b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta9.jpgPlötzlich ist sie da. Lacht einen quasi an mit ihrem dicken Bäuchlein und ihren vollkommenen Rundungen. Manchmal hilfsbereit, wenn sie mit anderen zusammensteht, aber gnadenlos Böse, wenn sie teilen soll. Kein Wunder, dass die Kirche sie lange Zeit für ein Machwerk des Teufels hielt – die Null. Horror vacui, der Schrecken des Nichts, der kann auch einen Fußballer manchmal eiskalt erwischen. Dabei steckt so viel Schönheit in der Null. Zumindest, wenn sie an der richtigen Stelle steht, etwa bei der Sportvereinigung Mattersburg.

Ohne Null keine Veränderung

Ohne die Mathematik mit dem Nichts kein Wandel. Die Null bietet mehr als nur eine Zahl, mehr als eine der Ziffern bis neun. Das wird anhand der Geschichte der Null schnell deutlich. Dank der Null kann man nicht nur jede Veränderung mathematisch beschreiben, sondern jede andere natürliche Zahl herleiten. Wie im Jahre 1923 der Mathematiker John von Neumann bewies. Mengentheoretisch. „Leere Menge, nichts drin, steht für Null. Nun nimm eine zweite Menge und tue die leere Menge rein. Das steht für eine eins. Nun hat man zwei Dinge: die leere Menge und die Menge, die die leere Menge beinhaltet. Das steht für eine zwei. Das hat Sinn, gleichzeitig geht auch viel Sinn verloren. So was ist die Magie der Mathematik.“ Ehrlich, sie haben bis daher weitergelesen? Respekt, sie zählen wohl zu den wenigen, die im Unterricht aufgeregt mit den Füßen gescharrt haben, wenn Differentialrechnung am Lehrplan stand. Eine Schülermenge, die gegen Null geht. Jene Null, die bei Wacker Innsbruck so oft aufgeschienen ist in letzter Zeit. Daheim gegen die Admira war man chancenlos. Nein, man nahm sich die wenigen Chancen durch individuelle Fehler und das derzeitige Unvermögen, in einer sicheren und vor allem dichten Abwehr zu spielen. Man konnte in diesem Spiel null Punkte am Tivoli halten, wie bereits zuvor in den Partien gegen St. Pölten und Graz. Nicht, dass es auswärts besser ausschauen würde. Die Austria und Rapid bedankten sich ebenso wie der Wolfsberger AC für die Gastgeschenke, Innsbruck stand am Schluss mit leeren Händen da, ansprechende Leistung hin oder her. Das Restprogramm der ersten Hälfte des Grunddurchgangs macht das Leben wohl nicht leichter: Mattersburg lädt nach dem Cup in Neusiedl zum burgenländischen Doppel auf für einen Tiroler gefühlter Seehöhe Null, die nächsten beiden Gegner sind nahe an der Null und doch viel mehr: Rang eins und zwei in der Tabelle. Wobei die einen, die Salzburger, gleich zwei Nullen stehen haben, null Remis und null Niederlagen. Quasi das Gegenteil der restlichen Westachse, welche mit null Remis (Wacker) und null Siegen (Altach) am anderen Ende der Tabelle liegt. Was an dieser Situation etwas ändern kann, das ist die Null. Wenn sie denn am richtigen Platz steht.

Ohne Null keine Besserung

Der Platz der Null im Fußball ist mannigfaltig, am liebsten wird sie aber auf der Anzeigetafel unter dem Wappen des Gegners gesehen. Naja, auch gerne am Platz, im Dress der Gastmannschaft, denn mathematisch ergibt ja eine Multiplikation mit Null ebenfalls die Null, und sei es auch 11 mal. Die Null zu halten, das ist aber derzeit nicht die Sache der Schwarz-Grünen. Selbst gegen Regionalligisten wie die Wiener Linien oder Neusiedl reichte es in dieser Saison nicht zum Wunschergebnis jeder Defensivabteilung, zu den Glücksmomenten eines jeden Torhüters. Man macht es dem Gegner derzeit zu einfach, beispielsweise am Tatort Burgenland. Knett weit nach vorne, Dieng/Hupfauf/Rieder können sich nicht gegen die Ostliga-Kicker durchsetzen, Hupfauf bleibt im Soloversuch an gleich drei Grün-Weißen am gegnerischen Strafraum hängen, über Dieng und Rieder wird der Ball an Kerschbaum zurückgespielt, etwa 70 Meter vom eigenen Gehäuse entfernt, weit in der gegnerischen Hälfte. Zu diesem Zeitpunkt stehen gezählte 10 Neusiedler und sechs Innsbrucker weiter von Knett entfernt als Kerschbaum, dem jedoch beim Versuch einen Passes auf Dieng so ziemlich null gelingt. Ein burgenländischer Ballesterer blockt den Ball, nimmt ihn an den Fuß und zündet auf seiner linken Seite den Turbo. Nicht nur er, auch seine Kollegen. Ein Pass an die Mittellinie, Kerschbaum kann ihn im Laufduell nicht zurückerobern, noch immer stehen zwischen Ball und Knett ein Burgenländer, aber drei Innsbrucker. Der Ball kommt an die linke Seite, Urgestein Kienzl zieht Richtung Strafraum, im Doppelpass und vollem Sprint durch Wackers Verteidigung, Stangelpass auf Bozkurt, Tor. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich neben Torschütze und Passgeber noch zwei weitere Neusiedler und insgesamt 8 Innsbrucker im Strafraum, 12 Sekunden nach dem Ballverlust 70 Meter vor dem Gehäuse von Knett, der in der zweiten Halbzeit auch sonst genug zu tun bekam. Wenn das gegen Regionalligsten schon so schnell und ohne Gegenwehr abläuft, darf es nicht wundern, wenn das letzte Pflichtspiel ohne Gegentor schon 15 Partien her ist, im Mai gegen Wattens war‘s.

Null und nichtig

Seitdem hat man zwar nur in drei Spielen selbst kein Tor erzielt, konnte aber durch die vielen Gegentreffer – 26 in vierzehn Pflichtpartien – nur drei Ligaspiele gewinnen. Die Bundesliga hat andere Anforderungen, und die Nachlässigkeit der Gegner, die in der vergangenen Frühjahrssaison zum Meistertitel geführt hat, hat sich in eine gnadenlose Konsequenz vor dem eigenen Tor umgewandelt. Man kickt in der höchsten Spielklasse, nicht viel anderes war zu erwarten. Dass die nicht überschwängliche, aber doch vorhanden Euphorie so schnell null und nichtig werden würde, ist zwar schade, aber auch kein Beinbruch. Den Europapokal wird man wohl nur durch Selbstfaller der Gegner im ÖFB-Cup erreichen, und wenn nicht, bleibt es ein Lied zur Stimmungsaufhellung in gefühlsarmen Zeiten. Das Ziel der Saison lautet Klassenerhalt, vor acht Begegnungen und auch jetzt. Da hilft es, wenn man in alten Statistiken kramt. Etwa, dass man das letzte Aufeinandertreffen mit der Sportvereinigung gewinnen konnte. Und die letzten vier Bundesliga-Partien. Und die letzten 12 Partien gegen die Burgenländer in der höchsten Spielklasse mit zumindest einem Tor beendete. Zumindest, denn in den letzten fünf Aufeinandertreffen waren es gar zwei oder mehr. Oder, dass Karl Daxbacher in der Bundesliga bereits 10mal gegen Mattersburg gewonnen hat, so häufig wie gegen keine andere Mannschaft, und im Burgenland selbst sogar seit 8 Spielen unbesiegter Spielleiter ist. Nur, da sind wir wieder bei null und nichtig, das war halt die Vergangenheit, in der es auch die Saison 14/15 in der zweiten Liga gab, mit drei Niederlagen und daraus resultierenden null Punkten.

Die Angst vor der Null

Da sollte die Null aber nicht stehen, wenn man am Sonntag Nachmittag in den Bus vorm Pappelstadion steigt. Denn dann ist die Null nicht die wunderbare mystische Zahl der Mathematik, sondern das, was die Kirche in ihr sah: Teufelswerk. So sehr, dass man den Mönch Gilbert von Aurillac, den späteren Papst Sylvester den Zweiten, der sich in Cordoba als Araber verkleidete und im Gebrauch der Zahl Null unterweisen ließ, im 17. Jahrhundert wegen dieser Blasphemie exhumierte und seinen Sarg öffnete um zu sehen, ob der Teufel darin sitzt. Horror vacui, die Angst vor dem Nichts, ist ein schlechter Begleiter, ob im Glauben oder am Fußballfeld.

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Stefan Weis Stefan Weis

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