b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta_cup3.jpgWenn Hans Moser nuschelnd um eine schwere Kiste herummarschiert, die Dienstmann-Mütze abnimmt, den Kopf kratzt und sich fragt, wie man denn das Ungetüm bis zu Gaby in die oberen Stockwerke bringen soll, dann ist das ein Klassiker der österreichischen Filmgeschichte. Wenn man sich an der Sill fragt, wie man denn das vermeintlich unscheinbare, kleine Hartberg aus dem Cup bugsieren soll, dann ist das Tagesgeschäft, und noch lange kein Klassiker. Aber die TSV ist kein Handgepäck mehr, sie ist zur schweren, unhandlichen Kiste mutiert. Keine leichte Aufgabe für den FC Wacker Innsbruck.

 

Hinten ist er schwerer als vorne

Hätte vor der Saison jemand gemeint, man dürfte mit Rapid, mit Sturm in derselben Playoff-Gruppe spielen und würde Hartberg, Wolfsberg, St. Pölten dadurch vermeiden – man hätte es in Innsbruck wohl mit Handkuss genommen. Und eher nicht damit gerechnet, sich dadurch in der Abstiegsgruppe zu befinden. Das Schwächeln eines Großen ist aber nicht so überraschend wie die Wandlung Hartbergs zum möglichen Europa-League-Qualifikanten. Schon gar nicht, wenn man die Ergebnisse anschaut. Als Wacker in Runde sechs auf die Steirer traf, standen sich zwei Teams gegenüber, die den Aufstieg nur schwer verdauen konnten und mit der Spielstärke der Liga dezent überfordert waren. Die erste Cup-Runde war für beide kein Spaziergang: die Schwarz-Grünen stolperten bei den Wiener Linien zu einem 3:2, die Blau-Weißen mussten in Grödig gar in die Verlängerung gehen, bevor der ewige Dauerbrenner Dario Tadic mit einem selbst herausgeholten Elfmeter das Spiel in die erwarteten Bahnen lenkte. Und diese Overtüre war das perfekte Vorspiel zur Liga. Nach fünf Runden je vier Niederlagen, nur ein Sieg, schon zweistellig in den Gegentoren und vorne ein Leichtgewicht, Hochspannung durfte man sich am Tivoli beim Duell Innsbruck gegen Hartberg nicht erwarten. Als das Spiel auch noch mit einer kalten Dusche begann (Sanogo schob in der neunten Minute mit viel, viel Übersicht nach einem Pass von Diarra ein und erwischte dabei Knett im denkbar schlechtesten Moment) befürchtete man auf den Tribünen schon das Schlimmste. Nicht zuletzt, da sich auch ein anderer Akteur von seiner besten Seite zeigte, Schiedsrichter Gerhard Grobelnik. Es sah nach der fünften Niederlage für Wacker aus, wäre da nicht das Köpfchen von Dominik Baumgartner gewesen. Der Mann von hinten verirrte sich zweimal nach vorne und brachte Innsbruck in Führung. Eine Führung, die beinahe wieder gekippt wurde, als Kröpfl Meusburger anschoss und der Unparteiische, der wohl gerade mit einem kleinen Fremdkörper im Auge kämpfte und deshalb nicht voll am Spiel teilnehmen konnte, überraschend auf den Punkt zeigte. Knett hielt, der darauf folgende schwarz-grüne Konter wurde vom immer noch mit dem körperfremden Objekt beschäftigten Spielleiter als Abseits gewertet, die Ballesterer zeigten Spielintelligenz und verbarrikadierten sich in der Ecke, um die Uhr herunterrinnen zu lassen. Kein schönes, aber ein effektives Spiel – und drei notwendige Punkte. Innsbruck schien den Turnaround geschafft zu haben, Hartberg lag am Boden. Pustekuchen.

Einmal runter, einmal rauf

Markus Schopp tüftelte weiter am idealen Rezept und variierte zwischen 4-4-2 mit Doppelsechs, 4-2-3-1 und 4-5-1. Und er konnte mit jeder dieser Ausrichtungen Erfolge einfahren. Zunächst gegen Altach, das Tabellenschlusslicht, ein 2:1. Dann gegen Wattens im Pokal ein klares 3:0. Der Wiener Austria musste man sich nur knapp mit 0:1 geschlagen geben, um dann eine Serie zu starten, die die Tiroler nachdenklich stimmen sollte. In einer umkämpften Partie bog man Wolfsberg 4:3, um dann hinten dicht zu machen und sowohl Rapid Wien als auch Derby-Gegner Sturm Graz zu Null abzufertigen. Mehr noch, mit vielen Toren. In den letzten drei Pflichtspielen scorte Hartberg unglaubliche neunmal. Öfter, als die Innsbruck in allen Spielen nach dem Sieg über die Steirer gelang. Trotz sieben Niederlagen setzten sich die Blau-Weißen in der oberen Tabellenhälfte fest und konnten daheim mehr Zuschauer begrüßen als in der vergangenen Saison in allen Spielen von Oktober bis Mai zusammen. Rajko Rep, ehemaliger Sturmkollege von Patrik Eler in Klagenfurt, Dario Tadic und Florian Flecker stellen die Offensivgefahr der Oststeirer, die mit 18 Toren in zwölf Spielen die drittgefährlichste der Liga ist. Und auch der Blick auf die gesplittete Tabelle lässt von dem Team, das in den letzten sieben Pflichtspielen fünf Siege einfahren konnte, nicht viel Gutes erwarten. Zwar ist Hartberg das schlechteste aller Auswärtsteams (und damit sogar noch uneffektiver als Innsbruck auf fremdem Terrain) – nur, sie spielen im Cup auf eigenem Rasen. Und dort fühlt man sich pudelwohl. Lediglich Salzburg kann mit fünf Siegen und einem Remis auf eine weiße Weste verweisen, zweitbestes Heimteam ist dann schon Hartberg mit vier Siegen und damit mehr als jede andere Mannschaft der Liga. Die kleine Arena, die den Steirern beinahe die Spielberechtigung für diese Saison gekostet hätte, ist zur Festung ausgebaut worden.

Singen Sie einmal für mich das Lied

Dass Innsbruck mit Festungen umgehen kann, hat man bereits in Salzburg gezeigt. Und man hat dem LASK und der Austria Punkte abgetrotzt. Nur ein Gegentreffer in den letzten drei Spielen sind aller Ehren wert. Um gegen Hartberg zu bestehen, wird man wiederum auf eine verdichtete Defensive setzen müssen, denn sonst läuft man gegen das schnelle Umschaltspiel der Steirer ins offene Messer. Und dann heißt es, Geduld haben und auf Zeit spielen, so, wie einst ein Dienstmann...

„Aber wirft man Sie dort raus

Trag'n Sie hundertmal die Dahlie

Zur Amalie

Ins Haus

Bis man Ihnen dort ein Trinkgeld gibt

Und Amalie mich liebt!“


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Stefan Weis Stefan Weis

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