b_350_1200_16777215_00_images_201920_Haxn_sta28.jpgDie zweite Liga nähert sich dem Ende. Wer Meister wird und damit nächste Saison in der österreichischen Bundesliga spielen wird, steht aber noch nicht fest. Drei Runden sind es noch, drei Gegner, die über die Zukunft entscheiden. Der wohl schwerste Brocken für beide verbliebenen Kandidaten, die SV Ried und die Klagenfurter Austria, trägt ein Schwarz-Grünes Trikot – Wacker Innsbruck ist der Entscheider.

 

Zwei Gesichter

Dabei hätte man es sich in Oberösterreich recht einfach machen können. Nach einem holprigen Start (und einer Niederlage in Runde eins gegen Klagenfurt, ein Spiel, das noch Folgen haben könnte) kam man ab Runde sechs in die Spur. Recht gut sogar. Unglaubliche 15 Spiele oder 284 Tage lang gab es keine einzige Niederlage. Klammheimlich schob man sich an den Tabelleführer heran. Nach nur fünf Runden auf den 9. Rang abgerutscht, zog man am 1. November mit den Kärntnern gleich und marschierte einen Monat lang im Gleichschritt an der Spitze, bevor man im letzten Spiel des Jahres 2019 die alleinige Führung übernahm. Die Innsbrucker mischten sich dabei nicht in den Titelkampf ein, verloren gegen Ried daheim mit 2:3, zwei Wochen später wiederum vor eigenem Publikum gegen die Austria mit 2:4. Der Winterkönig wurde auch im Frühjahr seiner Favoritenrolle gerecht. Zum Auftakt ein Remis gegen den direkten Konkurrenten, zwei Siege noch hintennach... Bis zur ungewollten Pause im März hatte sich Ried unglaubliche acht Punkte vom Verfolger abgesetzt. Der Kas war eigentlich gegessen im Innviertel, was sollte jetzt noch passieren? Das dachte man sich auch noch im ersten Spiel ohne Publikum – und dann kam der Einbruch. Mannschaften, die eigentlich kein Gegner sein sollten, wurden zum unüberwindbaren Hindernis. Der Punkteschnitt fiel von 2,37 vor Covid auf 1,25 seit Wiederbeginn der Meisterschaft. Oder, in anderer Form betrachtet: die Innviertler waren völlig ins Mittelmaß abgerutscht, wiederum nur Rang 9 in der Neustart-Tabelle, wie bereits zu Beginn der Saison. Die Sportvereinigung hat zwei Gesichter.

Jetzt... doch nicht

11 Punkte wurden verspielt. Einmal mehr könnte Ried an sich selbst scheitern. 2017 der Abstieg, den man mit einem Heimsieg gegen schlagbare Mattersburger noch in der allerletzten Runde hätte verhindern können. 2017/18 Herbstmeister, Winterkönig – und dann eine Serie von sieben Spielen ohne Sieg. Darunter eine Niederlage gegen Innsbruck, die erste seit 136 Tagen. 2018/19 zwei Siege gegen Wattens, zwei Siege gegen Wackers Amateure, die meisten Tore erzielt, die wenigsten erhalten, nur drei Niederlagen und damit den besten Wert der Liga. Und dennoch die Tabellenführung drei Runden vor Schluss mit einem Remis gegen Austria Klagenfurt verspielt und um zwei Punkte am Aufstieg gescheitert. In Oberösterreich scheint die Angst vor dem Erfolg, die Angst vor der Bundesliga umzugehen. Oder, wie man es in fußballaffinen Societyclubs nahe Innsbruck ausdrücken würde: der Trainer war Schuld. Also nicht mit seiner Taktik, seiner Kaderzusammensetzung oder der Motivation, sondern weil er einen Unfall in der Freizeit hatte. Wie eben Gerald Baumgartner, der vor zweieinhalb Wochen enormes Glück hatte, als ein schleuderndes Auto in seines prallte, er aber wohl mit Prellungen davonkam. Aber der Schock kann eine Mannschaft völlig aus der Bahn bringen, wissen wir aus den Kristallwelten. Und ganz sicher hat das nichts mit sportlichen Belangen an sich zu tun, wenn man vorher und nachher nicht konstant gut spielt...

Der Entscheider

Jetzt geht es also gegen Wacker Innsbruck. Ein schwarz-grünes Duell um die Zukunft. Denn leichter wird es im kommenden Jahr sicherlich nicht werden für Ried, auch wenn der große Konkurrent Klagenfurt die Liga verlassen hat. Lustenau wird, trotz langjährigem Scheitern, immer ein Konkurrent um den Aufstieg bleiben, Innsbruck könnte zu einem werden. Und noch unbekannte Überraschungen sind nie ausgeschlossen. Oder hätten Sie geglaubt, dass sich Hartberg nicht nur in der obersten Liga festsetzt, sondern sogar in den Europacup kommt? Der Meistertitel heuer könnte sogar doppelt wertvoll sein, vielleicht sogar so etwas wie eine Garantie für den Klassenerhalt im kommenden Jahr, sollte Mattersburg noch einmal in der obersten Liga antreten dürfen. Doch zunächst müssen die Innviertler noch drei Spiele gewinnen, angefangen bei Wacker Innsbruck, dem Entscheider.

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Stefan Weis Stefan Weis

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