b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta11.jpgDer Traum eines jeden Salzburg-Besuchers: drei wunderschöne, kleine Häufchen, die jeden Abend versüßen. Zart, flaumig, ein himmlischer Genuss. Die Nockerln sind mittlerweile der verführerische Ersatz dafür, dass die Ballesterer aus Salzburg bei den Punkten etwas klemmen – drei wunderschöne, kleine Zähler aus dem Stadion in Wals-Siezenheim mitzunehmen, das ist zum Vergnügen geworden, das sich kaum jemand gönnen darf.

 

Zart wie ein Kuss

Man kann so manchen Vergleich ziehen zwischen der Mehlspeise, die an die verschneiten Salzburger Hausberge Mönchs-, Kapuziner- und Gaisberg erinnern sollen. Etwa, dass man Geduld haben muss, um Erfolg zu haben. Wer das Backrohr noch vor Ende öffnet, um einen Blick auf die Nockerln zu werfen, dem werden sie zusammenfallen wie so mancher Traum, von den Bullen drei Punkte zu entführen. Nicht einen Punkt haben die Rot-Weißen in dieser Bundesliga-Saison abgegeben, ihr Hemd ist noch makellos rein. Fünf Heimpartien, drei Gegentreffer, zwei Shutouts, zwölf Torjubel, 10.232 Zuschauer im Schnitt, das Leben ist derzeit recht schön als Salzburg-Fan (sieht man von der liebgewonnenen Tradition ab, die Champions-League-Quali zu versemmeln und im, Zitat Beckenbauer, Verlierer-Cup auflaufen zu müssen). Mehr als der Traum von einem Erfolg war für die Gegner bislang nicht drin, auswärts wie daheim. Salzburg hat in den ersten 10 Spielen der Saison stets zumindest doppelt getroffen, in vier Spielen dreimal, gegen Wolfsberg gleich viermal. Wiederholen sie den Doppelpack gegen Wacker, dann stellen sie den Ligarekord der Rapidler ein aus dem Herbst 1987, den die Wiener damals unter dem früheren Innsbruck- und späteren Salzburg-Trainer Otto Baric erreichten. Die Bullen sind derzeit eine fast unaufhaltbar erscheinende Macht. Zum letzten Mal einen Punkt abgeben mussten sie in einem Ligaheimspiel im Dezember letzten Jahres, als der LASK ein torloses Remis ermauerte. Die letzte Liga-Niederlage in Wals, halten sie sich fest, datiert überhaupt vom 27. November 2016. Sie haben richtig gehört. 2016. Damals war noch Oscar Garcia Trainer an der Salzach, Thommy Grumser coachte die großen Innsbrucker, Barack Obama war US-Präsident, Österreich hatte einen sozialdemokratischen Kanzler, Mitterlehner führte die Schwarzen und Peter Pilz saß skadalfrei für die Grünen im Parlament. So lange ist das her, dass die Salzburger das letzte Mal in der Bundesliga drei Punkte als Geschenke an den Gast überreichten. Seit unglaublichen 37 Pflichtspielen, wettbewerbsübergreifend Liga/Cup/CL-Quali/EuroLeague, verteilt Salzburg daheim unter Marco Rose den ungewollten Todeskuss. 37mal blieb man ungeschlagen und gab dabei nur 8mal Punkte ab. Sinkt ihnen bei diesen Serien auch der Blutzucker dramatisch ab? Ich empfehle da schnell ein paar Nockerln.

Süß wie die Liebe

Die typische Salzburger Mehlspeise wurde ja angeblich von der „Messalliance“, also der Geliebten und 15-fachen Mutter Salome Alt, für ihrer große Liebe, den Salzburger Fürst-Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, erstmals zubereitet. Und hat einen nett-absurden Streit über das „Original“. Denn was sich heute „Original Salzburger Nockerln“ nennt und als Mischung aus Zucker, Ei und Mehl die Gaumen erfreut, hat mit der originalen, traditionellen Brandteigmasse wenig gemeinsam. Fast ein bisserl wie im Fußball. Dort hat man den Innsbruckern die große alte Liebe, den violetten Rivalen genommen und ein neues marketingtechnisch verbessertes Original vorgesetzt, das nun für seine Künste bewundert wird. Die Schwarz-Grünen vermissen aber die echten Nockerln aus Salzburg. Die, gegen die man in den letzten 19 Aufeinandertreffen, seit dem Oktober vor 19 Jahren, nur ein einziges Liga-Spiel verloren hat. Das war noch Liebe. Jetzt ist es Qual. Das Leipziger Farm-Team (jaja, ich weiß schon, sie haben Rasenball in der EuroLeague geschlagen – aber hat nicht auch Wackers Amateurteam die Einser-Buam in der Vorbereitung blamiert?), also, der Ersatzteilkasten der Sachsen-Bullen ist seit vierzehn Pflichtspielen gegen Innsbruck ungeschlagen. Manchmal war es ganz schön knapp für die Salzburger, wie im letzten Aufeinandertreffen im Cup, als Innsbruck im Oktober 2014 vor überschaubaren 2092 Zuschauern gegen den späteren Pokalsieger ein 0:0 ermauerte und sich erst in der Verlängerung geschlagen geben musste. Manchmal war es aber auch kaum zu ertragen, etwa im Oktober 2013, als Alan, Ilsanker, Mane, Svento und Soriano den wackeren Kämpfern ein 6:0 einbrockten. Es ist zu befürchten, dass die Mannschaft mit den meisten erzielten Treffern (26) gegen die mit den zweitmeisten Gegentoren (19) wohl nicht sehr zurückhaltend agieren wird, auch wenn in der kommenden Woche Rosenborg im internationalen Bewerb wartet. Denn man konnte sich ja ausruhen. Selbst Stefan Lainer, der für die Nationalmannschaft auf Grund einer Verletzung absagen musste, konnte sich wieder fit melden. Und so werden aus dem ohnehin breiten Kader wohl nur Jasper van der Werff und Patrick Farkas fehlen – die Salzburger werdens verschmerzen. Und mit ihren aktuell 13 Torschützen (einer mehr als Wacker insgesamt überhaupt Tore geschossen hat) inklusive führenden der Goalgetter-Liste, Munas Dabur, Anlauf auf die Fortsetzung einer Serie nehmen: 12 der letzten 15 Heimspiele haben die Bullen gegen Aufsteiger gewonnen und dabei 42 Treffer erzielt. Innsbrucks Abwehr darf sich ordentlich stärken, will man gegen diese Offensivwalze bestehen. Mit Nockerln zum Beispiel.

Ein himmlischer Gruß

Für alle, die daheim bleiben müssen und nicht in die Residenzstadt mitfahren können, noch schnell das Rezept zum Selbermachen – damit man sich am Samstag wenigstens über etwas süßes, feines aus Salzburg freut: Zwölf Zentiliter Milch und einen Esslöffel Butter auf kleiner Flamme langsam erwärmen, aber nicht zum Kochen bringen. Sechs Eier trennen, davon drei Dotter mit zwei Esslöffel Mehl und abgeriebener Zitronenschale gut verrühren. Die Eiklar und eine Prise Salz zu einem festen Eischnee schlagen. Währenddessen langsam drei Esslöffel Zucker einrieseln lassen. Die Eidottermasse zügig, aber sehr vorsichtig mit dem Schneebesen unter den Eischnee heben. Der Schnee darf dabei nicht zusammenfallen. Eine feuerfeste, mit Butter ausgestrichene Form mit der warmen Milch-Butter-Mischung anfüllen, bis der Boden bedeckt ist. In die Mitte etwas Granten-Marmelade geben. Die Ei-Masse in die Form füllen und drei gleich große Berge formen. Die Salzburger Nockerln im vorgeheizten Backrohr bei 200 Grad circa zehn Minuten backen. Dabei die Nockerln beobachten, das Backrohr aber ja nicht öffnen. Wenn die Spitzen leicht gebräunt sind, sind die fertig. Staubzucker drauf – Mahlzeit!

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Stefan Weis Stefan Weis

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