b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta21.jpgAlles neu macht der M...ärz. Hofft man zumindest in Innsbruck, denn der Neustart mit Thomas Grumser, der Neubeginn der Liga nach der Punkte- und Tabellenteilung, all das soll bei Wacker Innsbruck den Motor wieder zum Laufen bringen. Starthelfer ist dabei ein Team, das in diesem Jahr so gar nicht für Startilfe bekannt ist: der Linzer ASK.

 

„Erwischt wird nur, wer nicht laufen oder lügen kann“

Die oberösterreichische Band FLUT hat dem Leben in der Stahlstadt ein musikalisches Denkmal gesetzt (https://www.youtube.com/watch?v=Y2RX8u6l6QE). Eines, das auch auf die Athletiker zutrifft und deren Gäste. Wer in Heimspielen der Linzer nicht schnell genug läuft, wer nicht täuschen und tricksen kann, der steht derzeit auf verlorenem Posten. Das mussten schon bessere erleben als Innsbruck, der letzte der 11 Bundesligisten, der sich auf diesem schwierigen Terrain messen muss. Keine einzige Niederlage haben die Oberösterreicher zu Hause zu verbuchen. Rapid wurde dort geschlagen, die Austria, Salzburg musste drei Treffer hinnehmen, im Cup fertigte man in Runde vier St. Pölten mit 6:0 ab und stellte damit im Bewerb, den vermeintlich niemand ernst nimmt, auf ein Torverhältnis von 20:0. In vier Spielen der heurigen Pokalsaison haben die Schwarz-Weißen mehr Tore erzielt als Wacker in der regulären Spielzeit der Cuppartien seit 27.10.2015. Als man gegen den LASK mit 0:2 ausschied. Die Linzer leben aber nicht von einem Ho-Ruck-Angriffsfußball, auch wenn die Ergebnisse dies manchmal vermuten lassen. Ihre Stärke ist eine stählerne Defensive. Seit Sommer 2017 sind sie zurück im Geschäft der Bundesliga, seit damals ist die Truppe von Oliver Glasner nicht nur punktemäßig das drittbeste Team hinter Salzburg und Sturm, das noch immer von seiner Ausnahmesaison zehrt. Sie kassierten in 56 Ligaspielen nur beschauliche 59 Treffer, also 1,05 Tore pro Spiel. In dieser Saison liegt man gar mit 0,9 pro Spiel gleichauf mit Salzburg, 2019 musste der erst 23-jährige Alexander Schlager noch gar nie hinter sich greifen und konnte damit seine Shut-Out-Statistik auf 14 (davon 9 in der Liga, 1 in der Europa-League-Quali und 4 im Cup) erhöhen. Das Vertrauen des Trainers in ihn scheint gerechtfertigt.

„Jede Tat hat ihren Preis“

Aber nicht nur das Vertrauen in Schlager ist groß. Jede Tat hat ihren Preis. Und jede Tat kann auch den eigenen Wert steigern. Oliver Glasner hat diese Werte erkannt und setzt auf Kontinuität, nicht auf Rotation. Bis zur Winterpause setzte er nur 19 verschiedene Spieler ein, so wenig wie kein anderer Bundesliga-Trainer. Das spricht zum einen für gute Arbeit der Physios und medizinischen Betreuung, die mit wenigen dauerhaften Verletzungen zu arbeiten hatte, zum anderen natürlich für viel Vertrauen in die eingesetzten Spieler. Wie sehr er ihnen und auch ihrer körperlichen Stärke vertraut, zeigt sich auch in der Wechselstatistik. In 20 Spielen verzichtete Glasner auf zwölf Auswechslungen und nutzte nur 48 von 60 möglichen Täuschen – auch dies ist der Bundesliga-Spitzenwert. Damit es in der Mannschaft aber nicht langweilig wird, wurden im Winter Verstärkungen geholt, die auch schon Einsatzzeiten aufzuweisen haben. Stefan Haudum, der vom Stadtrivalen Blau-Weiß geholt wurde, kam gegen Sturm zu einem kleinen Minütchen Spielzeit und damit zu seinem Bundesliga-Debüt. Er muss wohl als Ergänzungsspieler und trotz seiner 24 Jahre als mögliche Zukunftsaktie gesehen werden. Sofort in die Stammmannschaft integriert wurde Joao Klauss de Mello, der Italo-Brasilianer, der via Zweierteam von Hoffenheim den Weg an die Donau fand und nach zwei Spielen schon 177 Bundesligaminuten und eine Torvorlage vorweisen kann. Er verdrängte Yussuf Otubanjo vorerst auf die Bank. Die Zeiten der Experimente sind auch in der grundsätzlichen Formation vorbei, die Dreier- bzw. Fünferkette hat sich vollends durchgesetzt, in den überschaubaren Experimenten der vergangenen Jahre wurde fünfmal ein Spiel mit Vierer-Defensive begonnen, nur zwei Siege resultierten daraus, Glasner zog seine Schlüsse. Und er vertraut auf das, was seinen Wert beweist. Die Krönung der Kontinuität waren die Runden 6 bis 12, als er siebenmal in Folge mit derselben Startelf antrat: Schlager – Ramsebner, Wiesinger, Trauner – Ullmann, Holland, Michorl, Ranftl – Joao Victor, Otubanjo, Goiginger. Diese Mannschaft spielte dreimal zu Null, rang den Salzburgern ein 3:3 ab, schoss die Austria mit 3:0 vom Platz – und verlor gegen Innsbruck mit 0:1, eine von nur zwei Niederlagen in dieser Saison.

„Die Stadt verschlingt was sich ihr nicht beugt“

So eisern die Verteidigung in Linz steht, so furios agiert die Offensive. Joao Victor, der schon im Kapfenberger Dress die Innsbrucker Abwehr mehr als ihr lieb war beschäftigt hat und bereits vier Tore gegen Wacker vorweisen kann, steht nun eine Stufe höher bei 9 Treffern. Ihm zur Seite Dominik Frieser mit sechs (davon fünf seit November) und Thomas Goiginger mit vier Toren, dahinter ein Feld mit 10 weiteren Torschützen in der Liga. Goiginger führt mit 7 Assists auch die interne Vorlagenliste an, knapp vor Peter Michorl mit 6 Beiträgen zu einem Tor. Die Linzer verschlingen jede Defensive, die sich ihr nicht beugt. Abseits dieser Ranglisten bleibt aber die Vorbereitung und das Umschalten aus der Defensive entscheidend für den Erfolg. Im Zentrum, nein, am Flügel der Verteidigung stehen dabei zumeist Ullmann und Ranftl. Vor allem die rechte Seite von Reinhold Ranftl war dabei oft Schaltzentral nach vorne, im Herbst hatte er mit 1243 Ballkontakten die meisten der Mannschaft. Der Ballbesitz wurde aber auch zum Bumerang für die Schwarz-Weißen, deren schnelles Umschalten der Schlüssel zum Erfolg ist. Bis zur Winterpause wurden nur vier Spiele gewonnen, in denen die Athletiker mehr Ballbesitz als der Gegner hatten, und das war elfmal der Fall. Siebenmal konnte der ASK sein Spiel durchziehen, hatte weniger Ballbesitz und ging fünfmal als Sieger vom Platz. Aber auch bei ruhenden Bällen sind die Oberösterreicher eine Macht, vor allem, wenn Peter Michorl an den Ball geht. 10 Tore nach Ecken stehen bislang zu Buche, insgesamt waren sie nach Standards 15mal erfolgreich. Linz ist wie die Donau, „die Donau ist kalt wie Eis“.

Linzer Mächte

Der LASK hat derzeit nicht eine Stärke, sondern viele. In der derzeitigen Situation ist er nicht eine Macht, sondern viele Mächte. All das, was Innsbruck gerade nicht ist. Das Gute daran: wann wird den ASK im Frühjahr nicht mehr wiedersehen, er hat sich in das Meisterplayoff verabschiedet. Darum heißt es ein letztes Mal: „Nimm dich vor Gestalten in Acht. Linz bei Nacht“

Hinweis / Autor

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.

Stefan Weis Stefan Weis

Artikel bisher gesamt: 269