b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta23.jpgDer Countdown startet. Noch 10 Spiele, die über den Ligaerhalt, die über die Zukunft des Fußballs beim FC Wacker Innsbruck entscheiden. Der Auftakt findet in der Oststeiermark statt, beim TSV Hartberg. Vor ein paar Jahren, ja sogar vor ein paar Monaten hätte man wohl entspannt durchgeatmet, wenn die Hellblauen auf dem Spieltableau gestanden wären. Doch die Zeit heilt alle Fehleinschätzungen.

 

Commencing countdown, engines on

Ein bisschen ist die Stimmung bei den Schwarz-Grünen wie bei David Bowies „Space Oddity“ (https://www.youtube.com/watch?v=iYYRH4apXDo). Man kann sie nicht ganz fassen. Man weiß nicht, ob man mit Major Tom in der Einsamkeit und Depression, ja sogar unfassbaren Angst durchs All treibt – oder doch mit dem Vortrieb, den hämmernden Akkorden des Lift-Off nach dem Countdown der Schwerkraft entflieht, die einem die Füße am Boden festhält und lähmt. Das Spiel gegen Hartberg ist dabei im Vorfeld auch nicht gerade eine Entscheidungshilfe, um die Gefühlswelt richtig einordnen zu können. Ja, sicher, die Steirer haben es auch nicht ins obere Playoff geschafft und sind damit nur unwesentlich erfolgreicher einzuschätzen als Innsbruck. Die Entscheidung bei Hartberg fiel aber in den letzten Runden, mehr noch, hätte die Liga für den TSV erst nach der Niederlage gegen Wacker in Runde 6 begonnen, man wäre locker in der Meistergruppe gelandet. Denn nur die ersten Spiele ging man im erfolglosen Gleichklang mit den Tirolern und musste am Tivoli gar eine bittere 1:2-Niederlage einstecken. Für die Buben von der Sill hätte dies der Wendepunkt sein sollen, für Kicker von der Safen wurde er es. In den ersten sechs Runden mussten die Joglländer gleichviele Niederlagen einstecken wie in den 16 Runden danach, steigerten die Trefferquote von 1,3 auf 1,7 pro Spiel, aber auch den Gegentor-Schnitt von 1,8 auf 2,1. Schlicht, man wurde offensiver, direkter, druckvoller. Ohne Rücksicht auf die Defensive. Bestes Beispiel dafür ist wohl die Gegenüberstellung des ersten Pflichtspiels gegen Innsbruck mit der torreichen Cup-Partie. Ging man in Runde sechs durch eine schöne Übersicht von Zakaria Sanogo und eine zu weit vorm Tor stehenden Christopher Knett in Führung, erhielt man in der Folge zwei Tore eines Verteidigers – Dominik Baumgartner, der nicht mehr in Schwarz-Grün spielt. Hartberg hatte in diesem Spiel nur 44% Ballbesitz, gab lediglich sechs Torschüsse ab und davon nur zwei aufs Tor, der Offensivdrang war überschaubar, auch wenn ein Elfmeter vergeben wurde. Völlig anders das Spiel im Oktober. Nun beherrschten die Steirer das Feld und den Ball (54%), bombardierten das Innsbrucker Gehäuse (11 Schuss, davon sieben aufs Tor), Konterten aber auch blitzschnell und nützten jeden Fehler der Gäste aus. Dass sich auch noch vier verschiedene Spieler als Torschützen eintragen konnten (Ilic, Schubert, Rasswalder, Kröpfl) und ein fünfter (Sanogo) einen Penalty vergab, passt ins Bild der Offensivgefahr Hartberg. Im Gegensatz zu Wacker. Die drei Treffer bei dieser Cup-Niederlage erzielten mit Eler und Vallci wiederum Spieler, die nicht mehr im Innsbrucker Dress kicken.

Check Ignition

Beim TSV wird hart gearbeitet, mit starker Unterstützung der gesamten Region, egal ob Freiwillige oder öffentliche Hand. Und gemeinsam ist man stolz auf den Erfolg, mit der kleinen oststeirischen Stadt in der Bundesliga spielen zu dürfen. Der Hauptgrund des Erfolges ist aber nicht vordergründig im sportlichen Bereich zu suchen. Dort gab es in den letzten Jahren und mit den Aufstiegen immer wieder Umbrüche. Teils musste man sich der Liga anpassen, teils wurden erfolgreiche Personen aus dem Verein losgeeist und an andere Orte gelotst, wie nicht zuletzt Trainer Christian Ilzer. Dessen Nachfolger Markus Schopp füllt die Lücke aber perfekt auf, kämpfte bis zuletzt noch um die Teilnahme an der Meistergruppe und ist neben Oliver Glasner und Dolfi Blutsch mit dem LASK sowie Walter Kogler mit Wacker Innsbruck der erst vierte Trainer seit Bundesliga-Gründung, der mit einem Aufsteiger fünf Spiele in Serie gewinnen konnte. Nein, Hauptverantwortliche für den neuen TSV Hartberg ist Präsidentin Brigitte Annerl. Das wird nicht nur weit über die Steiermark hinaus bewundert, sondern auch beneidet. Und ihre Manager-Fähigkeiten wecken Begehrlichkeiten. So sehr, dass auf Sky schon spekuliert wurde, sie könnte die leitende Position beim kriselnden Konkurrenten um den Playoff-Sieg, Rapid Wien, übernehmen, zieht sich ja Präsident Michael Krammer Ende des Jahres zurück. Annerl hat aber auch ein perfekt arbeitendes Team um sich geschart, das mit den überschaubaren Mitteln ein Optimum für die Blau-Weißen herausholt. Dazu ist auch die Verpflichtung von Rajko Rep zu zählen, der in 21 Spielen sieben Tore erzielte, ebenso viele vorbereitete und damit Platz zwei in der Scorerwertung der Bundesliga einnimmt. Mit 61 Schüssen belegt er hinter dem israelischen Nationalspieler Munas Dabbur auch Rang zwei in dieser Statistik, dicht gefolgt von seinem Mitspieler Florian Flecker. Solche Werte öffnen Augen und Ohren von anderen Vereinen, und wohl auch deren Geldbörsen. Trotz Vertrag bis 2020 dürfte er wohl im Sommer das Joglland verlassen, der Gerüchteküche nach sollen Klubs aus China, Kasachstan und sogar Deutschland an ihm dran sein. So sehr, dass er sich im Winter eine neue Handynummer zulegen musste, weil er mit Angeboten überschüttet wurde.

May God's love be with you

Die zweitbeste Offensive der Liga wartet also auf das erfolgloseste Stürmerteam, die seit 470 Minuten auf einen Treffer wartenden Innsbrucker auf die in den letzten sieben Spielen stets scorenden Hartberger. Andererseits, den letzten Torjubel in Schwarz-Grün gab es im Dezember ausgerechnet gegen die Steirer, in jedem der acht Pflichtspielduelle im Stadion des TSV durfte Wacker jubeln, insgesamt 18mal. Vielleicht erinnert man sich am Samstag an die alten Tugenden.

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Stefan Weis Stefan Weis

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