b_350_1200_16777215_00_images_202021_Haxn_sta2.jpgDie Umfrage unter den Trainern der zweiten Liga ergibt ein klares Bild, wenn es um den Meisterschaftsfavoriten geht. Also, ein klares, unklares Bild – entweder Klagenfurt, oder Innsbruck, mit leichter Tendenz zu den Kärntnern. Außer man spricht mit dem neuen Trainer des Floridsdorfer ACs, Miron Muslic. Da gibt es ein klares „Wacker“, versehen mit einem Lächeln. Geschenke wird es aber wohl dennoch keine geben am Freitag...

 

Halb...

Für Muslic ist es ein besonderes Spiel. Das erste Liga-Auswärtsspiel als Neo-Coach der Wiener, immerhin, und dann beim möglichen kleinen Meisterschaftsfavoriten, der selbst nur halb glücklich mit dieser Rolle ist und lieber nichts davon hören will. Eine halbe Premiere, denn einmal stand er schon als Quasi-Chef-Coach an der Seitenlinie eines Profi-Clubs. Zwei Jahre ist es her, da übernahm der Co-Trainer Muslic für ein Spiel die Rolle des Interimstrainers, um auswärts das Oberösterreich-Derby gegen die kleinen Linzer Zebras mit 0:1 zu gewinnen. Mit der SV Ried war das damals. Auch schwarz-grün, aber nicht unbedingt der Herzensverein des Bosniers. Also, Halb-Bosniers. Geboren ist Miron zwar in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, also so halb im Ostblock. Aufgewachsen aber dort, wo es schön ist: in Tirol. Ein kleiner Innsbrucker, der als junger Bub schon für Wacker seine Schuhe knüpfte und dort das Fußballspielen lernte. Das Kicken, das ihn zwar nicht in die Kampfmannschaft des Meisters vom Tivoli rund um 2000 führte, aber in das nahegelegene Wörgl. Der dort mit Reinhold Harasser kickte und Alexander Gruber, geleitet von Werner Schwarz. Und der mit seinem Teamkollegen Thomas Silberberger am 24. Spieltag beinahe die Meisterschaft wieder spannend machte und das große Ziel des Innsbrucker Aufstiegs gefährdete. 22 Minuten gespielt vor 5000 Zuschauern, und Wörgl führte gegen den Liga-Leader locker mit 2:0. Um dann noch mit 2:5 unter die Räder zu kommen, dreimal Sammy Koejoe sei Dank. Zumindest Wörgl-Spieler Muslic dürfte es verkraftet haben, wenn man sein Lächeln sieht beim Gespräch über Wacker.

...halb

Halb blieb er seinem Schwarz-Grün treu, wenn auch Ried zur neuen Heimat wurde. 2007 kickte Muslic schon dort, als er seine Schuhe an den Nagel hängte, wurde er Co-Trainer der Amateure, war in der Akademie tätig. Und darf nun erstmals als Cheftrainer, wirklich und gesichert, ran, in Wien. Wobei, halb in Wien, der 21. Hieb wird von den Wienern nicht umsonst Transdanubien genannt, also nicht unbedingt da bei uns in der Stadt. Und 21 ist nicht umsonst die Hälfte von 42, dem Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests laut Douglas Adams legendärem „Per Anhalter durch die Galaxis“. Also halb-sinnvoll. Denn gesichert war in Floridsdorf noch nie etwas, der Trainerverschleiß der Blau-Weißen ist nicht von schlechten Eltern. Gitsov, Fischer, Handl, Heraf, Oberhammer, nochmal Handl, Eidler, Glawogger, Maresch, Halper, Flögel, Pacult, Kleer... Das waren alleine die Trainingsleiter der letzten fünf Jahre. Ebenso konstant wie dieser Job, ist der als Spieler. Stillstand ist der Tod, das scheint Motto zu sein jenseits der Donau. Mit einem Problem: bislang konnte man sich immer und gerne bei den Amateuren der Wiener Großklubs bedienen, bei den jungen Violetten und den jungen Grünen. Die haben aber nun selbst beide Teams in der zweiten Liga, was also tun? Man besann sich in Floridsdorf dem alten Nachbarn, dem Vormieter im Leopold-Stroh-Stadion, das einst der Platz in der Hopfengasse und Heimat der Jedleseer Admira war. Mit Kevin Sostarits kommt da aus der Südstadt ein Talent, dem noch manche folgen könnten – wenn man denn die Liga halten kann. Dazu sollen Kicker wie Bojan Lugonja und Flavio da Silva aus Ried beitragen, Leomend Krasniqi aus Horn oder Lukas Skrivanek aus Kapfenberg. 12 Abgänge und 13 Zugänge sind zwar eine große Veränderung, haben aber Floridsdorf wohl nur halb geschwächt.

So fifty, oder so

Auf Wacker wartet also eine halb-leichte Aufgabe. Im vergangenen Jahr eigentlich Absteiger, Fluktuation im Team, Auftaktniederlage gegen Lafnitz – dem stehen die letzten Partien gegenüber. Drei Spiele, zwei Niederlagen, und der Sieg nur durch ein müdes 1:0 aus einem Elfmeter. Floridsdorf kommt nicht, um Geschenke zu bringen. Und Muslic sicher nicht nur, um sich seine alte Heimat anzusehen. Aber so fifty oder so dürfte dann doch für die Schwarz-Grünen sprechen. Denn Wacker ist die eigentliche Antwort auf den Sinn des Lebens, das Universum und den Rest, sagen manche.

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Stefan Weis Stefan Weis

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