b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta24.jpgStephen William Hawking ist nicht mehr. Jener Mann, der durch eine Krankheit selbst keine Stimme mehr hatte, dessen Worte aber dennoch die Welt sprachlos machte. Gerne würd ich ja über ihn schreiben, ein paar legendäre „Wuchteln“, für die der theoretische Astrophysiker immer zu haben war, mit Fußball verbinden, irgendwie auf Wacker hinleiten. Nur, ich hab so gar keine Ahnung von dem, womit sich Hawking tagtäglich beschäftigte. Nicht einmal dann, wenn er das Universum in einer Nussschale erklärt, für Laien verständlich. Andererseits, ich hab auch keine Ahnung von Fußball und schreib darüber. Also finden wir schon einen Weg...

 

Einfach schwierig

Stephen Hawking war bekannt dafür, schwierigste Problemstellungen einfach zu formulieren. Angefangen hat das schon mit seiner Dissertation „Eigenschaften eines sich ausbreitenden Universums“, ein Titel, den jeder versteht. Also das Gegenteil von Wacker Innsbruck, die sind kompliziert. Um die zu verstehen, da muss schon fast ein genialer Geist ran. Die Schwarz-Grünen sind ja durchaus holprig in die Frühjahrssaison gestartet. Ein spätes 2:0 gegen Hartberg in einem Spiel, das lange offen war. Die Steirer mit 57,3% Ballbesitz, einer besseren Passquote (69 zu 60 %), ziemlich ausgeglichener Zweikampf, 11:2 Eckbälle für die Blauen, 17:9 Schüsse für den TSV, 100 mehr gespielte Pässe der Heimmannschaft, 20 mehr Flanken... Wacker fuhr mit drei Punkten nach Hause. Dort, daheim am Tivoli, kickte man gegen die Lustenauer Austria. Hatte erneut deutlich weniger Ballbesitz (46,1%), eine schlechtere Passgenauigkeit (67,7 zu 61 %), spielte 65 Pässe weniger, war weniger in der gegnerische Hälfte, hatte im gegnerischen Drittel eine schlechtere Passgenauigkeit, weniger klärende Aktionen im defensiven Bereich... Die drei Punkte blieben erneut bei den Tirolern. Im Tiroler Derby geriet man, wie schon im Spiel zuvor, wie schon neunmal in dieser Saison, in Rückstand. Man konnte kaum mehr Zweikämpfe für sich entscheiden (50,4 zu 49,6 % - ein einziger Zweikampf mehr), gab nur unwesentlich mehr Schüsse aufs Tor ab (6 zu 7 – ein einziger Schuss mehr), hatte eine deutlich niedrigere Schussgenauigkeit (46,2 zu 36,8 %), war innerhalb des Strafraums weniger aktiv (10 zu 8 Schüsse), hatte deutlich weniger klärende Aktionen (20 zu 43)... Alles egal, Wacker ist das einzige Team der Liga, das in diesem Kalenderjahr noch ohne Punkteverlust ist, und das Team mit den wenigsten erhaltenen Toren. „Mein Ziel ist einfach. Es ist das vollständige Verstehen des Universums. Warum es so ist, wie es ist.“, meinte Hawking. Ich scheitere schon dabei, Wacker zu verstehen.

Würfeln oder Kicken

Ried zu verstehen ist aber vielleicht gar nicht viel einfacher. Die Oberösterreicher waren der klare Favorit vor Saisonbeginn. Das erste Saisonviertel war dann aber doch eher, naja... Man hätte sich im Innviertel vielleicht gewünscht, es wäre in einem schwarzen Loch verschwunden, aus dem nichts mehr herauskommt. Naja, nichts außer einer durch das Fehlen eines absoluten Nichts in der Quantenelektrodynamik abgeleitete thermodynamische Strahlung, ausgelöst durch Vakuumfluktationen virtueller Teilchen-Antiteilchen-Paare wie etwa Photonen. Einfach gesagt, nichts außer Hawking-Strahlung. Da staunen sie. Ich auch, ich hab nämlich keine Ahnung, ob ich das richtig verstanden habe, dazu bin ich wohl nicht intelligent genug. Und außerdem bin ich bei Photonen abgedriftet und hab an Raumschiff Enterprise gedacht. Dort hat Hawking nebenbei mitgespielt, wie auch in den Simpsons, bei Futurama oder auch in der BigBangTheory. Bei Star Trek ist Stephen Hawking der einzige Mensch, der sich selbst spielte. Und das obwohl er meinte, „dass wir erheblich intelligenter werden können als die meisten Figuren in Star Trek – was ja auch nicht weiter schwierig ist.“. Das darf nur er sagen, bei allen anderen wär ich sauer. Wo waren wir stehen geblieben? Ah, bei den Innviertlern. Tja, die haben sich im Laufe der Saison an die Tabellenspitze gespielt und auch dort überwintert. Kein Wunder, haben sie ja auch seit 11. September nur noch einmal verloren und sind seit sieben Spielen ungeschlagen. Andererseits, sie haben die Tabellenführung im Jahr 2018 abgegeben, ohne auch nur eine Niederlage kassiert zu haben. In den letzten fünf Partien kam man über ein Remis nicht hinaus – und das, ohne ein einziges Mal in Rückstand zu geraten. Das letzte Mal in Rückstand geriet die SV Ried im Oktober 2017, da verlor man auch gegen Hartberg. Seither kennt man nur das Gefühl, Anschluss- oder Ausgleichstreffer zu erhalten. Etwa gegen den FAC, als der Ex-Innsbrucker Sahanek mit dem einzigen Schuss der Wiener aufs Tor das 1:1 erzielte. Da war die ganze Statistik mit Ballbesitz (52,9%), Passquote (+2%), Zweikampf (+11,6%) völlig für die Fische. Gegen Liefering war es abermals eine Führung, mehr Schüsse aufs Tor, mehr gewonnene Zweikampfe – alles egal, ein Remis. Und im Derby gegen Linz? Zweimal Führung Ried, die nie mehr als vier Minuten hielt. Trotz Ballbesitz (58,8%), Passquote (+12%), Zweikampfstatistik (+9,4%), Schüssen (+7). Als ob Gott gewürfelt hätte. Einstein meinte zwar, der macht das nicht, aber Hawking sagte: „Er hat die Würfel manchmal nur dorthin geworfen, wo wir sie nicht sehen.“

Verständnislos

Die meisten Menschen werden an den Theorien von Hawking scheitern, selbst, wenn er sie ganz einfach erklärt. An seinen Formeln sowieso – ich bringe jetzt besser keine, der Popstar unter den Physikern meinte, jede mathematische Formel in einem Text halbiert die Leserschaft. Andere werden scheitern, wenn sie versuchen wollen, Wacker Innsbruck zu verstehen. Oder die SV Ried. Oder Fußball allgemein. Dabei hat sich Hawkings auch mit Fußball beschäftigt, etwa im Auftrag eines Wettanbieters, da dieser festgestellt habe „dass ich als theoretischer Physiker marginal besser qualifiziert bin, Vorhersagen zu machen als Paul, der Krake“. So ist auch seine Theorie für Elfmeterschützen zu verstehen – obwohl, für Innsbruck wäre es nicht schlecht, jede andere Variante einmal auszuprobieren. Also: mehr als drei Schritte Anlauf, nach oben links oder rechts zielen – und einen hellhaarigen Schützen wählen. So fanden 84 Prozent der Versuche von blonden Spielern das Ziel, 71 Prozent bei Glatzköpfigen und nur 69 Prozent von Dunkelhaarigen. „Der Grund ist unklar. Das wird eines der großen Mysterien der Wissenschaft bleiben“, meinte Hawking. Eines der Mysterien. Denn auf die Frage des New Scientist, worüber er am Tag am meisten nachdenke, meinte er: „Frauen. Sie sind ein absolutes Mysterium.“

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Stefan Weis Stefan Weis

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