b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta7.jpgWer hat Angst vorm bösen Wolf? In den Märchen so einige, und hört man an den Stammtischen genau hin, dann wohl auch viele erwachsene Österreicher, die eine Rückkehr des Meisters Isegrim in die heimischen Wälder befürchten. Aber vor den Wölfen aus dem Lavanttal, den Wolfsberger AC? Noch immer ist der Name nicht wirklich in das Angstzentrum der Ballesterer durchgedrungen – zu Unrecht.

 

Wolfsrudel

Man macht es sich gerne leicht. Wolfsberg, eine kleine Stadt irgendwo im Kärntnerland, auf dem Papier 25.000 Einwohner, aber eigentlich ohne Eingemeindungen und Dorffraktionen kaum größer als Lienz, Schwaz oder Telfs. Wolfsberg beendete die vorletzte Bundesligasaison sieben Punkte vor dem Absteiger und mit nur einem Gegentor weniger als die defensiv schwächste Mannschaft, im vergangenen Jahr gar als Vorletzter und mit einem negativen Torverhältnis von -26. Nur 31 Tore in 36 Spielen, wahrlich keine Meisterleistung. Und die Phase zwischen dem 16. September 2017 und dem 21. April 2018 hatte es in sich 11 Heimspiele ohne Sieg, vier der fünf Remis in dieser Zeit waren magere torlose Remis. Warum sollte man sich vor so einem Team fürchten, das seit dem Aufstieg 2012 eine klare Abwärtstendenz aufweist: Rang 5 im ersten Jahr folgten, 7 – 5 – 6 – 8 – 9. EuropaLeague, einst Ziel der Lavanttaler, in weiter Ferne, sechs Trainer in sieben Saisonen. Man könnte es aber auch anders ausdrücken: vorbei die Zeiten als der WAC nur zwischen Hohen Tauern und Karawanken bekannt war, sich mit SAK, Feldkirchen und Spittal um die Vorherrschaft in Kärnten matchte oder in seltenen Fällen in der zweiten Division als Sparring-Partner diente. Vier Partien gab es um 1980 zwischen Wacker und den Athletikern, drei davon endeten mit klaren 3:1-Siegen der Innsbrucker. Lange vorbei. In acht Spielen der Bundesliga schauten die Tiroler siebenmal recht belämmert, denn nur ein einziges Mal gelang ein Sieg. Ein wichtiger, ein lebensnotwendiger, das 3:2 in der letzten Runde 2013 mit einem entfesselten Julius Perstaller und einem aufgezwirbelten Roli Kirchler an der Seitenlinie. Ein Spiel, das fassungslose Mattersburger hinterließ, die von Rang sieben noch in die zweite Liga rutschten. Alles Makulatur, denn fünf Niederlagen bei nur zwei Remis in den restlichen Spielen sprechen für Innsbruck eine deutliche Sprache. Die Wölfe können nicht nur heulen, sie beißen auch.

Schafherde

Das haben sie unter Neo-Coach Christian Ilzer schon deutlich gezeigt. Jenem Trainer, der schon den Underdog Hartberg zum Titelfavoriten und Aufsteiger in die Bundesliga gemacht hat – und der gegen den FCW in vier Spielen bislang nur einmal verloren hat. In sieben Pflichtspielen der Saison gab es drei Siege und zwei Remis. Offensiv muss sich Wolfsberg vor kaum jemandem verstecken, vor Innsbruck schon gar nicht. Bislang traf man in jedem der 8 Duelle gegen die Tiroler, insgesamt 15mal. In der Liga ist man derzeit nach Salzburg die erfolgreichste Angriffsmannschaft, 11 Tore in nur sechs Runden sind eine Ansage. Der führende der Torschützenliste: Marc Andre Schmerböck, ein 24jähriger Feldbacher, der bei seinem Stammverein SK Sturm Graz nicht zum Zug kam und sein Glück an der Lavant fand. Nur 83 Minuten benötigt er für ein Tor, von 18 Schüssen gingen 50% auf das Gehäuse, davon zwei Drittel hinein – und das, obwohl er die Mehrzahl seiner Versuche von außerhalb des Strafraums ansetzte. Eine Passgenauigkeit von fast 79% als Offensivspieler und selbst die mager wirkenden 35% gewonnene Zweikämpfe sind eine starke Ansage. Zlatko Dedic zum Vergleich kann nur 30,6% Duellgewinne aufweisen, Smail Prevljak gar nur 26%. Der junge Steirer ist mit seinem Lauf mitten drin in der Torgefahr in Österreich. Kein Wunder, ist sein Team ja auch eine Truppe von Kanonieren. 90 Schüsse wurden insgesamt bereits abgegeben, nur Salzburg war mit 107 Versuchen aktiver. Eine brav blökende Schafherde schaut anders aus, hier sind junge Wilde am Werk, mit Widderstößen wie einst beim Gauderfest. Denn Schmerböck ist nicht der einzige Torschütze, auch Michael Liendl (3), Michael Sollbauer, Manfred Gollner und Ex-Innsbrucker Christopher Wernitznig (je 1) konnten bereits den Ball im Netz zappeln lassen. Und weil fast jedes Tor eine Vorbereitung braucht, sind auch hier Wolfsberger oben in der Scorerliste zu finden: Michael Liendl und Marcel Ritzmair mit je 3, Lukas Schmitz und Dever Akeem Orgill mit je 2 Assists. Die Offensivkraft ist nicht auf einen Mann beschränkt, sondern auf viele Füße und Köpfe verteilt, die immer dann einspringen, wenn ihr Nebenmann gerade keine Möglichkeit hat.

Hüterbuam

Die Chance für Innsbruck besteht aber in der Statistik: daheim haben die Wolfsberger zwar vier Punkte aus zwei Spielen geholt, aber zeitgleich auch nur zwei Tore erzielt – bei neun Treffern in Auswärtsspielen. Schmalhans ist daheim Küchenmeister, sowohl gegen die Wiener Austria als auch gegen Sturm blieb man defensiv und überließ dem Gegner das Spiel. Sturm wies 56,5% Ballbesitz auf, die Austria gar 65,1%. Gegen Innsbruck wird dieser Matchplan wohl nicht zum Zug kommen, die Wolfsberger werden selbst aktiv den Tag gestalten müssen, und damit auch Räume öffnen für Innsbrucker Konter. Wie auch schon der vor 150 Jahren geborene Jubilar Albin Egger-Lienz bei seinem Gemälde der „Zwei ruhende Hirten“ wusste – wer der Schafherde hintnach rennt, hat verloren. Ruhe und Geduld führen zum Erfolg, auf der Alm und am grünen Feld.

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Stefan Weis Stefan Weis

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