weitere Ex-Innsbrucker und belegte schlussendlich Rang drei und Rang vier in diesen Jahren, stets knapp hinter dem FCW. Die Zuschauer goutierten die Duelle auf Augenhöhe, 14.000 Zuschauer verfolgten etwa das Spiel im Herbst 1980.

Am Saturn regnet es Diamanten. Gut, ich weiß, das hat jetzt nichts mit Fußball zu tun, ich wollte es nur mal loswerden. Rußpartikel aus Blitzen werden auf dem Planeten bei ihrem Absinken dermaßen komprimiert, dass zunächst Graphit und dann Diamanten entstehen. Tja, da kann jemand, der sein Glas Kristall nennt und eine Welt darum erbaut, nur staunend den Kopf schütteln. Aber selbst wenn man keine Diamanten sein Eigen nennt, kann man doch mit Stolz auf den großen Anteil an einem goldenen Stern verweisen. Ohne Swarovski, vielmehr ohne Gernot Langes gäbe es dieses Kleinod über dem Wappen des FCW nicht, vier Titel der 70er und die blauweißen Meisterschaften wären ohne ihn nicht möglich gewesen.

Wattener im Innsbrucker Dress waren in den 70ern en vogue. Als sich Wacker und die WSG zu einer Spielgemeinschaft zusammenschlossen, wurde der doch recht überalterte Kader des Meisters durch die Spieler der sogenannten „Millionentruppe“ aufgefrischt. Das brachte nicht nur Vorteile, ein für damalige Zeiten aufgeblähter Kader von 25 Ballesterern stellte die Verantwortlichen vor eine völlig neue Situation, wobei die Frage ist, ob nun der Wattener Kader in den Innsbrucker integriert werden musste oder umgekehrt, kamen doch von der Kristallgemeinde Küppers, Kordesch, beide Koncilias, Skocik, Rinker, Kastner, Gombasch und Hattenberger. Mit Jud, der ein halbes Jahr zuvor gekommen war, stellten die Wattener den Stamm der so erfolgreichen Mannschaft der goldenen 70er.

Noch extremer stellte sich die Situation beim Neustart 2002 dar, als Grünwald, Paris, Bierent, Schrott, Westerthaler, Ramsbacher, Kellner, Schroll, Mimm, Mader, Windisch, Djulic, Hanikel, Damm, Gogl und Trainer Streiter ebenso Innsbruck wiederbelebten wie der wohl beliebteste Obmann der jüngeren Geschichte, Gerhard Stocker. Dagegen wirken „die paar“ schwarz-grünen Flecken in der aktuellen Wattener Mannschaft beinahe unscheinbar: Ponholzer, Steinlechner, Popp, Svejnoha, Niko und Rene Schneebauer, Nitzlnader, Kekez, Pranter, Toplitsch, Krismer und Trainer Silberberger haben alle schwarz-grüne Vergangenheit. Wie gesagt, ein Bruderduell...

So, jetzt sollten Sie aber genug Gesprächsstoff haben, bis das Würstel mit Senf endlich Ihres ist. Und wenn nicht, sprechen Sie übers Wetter. Oder fangen Sie Pokemons. Und freuen Sie sich auf das Spiel!

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Stefan Weis Stefan Weis

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