b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_sta25.jpgWenn der Tabellenletzte zu Besuch kommt, hört man landauf, landab ein deutliches Aufatmen. Immerhin scheinen die Gäste im Vorfeld etwas nicht ganz so gut zu machen wie man selbst. Wenn die Admira nach Innsbruck kommt, klingt das etwas anders. Eher ein tiefes Einatmen, ein gepresstes Ausatmen, ein bisschen nervös. Denn die Südstädter sind Meister der Täuschung.

 

Meister der Illusion

Dabei müsste man doch eigentlich ganz beruhigt in das Spiel gehen. Die Schwarz-Grünen haben sich gefestigt, ihr Spiel nach vorne umgestellt, um mehr Offensivkraft auszustrahlen. Gegen die Großen konnte man zwar nicht reüssieren, aber doch immerhin die ein oder andere Gefahr ausstrahlen und etwas für’s Selbstbewusstsein mitnehmen, der Gegner auf Augenhöhe – Hartberg – wurde in die Schranken gewiesen. Wenn nun mit den Buben aus Maria Enzersdorf ein Team kommt, das in der Tabelle ganz hinten liegt und Träger der Roten Laterne ist, dann müsste doch eigentlich Vorfreude aufkommen. Nicht, weil der FC Wacker Innsbruck gegen die Admira in der Geschichte der Bundesliga bereits 56mal gewonnen hat, so oft wie gegen kein anderes Team, das ist Vergangenheit und nett für die Statistik, aber nicht relevant. Sondern weil man gegen eine Mannschaft antritt, die mit nicht gerade überzeugender Reputation in das Jahr 2019 gestartet ist. Im Sommer ein Mannschaftsaustausch, der sich gewaschen hat, mit 13 Abgängen; viele davon Stammspieler, die ihren Weg zu Teams des Meisterplayoffs gefunden haben wie Austria, Sturm und LASK, und dort in insgesamt 66 Spielen für ihre neuen Arbeitgeber für 9 Tore und 9 Assists verantwortlich zeichnen. Im Herbst ein Trainerwechsel von Urgestein Baumeister zu Reiner Geyer, dessen Reputation zwar recht überzeugend klingt – Nachwuchsabteilungen von Greuther Fürth, Stuttgart, Nürnberg, Co-Trainer bei HSV, Eintracht und VfB – der aber bis zum Winter in sechs Spielen exakt null Siege und ein negatives Torverhältnis von -9 (8:17) einfuhr. Alles ein Grund für Vorfreude auf das Frühjahr, das für Innsbruck mit dem Spiel gegen die vermeintlich graue Maus aus Niederösterreich begann, die seit unglaublichen 10 Runden nicht mehr gewonnen hatte. Alles eine Illusion, das Ergebnis ist bekannt.

Meister der Verwandlung

Innsbruck stand mit 59,5% Ballbesitz, 78,4% Passquote (+12,6%), 208 Pässen in der gegnerische Hälfte (+108) und 160 sogar ins oder im gegnerische Drittel (+71), sechs Eckbällen, 12 Schüssen und den drei Spielern mit den meisten Ballkontakten (Satin, Harrer, Klem) wie ein begossener Pudel da. Die Admiraner gewannen nicht nur 53,6% der Zweikämpfe, sie gewannen die entscheidenden. Den in der 11. Minute gegen Maranda, den in der 35. gegen Henning, den in der 89. Minute gegen die gesamte Hintermannschaft der Tiroler, die im Laufduell gegen zwei Admiraner unterliegt. Statt gewünschten neun Punkten Vorsprung auf die Admira waren es plötzlich nur noch drei. Man war wieder mitten im Abstiegskampf. Und die Südstädter, die zogen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf. In den sechs Spielen des Jahres 2019 ging die Admira nur einmal als Verlierer vom Platz, gegen Rapid Wien darf man das auch. Zeitgleich wurden aber Remis gegen Altach und Wolfsberg erkämpft, neben Innsbruck auch Altach und St. Pölten besiegt. Drei Siege zum Auftakt, mehr als in den 18 Spielen zuvor. Drei Siege sogar in Serie, das gab es zuletzt in den Frühjahrsspielen 2018 – allgemein startet die Admira verwandelt aus der Winterpause. Auch wenn diese Verwandlung oft nicht allzu lange anhält. Für Innsbruck allerdings, für diesen neuen Lieblingsgegner scheint es zu reichen. Gegen kein anderes Team der Liga konnte man bisher zwei Spiele gewinnen, gegen Wacker ist man sogar seit fünf Partien unbesiegt. Klingt wie eine Miniserie, ist in der Bundesliga-Geschichte der beiden Vereine aber sogar eine Sensation, die den Maria Enzersdorfern zuvor noch nie gelungen war. Und vorher erst einmal, zwischen 1971 und 1973. Da war selbst Reiner Geyer erst in der Grundschule und lernte die Bayernhymne unter dem Bild von Ministerpräsident Alfons Goppel, der noch im Königreich unter Prinzregent Luitpold geboren worden war. Gott mit dir, du Land der Bayern...

Meister der Entwicklung

Der Franke brachte neue Ordnung in die Mannschaft, die sieben der neun jüngsten Startelfs der Saison stellt. Zwischen 22,9 und 23,8 Jahre waren diese Teams im Schnitt und damit noch um eine Spur jünger als der auch schon recht junge Kader der Innsbrucker. Nur sechs Spieler sind älter als 25, nur zwei über 30. Mitverantwortlich dafür ist eine Nachwuchsarbeit, die seit Jahren ihresgleichen sucht. Es gibt wohl kein Team im österreichischen Profibereich, das keinen Spieler mit Admira-Vergangenheit hat. Im Kader der Niederösterreicher selbst stehen 14 Ballesterer aus der eigenen Jugend. Und diese sind nicht nur Ergänzungsspieler, sondern Leistungsträger, wie zum Beispiel Patrick Schmidt. 20 Jahre alt, mit sechs Treffern Top-Torschütze der Südstädter, drei seiner Tore erzielte er in diesem Frühjahr, zwei davon gegen Innsbruck. Nicht sein erstes Lebenszeichen, schon im vorletzten Spiel im Herbst schnürte der Cousin von Philipp Hosiner einen Doppelpack und rettete damit der Admira einen Punkt gegen Salzburg. Und das, obwohl er zu Beginn der Saison auf überschaubare Einsatzzeiten zurückblickte. Zweimal zur zweiten Mannschaft abgestellt, dreimal ohne Einsatz im Kader, sieben Spiele mit Einsatzzeiten von unter 20 Minuten – Patrick Schmidt ist nicht das Ballwunder, das vom Trainer aus dem Ärmel gezaubert wird und sofort als Stammspieler agiert, sondern ein Arbeiter, ein junger Spieler, der sich entwickelt, wie so viele schon vor ihm im Bundesnachwuchszentrum in Maria Enzersdorf. Die Admira hat mit ihm wieder ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert, gerade als man meinte, es geht doch einmal zu Ende mit diesem Meister der Täuschung. Man darf gespannt sein, was sie als nächstes aus dem Ärmel schütteln...

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Stefan Weis Stefan Weis

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