b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta19.jpgJede anständige Gruppe hat es. Das eine Mitglied, das irgendwie so gar nicht dazu passt, aber dennoch mitgeschleppt wird. Die Avengers rund um Hulk, Thor und Iron Man haben Black Widow, deren Superkraft es ist, sich in einen Latexanzug zu zwängen. Die Liga der Gerechten rund um Superman, Batman und Wonder Woman hat Aquaman, der ein oranges Leiberl trägt und ziemlich gut schwimmen kann. Die Klassiker des Films haben Star Wars, in dem eine hochtechnisierte Zukunft mit leuchtenden Stäben kämpft, die Geräusche machen. Tja. Die Bundesliga hat dafür die Admira. Keiner weiß, warum die dabei ist, niemand kennt ihre Superkraft. Ein möglicher Stolperstein ist sie allemal.

Das mit dem Stolperstein weiß wohl niemand besser als Wacker Innsbruck. Nach dem Heimsieg der sechsten Runde und dem achten Tabellenplatz war langsam Hoffnung aufgekeimt, dass die Schwarz-Grünen in die Spur finden und ihre Stärken zeigen. Gegen die Admira in der achten Runde wäre der nächste Erfolg erwartet worden – das Gegenteil war der Fall. Eine bittere 1:3-Niederlage für die Innsbrucker, der zweite Sieg und erst dritte Punktegewinn für die Südstädter, einmal mehr hatte man einen Leblosen wiederbelebt, neue Perspektiven gegeben. Die beiden Kontrahenten entwickelten sich nach diesem Spiel aber in unterschiedliche Richtungen. Während die Ballesterer aus den Bergen nach nur drei Punkten aus den vermeintlich wichtigen Partien gegen Hartberg, WAC, Admira und Mattersburg geholt hatten, blieb man die nächsten fünf Spiele ungeschlagen, kassierte nur zwei Gegentore, knöpfte drei der vier Rangvorderen fünf Punkte ab und musste in den fünf Heimspielen seit jener Niederlage gegen die Admira nur einmal als Verlierer aus dem Tivoli abziehen. Elf Punkte wurden in den letzten 10 Runden lukriert. Nicht überragend viele, aber mit dreizehn Zählern läge man schon in der oberen Tabellenhälfte, und selbst der in dieser Liste auf dem dritten Rang liegende LASK konnte nur einen Sieg mehr feiern als die Innsbrucker. An der Sill blickte man frohen Mutes in die Zukunft.

Nicht so in Maria Enzersdorf. Der Sieg gegen Schwarz-Grün war der bislang letzte in der Liga. Seitdem ging man in 10 Spielen sechsmal als Verlierer vom Platz, viermal konnte man zumindest remisieren, zuletzt mit einem überraschenden 2:2 vor 1900 hartgesottenen Zuschauern im Bundessportzentrum. Nach der eigentlich zu erwartenden Niederlage gegen Rapid trennte man sich gar von der guten Seele des Vereins, Ernst Baumeister, der schon vier Mal bei der grauen Maus der Liga ausgeholfen hat. Und der Ex-Trainer verliert immer noch kein schlechtes Wort über den Verein, mehr noch, er ist überzeugt, dass die Admira, seit neun Runden unangefochten am letzten Tabellenplatz, sicherlich nicht absteigen wird. Und er sieht in der Mannschaft eine Qualität, um unter den ersten Sechs zu sein. Vielleicht war es die fehlende Realtität im Blick auf die eigenen Kicker, die den Wechsel heraufbeschwor, vielleicht auch eine verfrühte Reaktion des Vorstandes, der meinte, Baumeister erreicht die Spieler nicht mehr. Was auch immer es war, sein Nachfolger Reiner Geyer kann wohl weder das eine noch das andere bestätigen oder wettmachen. Seit sechs Spielen am Ruder, kein Sieg, vier Niederlagen, 17 Gegentore. Und das, obwohl die erste und größte Veränderung der erhöhte Fokus auf die Defensive war. Auch in der Südstadt spielte man nun mit einer variablen Fünferkette, um bei Angriffen des Gegners verstärkt den Raum dichtzumachen. In keinem Spiel kassierte man seitdem weniger als zwei Tore, im Schnitt 2,8 – um ein ganzes Tor mehr als unter Vorgänger Ernst Baumeister. Dass man durch das schnelle Umschalten der Flügelspieler in die Offensive zumindest die eigene Torausbeute um 0,5 im Schnitt erhöhen konnte, ist bei den vielen Verlusttreffern derzeit noch unerheblich.

Denn wenn es um den Abschluss geht, offenbaren sich die Probleme der Niederösterreicher. Ihnen fehlt ein ausgewiesener Goalgetter, nur zwei Spieler – Patrick Schmidt und Stephan Zwierschitz – können zumindest drei Tore in dieser Saison vorweisen. Und Zwierschitz ist rechter Verteidiger. Die anderen Teams der Bundesliga führen drei oder vier Torschützen in ihren Reihen, die zumindest dreimal oder öfter gescort haben, Salzburg deren sogar sechs. Der direkte Konkurrent um den Abstieg, die Rheindörfler aus Altach, haben mit Fischer, Aigner, Grbic und Dobras gleich vier Mann und 15 Tore in der Statistik verankert. Eine Statistik, die in der Mödlinger Vorstadt nicht gerne gelesen wird, ist man doch mit nur 17 erzielten Toren in 18 Spielen die schwächste Offensive der Liga, mit nur 150 abgegebenen Schüssen die zurückhaltendste Artillerie Österreichs, mit nur 61 auf das Tor gebrachte auch die mit dem schlechtesten Visier aller Bundesligisten. Auslöser des Ganzen ist nicht nur eine unsichere Defensive, die zu viele Kräfte bindet, sondern ein weiterer Rekord-Negativwert. Im vordersten, dem Angriffsdrittel kann die Admira eine Passgenauigkeit von 53% aufweisen, jeder zweite Ball in der Hotzone geht verloren. Kein Wunder, dass sich dabei kaum Chancen kreieren lassen. Wenn man jetzt in der Verzweiflung auf lange Bälle setzen will, ist das für die Südstädter auch keine Lösung, von den Pässen über die Distanz finden gar nur 39,4% einen Abnehmer in den eigenen Reihen. Ein schwieriges Terrain für einen neuen Trainer.

Innsbruck darf sich jetzt aber nicht unbedingt glücklich schätzen, gegen die Admira spielen zu dürfen. Die achte Runde sollte Warnung genug sein. Oder die Spur an Leichen, die Black Widow hinterlässt. Oder die schiere Kraft, die auch aus einem Seepferdchen-Freund herausbrechen kann. Oder bei Star Wars die... Nein, dazu fällt mir nichts ein, keine Ahnung, warum die Erfolg haben. Bei den Maria Enzersdorfern muss man gespannt sein, ob die Arbeit im Winter das schlummernde Potential geweckt hat, das Ernst Baumeister in der Mannschaft sieht. Und ganz Unrecht hat er ja nicht, denn 313 abgefangene Pässe sind Höchstwert der Bundesliga, 451 geklärte Bälle aus er Gefahrenzone ebenfalls. Wenn man diese Bälle auch offensiv noch verwerten kann, dann wird es ein schwieriger Abend für den FC Wacker Innsbruck in der Südstadt.

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Stefan Weis Stefan Weis

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