b_350_1200_16777215_00_images_201920_Haxn_sta30.jpgHat etwas funktioniert, zumindest an der Kasse, dann gibt es in Hollywood nur eine Devise: das Pferd so lange reiten, bis es tot ist. Und wenn es selbst als Kadaver noch Geld einbringt, dann satteln wir es erneut. Im Fußball ist das eigentlich nur selten der Fall. Ist etwas tot, braucht man sich um Totengräber und Leichenfledderer nicht zu kümmern, die kommen von alleine. Vor der letzten Runde der zweiten Liga scheint es, als wünscht man sich eine derartige Situation im Fernduell Ried gegen Klagenfurt – nur, es wird sie nicht geben. Klagenfurt wird den Angriff auf die Bundesliga einfach um ein Jahr verschieben und damit ungeliebter Konkurrent von Wacker Innsbruck werden. Ried wird eventuell kleinere Brötchen backen, aber ebenso nach dem Wiederaufstieg gieren, mit einem eingeschworenen Team, das schwer zu biegen sein wird. Die Schwarz-Grünen stehen etwas ratlos mittendrin und fragen sich, wer denn im kommenden Jahr der liebste Feind wäre. Denn Wacker Innsbruck ist: der Entscheider 2 – jetzt erst recht!

 

Hurra, die Gams!

Dabei ist die Lage ganz klar. Die Tiroler werden sich keinen Vorwurf auch nur andichten lassen und mit den besten Spielern aufs Feld gehen. Die beste Mannschaft heißt aber auch, dass es jene Truppe ist, die auswärts nur die Hälfte aller Spiele gewinnen konnte; jene, die trotz Tabellenrang fünf kein positives Torverhältnis vorweisen kann; jene, die trotz faszinierendem Angriffsfußball weniger erzielte Tore vorweisen kann als der Tabellenvierzehnte Blau-Weiß Linz oder der Tabellenzwölfte SV Horn; jene, die zeitgleich aber mehr Tore erhalten hat als die Defensive von Vorwärts Steyr, SV Lafnitz oder dem FAC. Also eben jenem Wiener Vorstadtverein, der sich in der letzten Runde anstellt, um die SV Ried in ihrem Spiel um die Rückkehr in die Bundesliga zu ärgern. Den Innsbruckern werden im Spiel gegen die Kaufmännischen aus Klagenfurt elf Mann gegenüberstehen, die nur eine Devise kennen: Hurra, die Gams! Die Kärntner brauchen nicht nur einen Sieg, sie brauchen einen Kantersieg. Denn sollten beide Spitzenteams ihre jeweilige Partie gewinnen, wird der Aufstieg nach 30 Runden mit allen Ups und Downs auf das schnöde Torverhältnis heruntergerechnet. Und das spricht derzeit um einen einzigen Treffer zu Gunsten der SV Ried, mit den etwas weniger geschossenen Toren sind es eigentlich zwei Treffer, um die Klagenfurt besser sein muss. Also eigentlich die Verpflichtung, zumindest drei zu schießen, um überhaupt einen Chance zu haben. Drei Tore (oder mehr) in einem Spiel, das war für Klagenfurt in dieser Saison eigentlich kein großes Problem. Es funktionierte gegen Ried in Runde eins, Liefering, Blau-Weiß Linz und Lafnitz im August. Lustenau im September, Kapfenberg im Juni, die Juniors und Horn im Juli. Und auch schon im November gegen die Buben von der Sill. Drei Tore schossen die Violetten damals, eines steuerte Stefan Meusburger schon in Minute drei bei, insgesamt gingen sie als 4:2-Sieger vom Rasen des Tivolis. Ein Ergebnis, das aller Voraussicht nach nicht reichen würde, um die Saison als Meister zu beenden.

Gleich spielt’s Granada!

Es sind die Gegentore, die Sorgen machen müssen in Klagenfurt. Mit Oliver Markoutz haben die Violetten den dritterfolgreichsten Torschützen in ihren Reihen, der alleine seit Wiederbeginn der Meisterschaft im Juni neunmal in zehn Spielen getroffen hat. Mit Okan Aydin spielt der dritterfolgreichste Assist-Geber ebenfalls am Wörthersee. Zusammen sind sie das dritterfolgreichste Duo der Liga mit 27 Toren. Nur, was nützt das, wenn man der Beste sein will? Wenn man in Amstetten in der 83. Minute einen Elfmeter zur Führung vergibt, und sich dann Minuten später einen völlig unnötigen einfängt? Die Schlussminuten hatten es nicht nur auf Grund der sich ständig ändernden Tabellensituation in sich, sie haben auch Konsequenzen bis in das letzte Saisonspiel. In der 85., der Minute des verhängnisvollen Fouls – oder Nicht-Fouls – sahen neben dem Penalty-Verschulder auch zwei weitere Klagenfurter eine gelbe Karte, weil sie ihren Mund nicht halten konnten. Einer von Ihnen war Markus Rusek, normalerweise fix gesetzt im Mittelfeld und mit defensiven Aufgaben beschäftigt. Normaler Weise, denn gegen Innsbruck darf er diese Gelbe büßen und das Spiel von der Tribüne des leeren Wörthersee-Stadions aus beobachten. Noch dämlicher ist aber wohl die Zwangspause des linken Außenverteidigers Kosmas Gkezos, der in der 93. Gelb, in der 97. in einer Rudelbildung Gelb-Rot sieht. In 26. Spielen war er in der Startelf, wurde nie ausgetauscht, verpasst nun aber das Finale nach seiner insgesamt 13. gelben Karte. Offense wins games. Defense Championships. Dieser ausgelutschte Spruch könnte sich wieder einmal bewahrheiten.

Geronimo!

Jetzt geht es also um alles im letzten Spiel. In der Theorie würde eine um zwei Tore weniger hohe Niederlage als Ried auch für den Meistertitel reichen. Realistischer Weise wird Klagenfurt aber wohl gewinnen müssen. Hoch gewinnen. Kantersieg, gab Trainer Micheu aus. Die Austria wird sich also wie einst der Apache Geronimo mit 17 Mann gegen 8000 Soldaten in einen Kampf stürzen. Geronimo gewann damals nicht, nebenbei, auch wenn sein Name noch Jahrzehnte später von Fallschirmspringern der US-Armee als Beispiel für Heldenhaftigkeit beim Absprung gerufen wurde. Die Geschichte wird sich nicht wiederholen, ein langgezogenes, kärntnerisches „Miiii-hooooiiiiii!“ für den Häuptling der Kärntner wird es wohl nicht geben. Denn am Freitag wartet auf Austria Klagenfurt kein Jausengegner, sondern Wacker Innsbruck. Der Entscheider.

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