b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta36.jpgRiechen Sie’s auch? Sommer wird’s, ein Hauch von Meer liegt in der Luft, es duftet nach Strand. Gut, ich riech’s nicht, Heuschnupfen. Aber ich träum davon. Für die Spieler des FC Wacker Innsbruck ist es bald soweit. Sommerpause, entspannen, genießen, ein paar freie Tage. Wäre da nicht das lästige letzte Spiel gegen den Floridsdorfer AC. Für beide geht’s um nichts mehr, also fast nichts, außer um die goldene Ananas. Aber wenn dir das Leben Ananasse gibt, mach Pina Coladas draus.

 

Ananas

Eigentlich geht es ja wirklich nur mehr und die goldene Ananas. Um einen Preis, der in Spielen vergeben wird, die für den Ausgang eines Turniers völlig unerheblich sind. Wacker ist Meister. Floridsdorf wird auch nächste Saison wieder zweite Liga spielen. Ob da jetzt ein Kickerl gemacht wird oder zwei gelangweilte Truppen sich den Ball a la Gijon ein bisserl an der Mittelline hin- und herschieben, es wäre egal für den Ausgang der Meisterschaft. Eigentlich. Denn es wird nicht so kommen. Die Innsbrucker wollen sich mit Anstand aus der Saison verabschieden, die Jungen motiviert zeigen, was sie können, um sich für die nächste Saison zu empfehlen. Und die Wiener? Die sind schon ein harter Brocken. Damit ist nicht gemeint, dass sie, wie so oft in den letzten Jahren, gegen Ende der Saison plötzlich zu einem Spiel gefunden haben, dass sie gute dreißig Runden vorher völlig ignoriert haben. 29 von 35 Runden lagen sie auf dem letzten Tabellenplatz, trugen die Rote Laterne, zuletzt von Runde 23 bis Runde 34. Auswärts haben sie in 13 von 17 Spielen verloren, lediglich zweimal gewonnen. Und genau diese Auswärtserfolge sollten zu denken geben. In Runde 14 schlugen die Blau-Weißen ihre Farbbrüder aus Wiener Neustadt, den damaligen Tabellenführer, der durch diese Niederlage die Spitzenposition an die SV Ried abgeben musste. Die Truppe von Roman Mählich war früh in Führung gegangen, Albin Gashi nach Vorarbeit von Mario Kröpfl und Edrisa Lubega nach Flanke von Kevin Hinterberger drehten in der zweiten Halbzeit die Partie. In Runde 20 traf es dann Hartberg, den designierten Vizemeister ohne Lizenz. Mit einem Sieg hätten die Steirer mit der SV Ried und Wiener Neustadt gleichziehen können, vorbei am FC Wacker Innsbruck, doch Floridsdorf hatte etwas dagegen. Auch diesmal war die Heimmannschaft früh mit 1:0 in Führung gegangen, Christian Bubalovic glich noch Ende der ersten Halbzeit aus, Thomas Rotter nach Vorarbeit Kevin Hinterberger setzte der TSV in Minute 93 den Gnadenschuss. Floridsdorf ist ein Partycrasher.

Pina Coladas

Keine 80er-Party ohne picksüße Cocktails, ohne cremige Liköre. Baileys, Malibu, Pina Colada – man versuchte, das Fernweh mit Getränken zu stillen, den Urlaub in die Dorfdisco zu holen. Ein Rezept, das wohl auch für die Erstligisten Österreichs gegolten hat, wenn sie in Innsbruck auf Besuch waren. Siebzehn Spiele, zwölf wackere Siege, fünf Remis, keine Niederlage. Ein Punkteschnitt von 2,41 pro Heimspiel, im Schnitt 1,82 erzielte Treffer, 0,41 erhalten. Das heißt, alle 218 Minuten durfte der Gast einmal kurz jubeln. Im Schnitt. Denn in den letzten fünf Spielen gab es nur einen Gegentreffer vor heimischem Publikum, es wurden aber 11 Tore erzielt – beides Verbesserungen des bisherigen Wertes. Was soll also dem erfolgreichen Abschluss der Saison noch im Wege stehen? Floridsdorf. Seit drei Spielen sind die Wiener ungeschlagen, mehr noch, in diesen drei Partien haben sie 11 Tore erzielt, gut ein Drittel ihrer gesamten Ausbeute. Der FAC ist auf den Geschmack gekommen. Adolphe Belem traf in allen diesen drei Einsätzen, der erste Spieler der Wiener, dem dies in der Ersten Liga gelingt. Lukas Tursch erzielte erstmals einen Doppelpack, 94 Spiele vorher ist ihm das nicht gelungen. Marco Sahanek, der Ex-Innsbrucker in Diensten der Herren von der Donau, lieferte im letzten Spiel zwei Assists ab, mehr als in der gesamten bisherigen Saison. Die Spieler wollen sich beweisen, der FAC konnte damit erstmals in der Ersten Liga in drei Spielen in Folge mehr als zwei Tore erzielen. Gratulanten sehen wohl anders aus.

Gold

Dabei wäre es höflich, sich mit einem Geschenk einzustellen, die Innsbrucker noch einmal feiern zu lassen. Und sie dabei vielleicht auch noch den eigenen Punkterekord für die zweithöchste Spielstufe verbessern zu lassen. Bislang steht der schwarz-grüne Rekord bei 72 Punkten, erreicht 2004 und auf die 3-Punkte-Regel umgerechnet 1981. Bislang, denn ein Sieg würde 74 Punkte bedeuten. Das wäre ja dann doch ein Ziel, für das man die goldene Ananas gerne beiseitelegt. Oder sie, wie in Wimbledon, am Pokal des Siegers verewigt. Denn eine Ananas war lange Zeit ein Statussymbol, ein Zeichen für Reichtum, ihr Servieren ein Akt der besonderen Wertschätzung. Das war in Zeiten vor Dosenananas, vor schnellen Transportschiffen und Flugzeugen, die die goldene Frucht unversehrt auf unsere Teller bringen. Oder in unsere Gläser. Aber bitte nicht auf die Pizza oder in den Toast. Nebenbei, wenn jemand der Meistermannschaft ein 80er-Feeling verpassen will: 3 cl weißen Rum, 3 cl Cream of Coconut sowie 9 cl Ananassaft, bei Zubereitung im Blender mit zerstoßenem Eis und einer Ananasscheibe und einer Cocktailkirsche als Dekoration. Fertig ist das Partygetränk, das schon Schwarz, Forstinger, Auer, Zanon, Koreimann, Schenk, Linzmaier oder Golautschnig bei ihrem Aufstieg 1981 genießen konnten. If you like Pina Coladas, and getting caught in the rain...

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Stefan Weis Stefan Weis

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