b_350_1200_16777215_00_images_201920_Haxn_sta29.jpgZwei Spiele noch, und die Saison ist rum. Eine Saison, deren größte Spannung am Ende die Frage bot: Können wir überhaupt spielen? Bei der vor sportlichen Austestungen gesundheitliche Testresultate über die Aufstellung bestimmten. Und in der Austria Lustenau, einmal mehr, zur Überraschung mutierte: statt sportlichem Spitzenverein spielerisches Selbstversagen.

 

Sportschützenverein

In den letzten 20 Jahren pendelten sich die Vorarlberger weit, weit oben, aber eben nicht ganz oben ein. Im Schnitt auf Rang 3,7, dreimal sogar Vizemeister. Kein Wunder, man hatte so manche Schützen und Kanoniere in seinen Reihen. 2002 etwa beendete die Austria die Saison mit 68 Treffern und einem Plus von 32 Toren. 17 davon trug Zoran Vujic bei, damals junge 30 Jahre – und nie wieder so erfolgreich. Der Nachfolger von Roland Kollmann (Torschützenkönig 2001) schaffte es nicht ins Nationalteam, er wurde auch kein Spieler, um den uns ganz Europa noch beneiden wird, wie die Nummer drei der Torschützen des Jahres 2001, der junge Leobener Roland Linz. 2004 mühte sich Christian Stumpf für Lustenau ab, schaffte 16 Treffer, stand dabei aber im Schatten eines ehemaligen Lustenauers, der nun für Schwarz-Grün seine Schuhe schnürte: Sammy Koejoe. Die kommenden Jahre der zweiten Liga waren geprägt von großen Namen in der Torschützenliste. Sanel Kuljic etwa, Ivica Vastic, Rene Gartler, Patrik Jezek, Hannes Aigner... Der erfolgreichste Lustenauer dieser Jahre bis 2016? Ein Tiroler. Armin Hobel trug fast ein Drittel der 54 Tore der Saison 2006 bei. 17 Treffer im grün-weißen Trikot blieben unerreicht bis 2017, als Raphael Dwamena sogar noch einmal mehr scorte – und dennoch sechs Tore hinter dem Torschützenkönig aus Innsbruck, Patrik Eler, blieb. Doch dann kam die Zeit eines Brasilianers, der die Liga aufmischte.

Sommerschlussverkauf

In seiner Heimat Val Ceará gerufen, laut Geburtsurkunde Ronivaldo Bernardo Sales, ein Mann mit Killerinstinkt vor dem Tor und manchmal etwas ungeübtem Verhalten auf dem Platz. Sein erstes Tor gegen Innsbruck erzielte er am 26. September 2014, damals noch im Dress von Kapfenberg. Es war das 0:3 in einem Spiel, in dem er bereits das erste Tor vorbereitet und dann die wackere Hintermannschaft ordentlich durcheinandergewirbelt hatte. Mit dem Brasilianer am Feld hatte die KSV in eineinhalb Jahren einen Punkteschnitt von rund 2,20 pro Spiel. Die KSV! Kein Wunder, dass man auf den Brasilianer aufmerksam wurde in Österreich. Was sag ich, bei der Austria, der Wiener Austria. Vertrag, Trainingslager – und dann der Rückschlag. Einer, der schon ganze Fußballkarrieren beendet hat. Schmerzen im Adduktorenbereich, Operationen, Behandlungen. Nichts half. Der neue Verein, die Bundesliga, alles für die Katz. Das Abschiedsspiel für Kapfenberg im November 2014 blieb das letzte Pflichtspiel für 1026 Tage. Während die Austria in der Europaleage gegen Rom spielte, verabschiedete sich Ronivaldo in seine Heimat. Mit Fußball hatte er abgeschlossen, die sechs Monate Restvertrag konnte er in Brasilien auch absitzen. Bis er träumte, er sei gesund. Und es auch war. Er ging laufen, ohne Schmerzen. Kam nach Wien und spielte, ohne Schmerzen. Trainierte mit seinem Freund Thiago de Lima Silva in Vorarlberg und wurde bei Lustenau unter Vertrag genommen. Bumm. Machte es im gegnerischen Tor. 2018 waren es 12 Tore in 20 Spielen, im Jahr darauf 26 in 30, derzeit 23 in 27 Partien. 0,8 Tore pro Spiel, da muss man zugreifen – dachte sich zumindest Wacker Innsbruck.

Störung des Sozialverhaltens?

Es erinnert ja etwas an die Aussage eines spätpubertierenden Fußballers. Ich kauf dein Leben. Eine Störung des Sozialverhaltens, das sich eigentlich mit dem Erwachsenwerden legen sollte. Fast könnte man den Innsbruckern vorwerfen, vor dem bedeutungslosen West-Derby auch ein bisschen in die Pubertät an den Tag zu legen – wäre Fußball nicht ein beinhartes Geschäft und die Lustenauer Mannschaft mit hervorragenden Spielern bestückt, die man gerne in den eigenen Reihen wähnt. Und so wird nicht nur Ronivaldo, der Schreck aller Verteidiger, sondern auch Stürmerschreck Darijo Grujcic im kommenden Jahr das wackere Team verstärken. Es werden nicht die letzten Neuzugänge bleiben für eine Saison, in der Innsbruck schon vorab die Bürde des Erfolgs aufgehalst wird. Bleibt nur zu hoffen, dass man daran nicht zerbricht wie Lustenau in den letzten 20 Jahren...

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Stefan Weis Stefan Weis

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